Abgangsentschädigung

Der entlassene ABB-Chef Ulrich Spiesshofer könnte bis zu 24 Millionen erhalten

Teurer Abgang? Ex-Chef Spiesshofer.as

Teurer Abgang? Ex-Chef Spiesshofer.as

Der abgesetzte ABB-Chef Urlich Spiesshofer erhält nochmals einen grossen Zahltag.

Nach der Trennung von Ulrich Spiesshofer muss ABB die Konditionen regeln. Wie viel Entschädigung soll der ehemalige Chef vom Industriekonzern erhalten? Gegenüber der Öffentlichkeit zeigt sich ABB wenig auskunftsfreudig. Der Konzern gibt nur bekannt, die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Spiesshofer würden erfüllt. «Weitere Details werden im Geschäftsbericht 2019 veröffentlicht.» Das Thema dürfte indessen schon bei der diesjährigen Generalversammlung zu reden geben.

Einige Angaben zur Entschädigung von Spiesshofer finden sich im Geschäftsbericht 2018. Demnach enthalten Arbeitsverträge von Mitgliedern der Geschäftsleitung jeweils Kündigungsfristen von zwölf Monaten. In dieser Zeit zahlt ABB das Grundsalär aus, Zusatzleistungen sowie die kurzfristige variable Vergütung. Total wären das wohl 5,4 Millionen Franken.

Zusätzlich hat ABB mit Spiesshofer ein Konkurrenzverbot vereinbart. Ein Jahr lang darf der ehemalige Chef seinem alten Arbeitgeber die Kunden nicht streitig machen. Solche Vereinbarungen hat ABB mit allen Mitgliedern der Geschäftsleitung abgeschlossen. Gemäss Geschäftsbericht darf die Entschädigung dafür, dass Spiesshofer diesen Deal eingeht, ein Jahressalär nicht überschreiten. Wenn der zulässige Spielraum ausgenutzt wird, würde Spiesshofer weitere 8,5 Millionen Franken beziehen. So viel erhielt er für das Jahr 2018. Total wäre Spiesshofer bei rund 14 Millionen angelangt.

Es bleibt die 10-Millionen-Franken-Frage. ABB hat für Spiesshofer über mehrere Jahre rund 500 000 eigene Aktien zur Seite gelegt, sie ihm aber nicht überschrieben. Erst wenn bestimmte Ziele erreicht würden, gehen die Aktien wirklich an Spiesshofer über. So sieht es ein langfristig angelegtes Anreizprogramm vor, mit dem die Interessen von Aktionären und Unternehmenschef deckungsgleich werden sollen. Aktuell wären diese Aktien rund 10 Millionen Franken wert. Insgesamt würde ABB also Spiesshofer noch 24 Millionen Franken ausbezahlen. Sofern der Spielraum ausgeschöpft wird, der gemäss öffentlich bekannten Angaben vorhanden ist.

Beispiel Vasella

Der Stimmrechtsberater Ethos kann nicht ausschliessen, dass es zu einer solchen Gesamtzahlung von 24 Millionen Franken kommen wird. Anhand der öffentlich bekannten Informationen sei dies möglich, sagt Ethos-Direktor Vincent Kaufmann. Ginge es nach den Richtlinien von Ethos, sollte Spiesshofer viel weniger erhalten. Es entspreche nicht der gängigen Marktpraxis, dass ein ehemaliger Chef für ein Konkurrenzverbot nochmals ein volles Jahressalär erhalte. Die für Spiesshofer zurückgelegten Aktien sollten ihm nicht überwiesen werden. Kaufmann: «Normalerweise sollten seine Rechte daran verfallen.»

Nicht nur bei ABB, auch sonst ist die Frage umstritten, welche Entschädigung ein Konzern einem Ex-Chef zahlen soll. Eigentliche Abgangsentschädigungen dürfen an der Börse gehandelte Unternehmen von Gesetz wegen nicht gewähren. Doch mancher Konzern greift zu Zahlungen für Konkurrenzverbote. Ein notorisches Beispiel war der scheidende Chef des Pharmakonzerns Novartis. Daniel Vasella wollte sich für ein sechsjähriges Konkurrenzverbot insgesamt 72 Millionen Franken ausbezahlen lassen. Der öffentliche Aufschrei zwang ihn jedoch zum Verzicht.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1