Der frühere Finanzchef der UBS und heutige Co-Chef der Deutschen Bank, John Cryan, räumt bei Deutschlands grösstem Geldinstitut auf. Wegen milliardenschweren Rechtsstreitigkeiten und gigantischen Abschreibungen schreibt die Deutsche Bank im dritten Quartal einen Rekordverlust von 6,2 Milliarden Euro.

Selbst auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 wies die Bank keinen so hohen Verlust aus. Die Aktionäre der Bank werden deswegen heuer eine geringere oder womöglich gar keine Dividende erhalten.

Boni waren bislang stets heilig

Das schlechte Ergebnis mittragen müssen allerdings auch die Mitarbeiter. Die Bonuszahlungen werden in diesem Jahr wohl deutlich geringer ausfallen. In einem E-Mail an die Belegschaft betonte Cryan, dass noch keine Entscheidung über das Ausmass der Bonus-Kürzung gefallen sei.

Am 29. Oktober sollen die offiziellen Zahlen vorliegen. Aber: «Ich werde mich persönlich dafür einsetzen, einen fairen Ausgleich zwischen Mitarbeiter- und Aktionärsinteressen zu finden.»

Unter der Ägide von Cryans Vorgänger, dem Ex-Investmentbanker Anshu Jain, waren die Boni, die vor allem im Investmentbanking ausbezahlt wurden, stets heilig und blieben unangetastet.

Der hohe Verlust resultiert unter anderem aus Abschreibungen von rund 5,8 Milliarden Euro. Unter anderem wird der Wert der Postbank reduziert. Die Deutsche Bank hat bereits angekündigt, sich im nächsten Jahr von der Postbank zu trennen.

Das ist eine späte Niederlage für den ehemaligen Schweizer Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Dieser hat zwischen 2008 und 2010 die Postbank für insgesamt gut sechs Milliarden Euro übernommen. Die Postbank dürfte heute weit weniger Wert sein.

Weitere 600 Millionen Euro will die Bank auf ihre 20-prozentige Beteiligung an der chinesischen Bank Hua Xia abschreiben. Auch Bereiche im Investmentbanking müssen tiefer bewertet werden.

Die Abschreibungen seien ein Indiz für zuvor schlechte Bankpolitik, sagt der deutsche Analyst Dieter Hein gegenüber «Spiegel online». «Das zeigt, dass viel dessen, was einst für viel Geld gekauft wurde, einfach nichts Wert ist.»

Die Börse reagierte auf die Meldung zunächst schockiert, der Kurs rauschte um sechs Prozent herunter. Allerdings lag der Kurs am Nachmittag bereits wieder im Plus. Die Investoren haben offenbar Hoffnung in den neuen, von der UBS kommenden Banker.

Cryan will Ende Oktober seine neue Strategie vorstellen, harte Einschnitte werden erwartet, die Kosten sollen drastisch gesenkt werden. Aus Finanzkreisen hiess es zudem, Cryan wolle die Zahl der Beschäftigten von aktuell 98 600 um fast einen Viertel auf 75 000 senken.

«Reiner Tisch hilft»

Etliche Bank-Analysten schenken Cryan offenbar durchaus Vertrauen. «Wann immer ein Unternehmen reinen Tisch macht, hilf es, die Verunsicherung zu beseitigen», sagt etwa der Analyst Zeg Choudhry gegenüber dem «Handelsblatt».