USA

Das Versprechen an Trump hat nicht lange gehalten: Pharmaindustrie will Preise wieder erhöhen

Auch die beiden Basler Pharmakonzerne Novartis und Roche reagierten auf den Druck von Donald Trump. (Symbolbild)

Auch die beiden Basler Pharmakonzerne Novartis und Roche reagierten auf den Druck von Donald Trump. (Symbolbild)

In diesem Jahr haben zahlreiche Konzerne versprochen, ihre Preise in den USA nicht zu erhöhen. Nun geben sie diese Zurückhaltung auf.

Im Sommer hatte US-Präsident Donald Trump namentlich den US-Pharmakonzern Pfizer wegen Preiserhöhungen zahlreicher Arzneimittel angegriffen. In seinem gewohnt pointierten Stil warf Trump dem Konzern vor, auf Kosten der US-Steuerzahler ein Vermögen zu verdienen. Daraufhin sahen sich zahlreiche Pharmakonzerne gezwungen, ein Versprechen abzugeben: Sie würden die Preise für ihre Medikamente in den USA in diesem Jahr nicht erhöhen.

Auch die beiden Basler Pharmakonzerne Novartis und Roche reagierten auf den Druck des Präsidenten. «In einem sich derzeit politisch rasch verändernden Umfeld in den USA erachten wir es als klug, die Preise dieses Jahr nicht mehr zu erhöhen», sagte Novartis-Chef Vas Narasimhan im Juli angesprochen auf die Kontroverse. Roche zog kurze Zeit später nach.

Sollte der US-Präsident auch im neuen Jahr mit Zurückhaltung der Pharmakonzerne gerechnet haben, so sieht er sich nun getäuscht. Fast 30 Hersteller haben angekündigt, im Januar ihre Preise in den USA anzuheben – darunter auch Novartis. Dies geht aus Dokumenten hervor, welche die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte.

Novartis erhöht Preise

Die USA sind der mit Abstand wichtigste Markt für die Pharmaindustrie – sie erzielt dort rund 40 Prozent ihrer Umsätze. Insgesamt 28 Unternehmen – neben Bayer und Novartis zum Beispiel auch GSK, Astrazeneca, Allergan, Amgen oder Biogen – reichten Anfang November bei den Behörden in Kalifornien Pläne für Preiserhöhungen ein.

Bayer etwa will den Dokumenten zufolge im Januar die Preise für sechs Medikamente, vor allem Mittel zur Empfängnisverhütung, erhöhen, in den meisten Fällen um fünf Prozent. Diese Preissteigerungen würden aber kompensiert durch höhere Rabatte für Versicherer, erklärte der Leverkusener Konzern. Ähnlich argumentiert Novartis. Die Basler wollen im nächsten Jahr die Preise von 14 Prozent ihrer in den USA verkauften Medikamente anheben, im Durchschnitt um 4,7 Prozent, wie ein Sprecher sagte. «Aber unsere Rabatte steigen noch mehr.» Deshalb rechne Novartis damit, dass die Nettopreise über das gesamte amerikanische Portfolio um fast fünf Prozent sänken. Der US-Pharmakonzern Pfizer hatte bereits im November Preiserhöhungen für 41 Präparate ab Januar angekündigt.

Wie reagiert Trump?

Bislang meldete sich Donald Trump nicht zu Wort. In seinen gestrigen Äusserungen auf Twitter ereiferte er sich über den geplanten Mauerbau an der Grenze zu Mexiko und den Rückzug von US-Truppen aus Syrien. Dennoch ist es gut möglich, dass der Präsident auf das Thema zurückkommt, hat er sich doch zu den hohen Medikamentenpreisen in der Vergangenheit wiederholt geäussert. Zu Beginn seiner Amtszeit sagte er gar, die Pharmaindustrie komme mit Mord ungeschoren davon. Derweil arbeitet das amerikanische Gesundheitsdepartement weiter an Plänen, um die Preise für Arzneimittel zu senken.

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