iPhone 5
Das iPhone 5 im Praxistest: Was kann das Neue von Apple wirklich?

Nimmt der Nutzer das neue iPhone in die Hand, ist er erst einmal überrascht. Es ist dünner, leichter und vor allem länger als seine Vorgänger. Was bringen diese Neuerungen? Wir haben das Gerät 10 Tage getestet.

André Zeiger
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iPhone 5 Vergleich
4 Bilder
iPhone 5 im Vergleich mit iPhone 4s - Seitenvergleich
iPhone 5 im Vergleich mit iPhone 4s - Rückansicht
iPhone 5 im Vergleich mit iPhone 4s - Frontansicht

iPhone 5 Vergleich

Keystone

Seit dem ersten iPhone blieb die Grösse des Displays unverändert, lediglich die Auflösung wurde mit den Retina Displays erhöht.

Apple hat anders als erwartet nun zwar das Display grösser gemacht, aber dafür nicht einfach die Grösse proportional erhöht, sondern das Display ist höher aber nicht breiter geworden. Resultierend können nun auf dem Home-Screen anstelle vier Applikations-Icons, fünf dargestellt werden. Vom Formfaktor her hat das iPhone ein richtiges Wide-Screen-Display erhalten.

Dies hat den Vorteil, dass man das Telefon unverändert in der Hand halten kann, für Filme oder Applikationen dennoch mehr Platz zur Verfügung steht. Wenn man das alte iPhone im Vergleich sieht, wirken die Proportionen im ersten Moment ungewohnt, und die Abstände sind beim Klicken teilweise spürbar grösser geworden, doch nach einer Eingewöhnungszeit gefällt der grössere Screen.

Als ich das erste iPhone 4 in die Hand bekommen habe, war ich überrascht, dass die Vorder- und Rückseite aus Glas besteht. Beim iPhone 5 ist dass Front-Display weiterhin komplett aus Glas, die Rückseite jedoch aus Aluminium, die oben und unten mit Glas-Einlagen abgesetzt wurde. Der Rahmen wurde zudem in der Gehäusefarbe eloxiert. Erste Berichte aus dem Internet weisen darauf hin, dass die Kratzunempfindlichkeit dadurch nicht gerade erhöht wurde.

Doch letztlich werden die meisten iPhones in irgend eine Hülle wandern, was Probleme mit Kratzern relativiert. Geändert hat sich zudem der Kopfhöreranschluss, wie bei den aktuellen iPods, ist er nach unten gewandert.

Ein Video im Netz, zum neue Gehäuse Design, läd zum Schmunzeln ein.

Neuer Dock-Connector

Bereits beim alten Dock-Connector hat Apple immer wieder Änderungen vorgenommen. Zuerst war der Stecker nur für Firewire-Anschlüsse geeignet, dann für USB und Firewire. Die Synchronisation über Firewire ist dann weggefallen, später auch das laden über Firewire. Dies hat sogar eigene Hardware von Apple, wie die weisse Musikanlage, nur noch eingeschränkt nutzbar gemacht.
Nun ist also alles neu. Wie auch bei USB, hat Apple sich nun entschlossen den Stecker kleiner zu machen. Anders als bei den USB ist es beim neuen iPhone Connector jedoch egal, in welcher Richtung man ihn einsteckt. Das ist ein Vorteil des neuen Steckers, ansonsten entstehen im Moment eigentlich mehr Nachteile. die gesamte bestehende Hardware, die auf den alten Connector aufsetzt, wird man mittelfristig entweder austauschen, oder mit einem Adapter ausstatten müssen.
Leider gibt es den Adapter auf den alten Dock-Connector erst ab Oktober, deshalb konnten wir noch nicht testen, wie sich das Telefon mit alter Hardware verträgt.

Im Auto

Durch den neuen Anschluss wird auch im Auto oft ein neue Adapter notwendig wird. Für zukünftige Fahrzeuge wird mit dem iPhone 5 unter iOS 6 jedoch eine noch bessere Integration in das Fahrzeug möglich. Die "Eyes Free" genannte Funktion soll ermöglichen, sofern ein dafür konzipierter Knopf in das Auto integriert wurde, Siri direkt zu starten ohne die Hände vom Steuer nehmen zu müssen. Mittels Siri soll es dann möglich werden, nach Restaurants zu suchen und direkt ein Tisch zu reservieren.

Wie gut diese Integration klappen wird, müssen erst Tests mit neuen Modellen zeigen. BMW und andere Hersteller haben bereits angekündigt, ihr Navigationslösungen mit den neuen Möglichkeiten auszustatten.

Bluetooth
Laut Apple brauchen Nutzer den kabelgebundenen Anschluss immer seltener, da alles via Bluetooth oder WIFI Kabellos funktioniert. Das stimmt im Prinzip auch, leider hat Apple darauf verzichtet, dem iPhone den Hi-Fi Bluetooth Standard (A2DP + aptX®) zu spendieren, der endlich eine verlustfreie kabellose Kopfhörer Anbindung erlaubt hätte.

Dafür hat Apple neu geformte Kopfhörer integriert, die besser klingen als ihre Vorgänger.

Geschwindigkeit
Schon das iPhone 4S war deutlich schneller, doch das iPhone 5 macht auch bei aufwendigen Anwendungen richtig Spass. Das fällt natürlich besonders auf, wenn man wieder zurück auf ein iPhone 4s oder gar 4 wechselt. Die Steigerung der Performance ist spürbar, und das bei einer nach unseren Tests etwas besserer Akku-Laufzeit als beim 4s. Vielleicht kann auch der Akku davon profitieren, dass der Prozessor nicht permanent unter Volllast läuft. Bei aufwändigen Anwendungen wird auch das iPhone 5 auf der Rückseite warm, wenn auch nicht so extrem wie das 4s.

Nano-Sim

Apple hat beim iPhone 5 mal wieder eine neue Sim-Karte eingeführt. Die Nano-Sim ist noch kleiner geworden, mittels Adapter kann eine Nano-Sim auch in einem Telefon mit Micro-Sim eingesetzt werden, umgekehrt funktioniert das natürlich nicht. Letztlich ist die Bedeutung der Sim-Karten in den letzten Jahren immer kleiner geworden und es gab ja auch schon Gerüchte, dass sie komplett wegfallen soll. Der weg zur Nano-SIM führt nun dazu, dass bestehende Sim-Karten ausgetauscht werden müssen, wodurch in den meisten Fällen zusätzliche Gebühren anfallen.

Noch keine Nahbereich-Kommunikation NFC

Viel wurde spekuliert über eine anfällige "Near Field Communication"- Unterstützung, zwar gibt es mit Passbook eine Anwendung um Bordkarten, Eintrittskarten, Kundenkarten oder Coupons zentral zu verwalten, jedoch kommen hier QR-Codes zum Einsatz. Vielleicht ist Passbook jedoch ein erstes Anzeichen dafür, dass Apple in Zukunft in diese Richtung etwas bringen wird. Apple ist bekannt dafür in Technologien zu investieren, wenn die gesamte Wertschöpfungskette abdecken werden kann, vielleicht war es bei NFC dafür schlicht noch zu früh.

iOS6

Mit iOS6 hat Apple einige visuelle als auch inhaltliche Anpassungen vorgenommen, diese lassen sich auch per Software Update auf den alten iPhone 4 installieren.

So wurde Maps von Grund auf neu gestaltet, inklusive sprachgeführter Navigation. Jetzt kann das iPhone ähnlich wie mit Google Maps auf Android-Telefonen, ohne Zusatzprogramme als vollwertiges Navigationsgerät eingesetzt werden. Dafür benötigt es jedoch eine Online-Verbindung, die Karten werden nicht auf dem Gerät gespeichert.

Highlight ist die Flyover-Funktion, sofern sie für eine Stadt verfügbar ist, liefert sie beeindruckende Ergebnisse. Viel Kritik musste Apple zwar für den Schritt einstecken Google Maps zu ersetzen, langfristig sind die Probleme der schlechten Karten jedoch zu beheben und die Abhängikeit von Google fällt dann weg.

Anbei eine Liste von Apple zu den neuen Features in iOS 6 und deren Verfügbarkeit in den jeweiligen Ländern.

Fazit:
Das iPhone 5 ist spürbar besser als seine Vorgänger, nach etwas Gewöhnungszeit freut man sich über den zusätzlichen Platz auf dem Display und das Telefon ist deutlich leichter und schneller geworden. Nachteil ist der neue Connector, zumindest bis sich dieser durchgesetzt hat. Schade ist hier das Apple z.B. mit NFC oder bei Bluetooth mehr gebracht hat.

Man kann allen iPhone-Freunden sicherlich eine Kaufempfehlung aussprechen, und für den ein oder anderen Android Nutzer ist die iPhone-Welt wieder etwas interessanter geworden.

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