IT-Sicherheit
Das Handy wird zur Virenschleuder

it dem Erfolg der Smartphones steigt die Gefahr von Virenattacken auf dem Handy. Ein lukratives Geschäft: So bringen 10000 gestohlene Bankkundendaten gut und gerne 100000 Dollar ein.

Sven Millischer
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Auch Smartphones sind anfällig auf Computerviren (Symbolbild)

Auch Smartphones sind anfällig auf Computerviren (Symbolbild)

Keystone

Telefonieren, Musik hören, E-Mails schreiben oder im Internet surfen - Smartphones wie das iPhone von Apple sind beliebte Alleskönner. Jedes zweite Handy, das heute in der Schweiz verkauft wird, gehört in diese Produktekategorie. Doch der Markterfolg hat seine Schattenseiten. Die hochgezüchteten Kleincomputer geraten zunehmend ins Visier von Cyberkriminellen. Gemäss Softwareanbieter Symantec stieg die Zahl der registrierten Sicherheitslücken im letzten Jahr um knapp die Hälfte auf 163.

Unklar, wer haftet

Virenjäger Candid Wüest schätzt, dass es heute rund 1000 Schädlinge für Mobiltelefone gibt: «Das ist nichts im Vergleich zur Anzahl Computerviren. Doch der Trend zeigt klar nach oben.» Wüest warnt denn auch vor Schadcode, der sich in gewöhnlichen Handy-Applikationen verstecke.

Einmal auf dem Telefon installiert, verschicken die Mobilapplikationen unbemerkt vom Nutzer SMS an kostenpflichtige Nummern im Ausland. Um bei der nächsten Telefonabrechnung also keine böse Überraschung zu erleben, rät der Sicherheitsexperte, vor jedem Download zu kontrollieren, welche Nutzerrechte die Applikation für sich beansprucht. Denn tritt ein Schaden ein, ist nicht klar, wer haftet: der Benutzer, der Mobilfunkanbieter, der Software-Hersteller oder gar die Vertriebsplattform. «Ein rechtlicher Graubereich», erklärt Wüest.

Indes gibt es im Gefährdungsgrad Unterschiede zwischen den einzelnen Handy-Betriebssystemen: Während die restriktive Vertriebspolitik von Apple deren iOS-Betriebssystem relativ schadlos hält, führt der Open-Source-Gedanke des Google-Betriebssystems Android zu offenen Flanken. Im Frühjahr musste der Suchmaschinen-Gigant mehr als 50 Applikationen auf ihrem Android Market löschen, nachdem über eine Viertelmillion Geräte sich «Malware» installiert hatten.

Dabei gingen die Cyberkriminellen trickreich vor und reicherten bestehende Applikationen mit Schadcode an, um diese anschliessend auf Android Market wieder kostenlos zur Verfügung zu stellen. Bis findige Benutzer feststellten, dass die frisierten Programme mehr Berechtigungen als üblich einforderten. Wüest geht davon aus, dass die Handy-Viren in dem Masse zunehmen werden, wie auch Finanztransaktionen mobil abgewickelt werden. Bislang beschränken die Banken ihre Dienstleistungen für unterwegs auf die Abfrage von Kontoständen. Doch dies könnte sich bald ändern.

Elektronisches Portemonnaie

Grosse IT-Unternehmen wie Nokia, Apple oder Google forcieren die so genannte Near Field Communication-Technologie, mit der Handys zur elektronischen Brieftasche werden. Vorausgesetzt, sie verfügen über einen entsprechenden Chip. Erste Modelle sind bereits auf dem Markt. Und in der Schweiz hat Swisscom Pilotversuche bei ausgewählten Dienstleistern am Laufen. Das Beratungsunternehmen Edgar Dunn schätzt, dass sich in den nächsten fünf Jahren der Umsatz über mobile Zahlungssysteme verzehnfacht - auf über 500 Milliarden Dollar. Entsprechend dürften sich auch die Handy-Viren vermehren. Denn: «Schadcode zu programmieren, ist kein Zeitvertrieb von Computerfreaks, sondern ein knallhartes Business», sagt Sicherheitsexperte Wüest. So bringen 10000 qualifizierte Bankkundendaten gut und gerne 100000 Dollar ein. Viel Geld in Schwellenländern, wo heute die meisten Viren entwickelt werden.

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