Der Fleischverarbeiter Bell hat im vergangenen Jahr trotz einem Rekordumsatz einen Gewinnknick erlitten. Der Umsatz knackte zwar erstmals in der Firmengeschichte die Marke von 4 Milliarden Franken. Abschreibungen und Währungsverluste zogen indes den Gewinn deutlich nach unten.

Dabei hatte die Übernahme des Ostschweizer Nahrungsmittelherstellers Hügli und von Sylvain & Co. für einen Wachstumsschub von 15 Prozent auf 4,14 Milliarden Franken Umsatz gesorgt, wie das mehrheitlich zu Coop gehörende Unternehmen am Mittwoch bekannt gab. Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) wurde bereits von höheren Personal- und Rohstoffkosten gebremst und stieg lediglich noch um 8,8 Prozent auf 305,4 Millionen Franken.

Ein schwaches erstes Halbjahr, höhere Abschreibungen sowie Fremdwährungseinflüsse führten dann zu einem tieferen Jahresgewinn. Zudem sei das Weihnachtsgeschäft überraschend schwach verlaufen. Unter dem Strich schrumpfte der Reingewinn um 16 Prozent auf 89,3 Millionen Franken.

Konzernchef unzufrieden

"Wir alle hätten uns ein besseres Resultat gewünscht. Aber leider ist es anders gekommen", sagte Bell-Chef Lorenz Wyss auf der Bilanzmedienkonferenz in Basel. Das sei unbefriedigend für alle Mitarbeiter. "Das Ergebnis 2018 ärgert mich. Doch wenn ich nach vorne schaue, sehe ich viele Chancen und Perspektiven."

Damit hat Bell die Erwartungen der Finanzgemeinde beim Umsatz etwas übertroffen, beim Gewinn aber verfehlt. An der Schweizer Börse tauchte die Aktie um 1,5 Prozent.

Dennoch ist das operative Ergebnis auf Stufe EBIT trotz des Rückgangs um 6,1 Prozent auf 140,6 Millionen Franken immer noch der dritthöchste Betriebsgewinn der Geschichte. Besser waren nur die beiden Vorjahre 2017 und 2016.

Höhere Abschreibungen schlagen durch

Klotz am Bein waren die Abschreibungen, die alleine durch die Akquisitionen von Hügli und Sylvain um knapp 29 Millionen Franken nach oben getrieben worden waren, wie Finanzchef Marco Tschanz sagte. Zudem hätten Währungseffekte einen Verlust von 4,6 Millionen Franken verursacht, nachdem Bell ein Jahr zuvor wegen der Euro-Stärke einen Gewinn von fast 10 Millionen eingefahren hatte.

Ohne die Fremdwährungseinflüsse wäre der Reingewinn lediglich um 2,8 Prozent gesunken, sagte Tschanz. Dennoch sieht die Zukunft wieder besser aus.

Denn Bell hat eine Menge in seine Fabriken investiert. Ausgebaut werde die Herstellung von zubereiteten Lebensmitteln (sog. Convenience Food) wie etwa Salate, gemischte Früchte, Fertigmenüs, Chicken Nuggets oder Sandwiches. Diese hätten eine rund 15 Prozentpunkte höhere Gewinnmarge als andere Produkte des Konzerns. Im Gegenzug wird beispielsweise in Deutschland die Wurstproduktion in einem Werk heruntergefahren.

Auch in der Schweiz wurden Massnahmen zur Senkung der Kosten ergriffen. Die Gegenmassnahmen hätten im zweiten Semester 2018 ihre Wirkung gezeigt, schrieb Bell. "Sie konnten den Ergebnisrückstand aus dem ersten Halbjahr zwar stoppen, jedoch aufgrund eines insgesamt unbefriedigenden Weihnachtsgeschäfts bis zum Jahresende nicht vollständig kompensieren."

Reingewinn von über 100 Mio Fr. als Ziel

Die Integration von Hügli und Sylvain & Co. werde im laufenden Jahr abgeschlossen, hiess es weiter. Die Synergien aus dem Kauf von Hügli sollen 2019 und darüber hinaus einen substanziellen Beitrag am Ergebnis des Segmentes Convenience leisten.

Darüber hinaus würden die im vergangenen Jahr eingeleiteten Massnahmen zur Ergebnisverbesserung 2019 ganzjährig ihre Wirkung entfalten, schrieb Bell.

Nun soll im Jubiläumsjahr des 150. Geburtstags des von Samuel Bell gegründeten Unternehmens der Gewinn wieder steigen. 2019 sei das Ziel, klar über 100 Millionen Franken Reingewinn zu erzielen, sagte Finanzchef Tschanz am Rande der Bilanzmedienkonferenz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Dies sei aber auch abhängig von der Entwicklung des Euro-Kurses.