Das Campen erlebt ein Revival

Ferien auf dem Zeltplatz galten lange als bieder. Doch die neue Camper-Generation zeigt: Camping kann abwechslungsreich und komfortabel sein. Sommerferien im Wohnwagen oder im Wohnmobil sind der grosse Trend.

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Camping Türlersee

Camping Türlersee

Limmattaler Zeitung

Sabina Sturzenegger

Wer mit dem Wohnwagen in die Ferien fährt, hat entweder ein holländisches Gen oder mag das biedere Leben auf dem Campingplatz: Diese Vorstellung von Campern muss heute als veraltet angesehen werden. In der Schweiz wird Campieren zu einem neuen Ferientrend. Galt der Zeltplatzurlauber früher als anspruchslosester Gast überhaupt, will der Camper heute mit Wohnwagen oder im Wohnmobil die Natur möglichst nah erleben und gleichzeitig nicht auf Komfort verzichten.

Fünftes Rekordjahr in Folge

Während der Schweizer Fremdenverkehr 2009 allgemein unter der Wirtschaftskrise litt und 600 Millionen Franken weniger einnahm (Zeitung von gestern), war es für den Campingtourismus das fünfte Rekordjahr in Folge: Der Touring-Club Schweiz (TCS) nahm auf seinen 29 Plätzen rund 19 Millionen Franken ein, das sind 5,5 Prozent mehr ein als ein Jahr zuvor. Rund zwei Drittel der Übernachtungen (62 Prozent) gingen dabei auf das Konto von Schweizer Gästen. Dahinter folgen die Campingtouristen aus Deutschland (13 Prozent) und den Niederlanden (11 Prozent).

Die neuen Campingfreunde sind aber nicht diejenigen, die besonders billige Ferien wollen. «Auf unsere Campingplätze kommen lediglich 20 Prozent der Gäste mit dem Zelt», sagt André Ginzery, Leiter Camping beim TCS. Hingegen seien immer mehr Urlauber auch in unserem Land mit komfortablen Wohnwagen und in Mobilehomes unterwegs. «Wer für 70000 bis 100000 Franken ein Campingmobil kauft, ist nicht auf Billigferien angewiesen», sagt Ginzery.

Zwar ist im Krisenjahr 2009 der Verkauf von Reisemobilen und Wohnwagen leicht zurückgegangen, gleichzeitig haben die Vermietungen 10 bis 15 Prozent zugenommen, wie Rolf Burger vom Strewo Campershop in Waltenschwil sagt. Die Miete für eine Woche Wohnmobil kostet zwischen 1000 und 1500 Franken – ohne Essen und Standplatzmiete. Doch wer jetzt noch ein Wohnmobil für die Sommerferien mieten will, ist spät dran: «Wir sind zu 90 Prozent ausgebucht», sagt Burger. Seine 15 Miet-Camper sind bis in die Herbstferien besetzt.

Internet auch auf dem Zeltplatz

Auch der TCS rechnet damit, dass seine Campingplätze diesen Sommer gut ausbucht sein werden. Die Tourismusorganisation baut deshalb ihre Standplätze laufend aus und passt sie den Ansprüchen der Camper an. «Die Motorhomes benötigen befestigte Böden und höhere Ampèreleistungen für den Strom», erklärt Ginzery. Auch auf den Internet-Anschluss wollen die wenigsten Camper heute verzichten: «Alle unsere Campinganlagen verfügen über einen Internet-Corner und drahtlosen Internetzugang.»

Schwacher Euro, schlechtes Wetter

Jetzt kann den Campern nur noch das schlechte Wetter einen Strich durch die Rechnung machen. Sowohl Schweiz Tourismus als auch der TCS mussten nach der letzten Schlechtwetterperiode ihre Erwartungen für diesen Sommer etwas dämpfen: «Wenn wir wieder in den Bereich des letzten Jahres kommen, sind wir zufrieden», sagt Ginzery vom TCS.

Nicht zuletzt lastet auch der schwache Euro auf dem Schweizer Feriengeschäft: Daniela Bär von Schweiz Tourismus spricht von einer «echten Herausforderung». Jetzt gelte es, mit hervorragenden Leistungen die ausländischen Gäste von den Qualitäten der Schweiz zu überzeugen. Schweiz Tourismus rechnet mit einem Minus von 0,7 Prozent in diesem Sommer.