Kommentar

Credit Suisse: Urs Rohner entscheidet den Machtkampf für sich – doch ist es ein Pyrrhussieg?

CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner.

CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner.

CS-Präsident Urs Rohner geht als Sieger aus dem Machtkampf hervor: Tidjane Thiam muss die Credit Suisse verlassen. Der CEO der Credit Suisse stolpert über die Beschattungsaffäre um Iqbal Khan. Doch der Sieg Rohners ist teuer erkauft.

Nach viel Hin und Her, nach Zaudern und Dementieren nun also doch: CS-Chef Tidjane Thiam muss gehen. Er präsentiert nächste Woche noch die Ergebnisse des vergangenen Jahres, kassiert den Bonus und macht dann Platz für seinen Nachfolger Thomas Gottstein, den bisherigen Leiter des Schweiz-Geschäfts.

Damit versucht der CS-Verwaltungsrat mit Präsident Urs Rohner einen Schlussstrich unter die Beschattungsaffäre um ihren früheren Vermögensverwaltungschef Iqbal Khan zu ziehen. Dieser wurde von der Grossbank wegen seines Wechsels zum Erzrivalen UBS bespitzelt und verfolgt. Losgetreten hatte den Fall der Finanzblog «Inside Paradeplatz» im September. Im Dezember machte die «NZZ» einen zweiten Beschattungsfall bekannt: Die CS hatte auch auf den obersten Personalchef Detektive angesetzt. Die Hintergründe blieben nebulös.

Thiams Beteuerungen eher unglaubwürdig

In den Medien wurden darauf im Wochentakt pikante Details ausgebreitet. Ein Mitarbeiter der Detektei, die Khan im Auftrag der CS beschattet hatte, nahm sich das Leben. Der seit 2015 amtierende CEO Thiam geriet immer stärker unter Druck. Doch die Grossbank kam zum Schluss, dass ihr CEO Thiam nichts von den Beschattungen gewusst haben soll. Das durfte Thiam in der heute Morgen verschickten Medienmitteilung auch noch einmal betonen. Glaubhaft sind die Beteuerungen nicht.

Statt einem Wechsel an der Spitze kam es im Dezember zu einem Bauernopfer: Thiams rechte Hand, Pierre-Olivier Bouée, musste die Bank verlassen. Fristlos. Genützt hat das wenig. Thiams Image und seine Glaubwürdigkeit waren massiv beschädigt. Er blieb auf dem Schleudersessel.

Die CS ist in der Medienmitteilung sichtlich bemüht, den Abgang Thiams als vernünftigen Entscheid des Verwaltungsrats zu präsentieren. Thiam wird für seine Leistungen von Präsident Rohner gelobt. Der abtretende Manager habe einen enormen Beitrag in geleistet. Es sei sein Verdienst, dass die Credit Suisse heute wieder als grundsolide Bank dastehe.

Doch die schönfärberische Wortwahl kann nicht darüber hinweg täuschen, dass das Verhältnis zwischen Rohner und Thiam nicht erst seit der Beschattungsaffäre gestört ist. Die beiden lieferten sich hinter den Kulissen einen Machtkampf. Thiam wurde nach seinem Antritt und seinem rigorosen Sparkurs zu einem starken und selbstbewussten Gegenspieler für den Präsidenten, der die Bank seit 2011 präsidiert. Thiam machte wiederholt klar, dass er viel stärker sparen musste, als er vor Amtsantritt erwartet habe. Wem dieser Vorwurf galt, war klar - seinem Vorgänger Brady Dougan und vor allem: Urs Rohner.

Viel Polemik um die CS

Dieser hat den Machtkampf nun zu seinen Gunsten entschieden. Er soll wie geplant bis zur Generalversammlung 2021 im Amt bleiben. Ganz sicher ist das aber nicht. Rohner wird zwar in der Medienmitteilung von Severin Schwan - der Roche-Chef sitzt im Verwaltungsrat der CS - dafür gelobt, wie er die Bank durch die «turbulente Zeit» geführt habe. Allerdings hat Rohner die Absetzung Thiams gegen den Willen eines nicht zu unterschätzenden Teils des Aktionariats durchgesetzt. Ob die kritischen Aktionäre ihre Füsse bis zur Generalversammlung 2021 still halten werden, ist offen. Rohner muss hier erst noch Überzeugungsarbeit leisten.

Hinzu kommt, dass er jetzt zwar durchgegriffen hat, damit aber reichlich lange gewartet hat. Schon im Dezember, als der zweite Beschattungsskandal aufflog, war absehbar, dass es nicht ohne Köpferollen ganz oben gehen würde. Doch der Verwaltungsrat zögerte lange - und befeuerte damit die Polemik um die Grossbank.

Autor

Roman Schenkel

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