Coronaimpfung
Johnson & Johnson kommt in der Schweiz nicht zum Zug ‒ die Enttäuschung beim Schweizer Ableger ist gross

Der Bund wird auf eine Bestellung beim US-Pharmakonzern verzichten. Die Lieferung käme für die Schweiz zu spät, argumentiert das Bundesamt für Gesundheit.

Andreas Möckli
Merken
Drucken
Teilen
In den USA kommt der Impfstoff von Johnson & Johnson bereits zum Einsatz, bald auch in Europa.

In den USA kommt der Impfstoff von Johnson & Johnson bereits zum Einsatz, bald auch in Europa.

Imago

Dieser Entscheid wird noch zu reden geben: Der Bund verzichtet darauf, den Impfstoff des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson zu bestellen. Dies kündigt Nora Kronig, Vizedirektorin des Bundesamts für Gesundheit, an. «Wir haben beschlossen, auf den Impfstoff von Johnson & Johnson zu verzichten», sagte sie in einem Interview mit dem «Blick».

Die Lieferung des Unternehmens käme für die Schweiz zu spät. «Sie wäre erst ab dem dritten Quartal möglich», sagte Kronig. «Zudem setzen wir im Moment den Fokus auf mRNA-Impfstoffe, die eine höhere Wirksamkeit aufweisen – besonders für verletzliche Personen.» Zudem könnten diese rasch angepasst werden. Derzeit werden in der Schweiz die beiden mRNA-Vakzine von Moderna und des Duos Pfizer/Biontech verabreicht. Die Zulassung des Stoffs von Astrazeneca steht noch aus. Die Schweiz hat von der britischen Firma 5,3 Millionen Dosen bestellt.

Johnson & Johnson will sich zum Entscheid des Bundes nicht äussern. Die Enttäuschung innerhalb des Schweizer Ablegers ist jedoch gross, wie aus dem Umfeld der Firma zu hören ist. Das US-Unternehmen ist mit rund 4400 Mitarbeiter hierzulande ein grosser Arbeitgeber.

Andere Länder haben viel früher bestellt

Offenbar verhandelt das Bundesamt für Gesundheit und der Pharmakonzern bereits seit vergangenem Herbst. Wieso die beiden Seiten nicht früher handelseinig wurden, ist unklar. An der Bereitschaft von Johnson & Johnson habe es sicher nicht gefehlt.

Jetzt die Schuld auf den späten Liefertermin zu schieben, sei unfair, sagen Personen aus dem Umfeld der Firma. Hätte der Bund früher bestellt, hätte Johnson & Johnson auch rascher liefern können. Die USA hätten bereits im August eine Bestellung aufgegeben, die EU hat im Oktober geordert.

Die Schweiz steht nun vor einer reichlichen absurden Situation. Die Zulassungsbehörde Swissmedic dürfte den Impfstoff von Johnson & Johnson noch diesen Monat zulassen – ohne dass der Bund je einen Vertrag mit der Firma abschliessen wird.

Johnson & Johnson hatte damit gerechnet, bereits Anfang Februar mit der Schweiz zu einer Einigung zu gelangen. Der Bund nahm jedoch mit Curevac und Novavax zwei kleinere Biotechfirmen unter Vertrag. Beide Unternehmen haben bei der Swissmedic aber noch keinen Antrag zur Zulassung ihrer Impfstoffe beantragt.

Nicht ganz so wirksam, aber dafür andere Vorteile

Das Coronavakzin von Johnson & Johnson weist zwar einen geringeren Wirkschutz auf als jene von Moderna und Pfizer/Biontech. Doch er kann gemäss den bisherigen Studien schwere Erkrankungen in 85 Prozent der Fälle verhindern. Zudem kann der US-Konzern mit Vorteilen auftrumpfen, die andere Hersteller nicht bieten können. So reicht beim Impfstoff eine einzelne Dosis und zur Aufbewahrung des Serums genügen Kühlschranktemperaturen. Damit ist er ideal, um auch in Arztpraxen und Apotheken verabreicht zu werden.

Die europäische Arzneimittelkommission EMA hat den Impfstoff von Johnson & Johnson heute Donnerstag zur Zulassung empfohlen. Ausstehend ist damit nur noch das grüne Licht der EU-Kommission. Dies gilt als Formsache.