CORONA
Gemächliches Tempo beim Impfen – einige Kantone stehen auf die Bremse

Inzwischen sind knapp fünf Prozent der Schweizer Bevölkerung gegen das Coronavirus immunisiert. Andere Länder wie Israel, die USA oder Grossbritannien sind schon viel weiter.

Andreas Möckli
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Im Impfzentrum des Spitals Muri AG wird seit Anfang Januar geimpft.

Im Impfzentrum des Spitals Muri AG wird seit Anfang Januar geimpft.

Britta Gut

Seit zweieinhalb Wochen veröffentlicht der Bund die Zahlen zu den Corona-Impfungen. In dieser Zeitspanne hat sich die Zahl der immunisierten Personen im Land mehr als verdoppelt. Das hört sich nach viel an. Gleichzeitig wurden jedoch bisher erst 4,8 Prozent der Schweizer Bevölkerung gegen Corona geimpft. Im Vergleich zum weltweiten Spitzenreiter Israel ist das verschwindend wenig. Das Land hat bereits über 64 Prozent geimpft.

Innerhalb der Schweiz gibt es nach wie vor grosse Unterschiede. Mit Nidwalden gibt es einen ersten Kanton, der bereits 10 Prozent der Bevölkerung geimpft hat. Schlusslicht ist Bern mit 3,4 Prozent. Nach wie vor weit oben befinden sich die Kantone Solothurn, Basel-Stadt, Schaffhausen oder Appenzell Innerrhoden.

Letzterer hat sogar mehr Dosen verimpft, als er vom Bund erhalten hat. Das lässt an sich nur den Schluss zu, dass sich der Kanton von anderen aushelfen liess. Doch dem ist nicht so, wie ein Sprecher des Innerrhoder Gesundheits- und Sozialdepartement auf Anfrage sagt. Bei der Verwendung des Impfstoffes von Pfizer/Biontech gelinge es häufig, sechs Impfdosen aus einem Fläschchen zu entnehmen. Bei der Auslieferung werde aber immer noch mit den offiziellen fünf Dosen pro Fläschchen gerechnet.

Andere Kantone, die zu Beginn sehr viele Dosen verimpft haben, sind dagegen etwas auf die Bremse gestanden. Dazu gehört etwa Basel-Stadt, Zug oder Nidwalden.

So impfen die Kantone

Anteil der verabreichten Dosen pro 100 Einwohner
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Die Kantone verfolgen beim Impfen zwei verschiedene Strategien. Dies erklärte Karim Boubaker, Vorsitzender der Westschweizer Kantonsärzte, an einer Medienkonferenz des Bundes. Sein Kanton Waadt verfolge eine Strategie der Glättung.

Das heisst: Es werden nicht gleich alle Impfdosen verabreicht, die geliefert werden. Die Menschen müssten für die zweite Impfung vier bis sechs Wochen warten, sagte Boubaker. Das sorge bei gewissen Personen für Unverständnis, da die Impfstoffe von Pfizer und Moderna an sich nach drei bzw. vier Wochen verabreicht werden müssen.

Karim Boubaker, Vorsitzender der Westschweizer Kantonsärzte.

Karim Boubaker, Vorsitzender der Westschweizer Kantonsärzte.

Peter Schneider / KEYSTONE

Die andere Strategie nennt Boubaker «Stop-and-Go». Diese führe dazu, dass die Impfkampagne unterbrochen werde müsse, wenn keine weiteren Dosen vom Bund geliefert werden. In den vergangenen Wochen kam es bei beiden Herstellern bekanntlich zu Verzögerungen. In der Romandie werde mehrheitlich die Strategie der Glättung verfolgt.

Boubaker liess sich die Gelegenheit nicht nehmen, um auf das leere Impfzentrum in der Waadt hinzuweisen. Das dortige Personal sei bereit und warte auf neue Ware. «Sobald neue Dosen geliefert werden, können wir pro Tag 2000 Personen mehr impfen als bisher. Sie sehen also, dass die Kantone bereit sind, aber warten müssen.»

USA haben viel investiert und erhalten daher grosse Mengen

International gesehen machen neben Israel vor allem Grossbritannien und die USA grosse Fortschritte. Die Briten profitieren davon, dass sie neben Pfizer und Moderna bereits seit Anfang Jahr den Impfstoff von Astrazeneca einsetzen. In der Schweiz hat die Arzneimittelbehörde Swissmedic den Impfstoff noch nicht zugelassen und vom britischen Pharmakonzern mehr Daten gefordert.

Die Vereinigten Staaten derweil erhalten hohe Mengen von den Herstellern, weil sie enorme Summen in die Entwicklung der Vakzine gesteckt haben. Allein Pfizer und Moderna haben von der US-Regierung rund 4,5 Milliarden Dollar erhalten. Teil dieser Investition ist ein Lieferversprechen von je 100 Millionen Dosen.

Zusammengerechnet können damit 100 Millionen Amerikaner geimpft werden. Das sind rund 30 Prozent der Bevölkerung. Zudem enthalten die Verträge Optionen für weitere Lieferungen. Schliesslich haben die USA weitere Verträge mit anderen Herstellern abgeschlossen.