Einigung mit Teleclub

CH Media gewinnt Kampf um TV-Rechte für Champions League – SRG kritisiert die Uefa

Um die Übertragungsrechte der Champions League tobt ein Bieterkampf.

Um die Übertragungsrechte der Champions League tobt ein Bieterkampf.

Die Sender von CH Media zeigen dank einer Einigung mit Teleclub ab 2021 Spiele der Champions League und Europa League. Die SRG geht leer aus - und übt Kritik an der Uefa.

Am Pay-TV-Sender Teleclub führt kein Weg vorbei, wenn es um die europäischen Fussballwettbewerbe geht. Auch ab der Saison 2021/22 hält die Swisscom-Tochter die Rechte an allen Spielen der Champions und Europa League in der Schweiz. Doch während die Swisscom-Tochter bisher Sublizenzen an die SRG vergab, die so jeweils mittwochs ein Live-Spiel der Champions League zeigen konnte, hat sich nun der Medienkonzern CH Media diese Rechte gesichert.

Die Sender 3+ und TV24 des Konzerns, zu dem auch diese Zeitung gehört, werden ab 2021 sechs Spiele der Gruppenphase und das Finale der Champions League im Free-TV zeigen. Zudem werden 16 Partien der Europa League und der neu geschaffenen Conference League bei den CH-Media-Sendern zu sehen sein. Inoffiziell gestartet wird die neue Zusammenarbeit bereits am 23. August. Dann überträgt 3+ das Finale der Champions League im Free-TV, wie es in einer Mitteilung heisst.

Teleclub produziert die Übertragungen

Das neue Sportangebot auf den Sendern von CH Media wird von Teleclub produziert. Deren Kommentatoren, Moderatoren und Studiogäste werden auch auf 3+ und TV24 durch die Spiele führen. Roger Elsener, Geschäftsführer Entertainment bei CH Media, sagt, die umfassende Kooperation mit Teleclub hebe das Sportangebot «auf ein neues Level»: «Wir wollen mit den nationalen Fernsehsendern Marktanteile gewinnen. Dazu ist Sport ein relevanter Wachstumstreiber.»

Die Auswahl der Spiele der Champions League, die CH Media zeigen könne, erfolge nach einem vertraglich vereinbarten Auswahlprozess. «In diesem Rahmen kann CH Media die Spielauswahl selbst treffen», so Elsener. In der Europa League habe CH Media alternierend je Spielrunde die erste oder zweite Wahl eines Spiels. Anders als heute gibt es künftig keine Spiele der KO-Phase der Champions League mehr im Free-TV zu sehen. Zu den Kosten der Sublizenz sei Stillschweigen vereinbart worden, sagt Elsener. Auch Teleclub hält sich bedeckt.

20 Millionen Franken pro Jahr?

Bereits bekannte Zahlen erlauben aber einen Einblick in die Grössenordnung. So dürfte Teleclub die Uefa für ihr aktuelles Rechtepaket mit etwa 20 Millionen Franken jährlich entschädigen. Diese Zahl hatte Massimo Lorenzi, Sport-Chefredaktor von RTS, in einer Sendung genannt. Laut dem «Blick» überweist die SRG zudem für ihre heutige Sublizenz, die ein Live-Spiel der Champions League am Mittwoch beinhaltet, vier Millionen Franken pro Jahr an Teleclub. CH Media könnte allerdings mehr bezahlen, denn mit der neuen Vergabe dürften die Preise gestiegen sein - und damit über die Schmerzgrenze der SRG.

Im letzten Jahr gab diese 46 Millionen Franken für Sportrechte aus, wie ihr Geschäftsbericht zeigt. Allerdings ist Fussball nur ein Teil davon. Die SRG strahlt gemäss Angaben aus dem Jahr 2017 über 20 Sportarten regelmässig live aus. Die SRG zeigte sich gestern enttäuscht. Sie habe sich intensiv um die Rechte für Livespiele bemüht, so Roland Mägerle, Leiter der Business Unit Sport.

«Schweiz ist Ausnahme in Europa»

Leider hätten sich sowohl die Uefa als auch Teleclub gegen die SRG entschieden. «Das ist schade für unser Publikum.» Die Angebote der SRG seien «sehr gut» gewesen. «Fakt ist aber: Im internationalen Klubfussball geht es letztlich nur ums Geld», so Mägerle. Auch in der Schweiz würden mittlerweile «horrende» Geldbeträge» geboten, welche die SRG nicht bezahlen könne und wolle. Die SRG-Sender können künftig Highlights der Spiele nach dem Abpfiff zeigen.

Claudia Lässer, die Leiterin von Teleclub Sport, begründet den Entscheid für CH Media damit, dass die gesamte Zusammenarbeit am ehesten den Vorstellungen entsprochen habe. «Ein entscheidender Aspekt ist, dass die auf den CH-Media-Sendern übertragenen Spiele von Teleclub produziert werden.» Die umfangreiche Live-Berichterstattung sei so einem noch grösseren Publikum zugänglich.

«Mit dieser Kooperation haben wir eine sehr gute Lösung für Schweizer Zuschauer geschaffen», so Lässer. Dass es Spiele der höchsten europäischen Wettbewerbe noch im Free-TV gebe, sei eine Ausnahme im europäischen Umfeld.

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