Interview

Brack-Lager in Willisau am Anschlag: «Wir haben allein diese Woche 50 neue Mitarbeiter eingestellt»

Der Aargauer Online-Handelspionier Roland Brack spricht über den Boom während der Corona-Krise.

Der Lockdown sorgt für einen Boom im Internet-Handel. Ihr Online-Shop Brack.ch gehört zu den grössten der Schweiz. Können Sie die aktuelle Lage in Ihrem Logistikzentrum in Willisau beschreiben?

Roland Brack: Ich bin seit 1994 im Online-Handel tätig, aber eine solche Situation habe ich noch nie erlebt. Wir sind am Rande der Kapazitätsgrenze und punktuell auch darüber. Die Zahl der Bestellungen hat sich bei vielen Produktgruppen um 50 bis 100 Prozent erhöht. Wir mussten Nacht- und Sonntagsarbeit beantragen, um die Arbeit besser verteilen zu können. Glücklicherweise haben die Behörden im Kanton Luzern die Bewilligungen sehr schnell erteilt; dieses Wochenende schon werden wir Samstag und Sonntag durcharbeiten. Derzeit sind wir mindestens einen Tag im Rückstand mit den Auslieferungen.

Machen Sie also das grosse Geschäft?

Nein. Weil wir auch einen höheren Aufwand haben, schätze ich, dass sich am Ende Umsatz- und Kostenanstieg ungefähr die Waage halten.

Online-Handelspionier Roland Brack im Competec-Logistikzentrum in Willisau.

Online-Handelspionier Roland Brack im Competec-Logistikzentrum in Willisau.

Was bestellen die Kunden? Lebensmittel, WC-Papier, Schutzmasken und Desinfektionsmittel?

So ist es. Wir sehen aber auch eine starke Zunahme in unserem Kerngeschäft mit Computer und Elektronik, was sicher mit dem verstärkten Home Office zu tun hat. Als Online-Händler haben wir im Vergleich zum stationären Handel im Moment vielleicht einen Wettbewerbsvorteil, aber mit jeder Maske, die wir ausliefern, können wir vielleicht verhindern, dass Personen krank werden.

Haben Sie denn überhaupt noch Schutzmasken und Desinfektionsmittel an Lager?

Wir haben Quellen im Ausland, die zuverlässig liefern. Aber es ist im Verhältnis zu den Bestellungen immer noch zu wenig. Mit den Schutzmasken beliefern wir vor allem Spitäler oder die Zollverwaltung, das hat für uns klar Vorrang.

Sie beschäftigen im Lager in Willisau rund 250 Personen. Wie schützen Sie diese vor einer Infektion?

Es ist unsere höchste Priorität, die Belegschaft zu schützen. Selbstverständlich halten wir uns an die Vorgaben der Gesundheitsbehörden. Wir haben die Teams soweit möglich getrennt, sodass bei einem möglichen Corona-Fall nicht die ganze Logistik blockiert ist. Angestellte, die zur Risikogruppe gehören, haben wir nach Hause geschickt. Ich schätze, dass wir dadurch rund 30 Personen weniger sind in Willisau. Um die Lücke zu füllen und die erhöhte Nachfrage zu befriedigen, haben wir allein diese Woche 50 neue Mitarbeiter eingestellt.

Wird das reichen?

Jeden Tag kommen weitere hinzu und es werden wohl mindestens weitere 50 bis 100 Personen nötig.

Und wo finden Sie diese?

Mehrheitlich bei Firmen aus der Region, die wegen der Corona-Situation ihren Betrieb einstellen oder zurückfahren müssen. Zum Beispiel haben wir Leute aus dem Bereich Messebau eingestellt, die gut anpacken können. Wir versuchen, einander zu helfen, um die sicherlich gravierenden Folgen der Corona-Krise zumindest für die Angestellten zu minimieren.

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