Während die Ausverkaufsstimmung in Kunstwährungen wie «Bitcoin» gerade auf einen neuen Höhepunkt zustrebt, unternimmt das Schweizer Fintech-Unternehmen Amun den Versuch, Anlagen in Kryptowährungen massentauglich zu machen. Die vom ägyptischen Jungunternehmer Hany Rashwan geleitete Firma mit Sitz in Zug lancierte gestern an der Six Swiss Exchange den weltweit ersten indexierten Korb, der an einer regulierten Börse gehandelt wird und die privaten Geldsorten Bitcoin, Ethereum Ether, Ripple und Litecoin zum Inhalt hat. Das Anlagevehikel trägt die Bezeichnung ETP für Exchange Traded Product und gleicht in seiner Konstruktion den populären «Exchange Traded Funds» (ETF), die vor 25 Jahren geschaffen wurden, um gewöhnliche Anlagefonds für Aktien oder Obligationen börsenfähig zu machen.

Der «Amun Crypto Basket Index ETP», wie die offizielle Bezeichnung des Korbes lautet, basiert auf einem Index der fünf wichtigsten beziehungsweise liquidesten Kryptowährungen. Dass der Korb nur vier Sorten umfasst, liegt daran, dass es in der Sorte «Bitcoin Cash» unlängst zu einer Spaltung gekommen ist, die der Anlageeig- nung dieses Mediums offensichtlich so abträglich ist, dass es aus dem Korb entfernt werden musste.

Von 20'000 auf 4500 Franken

Die Spaltung, die in der Branche als «Hard Fork» bezeichnet wird, wirft ein Schlaglicht auf die Frage der Massentauglichkeit des noch jungen Phänomens von Kryptoanlagen. Vergleichbar mit einer herkömmlichen Währung muss sich auch eine Kryptowährung eine Reputation aufbauen. Am besten gelingt das, wenn die Funktionsweise einer Kryptowährung möglichst unangetastet bleibt oder im Einklang mit ursprünglichen Ideen der Gründer per Mehrheitsbeschluss der Nutzer geändert wird. Im Fall von Bitcoin Cash kam es vor Wochenfrist aber zu einer Art Schisma, in der nicht demokratische Prinzipien, sondern schlicht die mobilisierbare Rechenleistung der Kontrahenten den Ausschlag geben. Die fehlende Transparenz über die Vorgänge hat den Kurseinbruch der Kryptowährungen zuletzt deutlich beschleunigt. Im Dezember des vergangenen Jahres wurde ein Bitcoin noch zu Preisen von über 20 000 Franken gehandelt. Inzwischen notiert die Sorte bei weniger als 4500 Franken.

Rashwan sagte gestern anlässlich der Lancierung seines ETP in Zürich, die Vorgänge bereiteten ihm auch eine gewisse Sorge, doch am längerfristigen Potenzial von privaten Kunstwährungen liess der 28-Jährige nicht den geringsten Zweifel aufkommen. Die Erkenntnis sei ihm gekommen, als das ägyptische Pfund vor zwei Jahren 50 Prozent seines Wertes verlor und die hohe Inflation die Vermögen seiner Landsleute dahinraffte. Nur etwa eine Milliarde Menschen in der Welt käme das Privileg relativ stabiler Währungen zugute. Für die anderen seien Kryptoanlagen eine echte Alternative zu aufwendigen Wertaufbewahrungsmedien wie Gold oder anderen Sachwerten.

Papier kostet 15 Dollar

Das Argument lässt sich natürlich nicht leichtfertig wegwischen. Eine andere Frage ist, ob es auch als Motiv für eine Investition in den «Amun Crypto Basket Index ETP» gelten kann. Im Unterschied zur Six Swiss Exchange zeigt die amerikanische Börsenaufsicht SEC im Umgang mit solchen Produkten mehr Strenge. Den mehrfachen Versuchen von Fintechunternehmern, Bitcoin in regulierten US-Börsen in der Form von ETF massentauglich zu machen, hat die Behörde unlängst mit dem Argument widerstanden, die Währungen seien für solche Konstrukte noch nicht reif genug.

Das weniger restriktive Vorgehen der Schweizer Börse hat seinen Grund in deren strategischen Zielsetzung, die neuen Möglichkeiten der Blockchain-Technologie gezielt zu nutzen. Damit liegt die Six auch ganz auf der politischen Linie der Schweiz. Der Amun-ETP ist zwar kein ETF und erhält damit auch nicht das Plazet eines nach Schweizer Recht strukturierten und von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht überwachten Fondsproduktes. Doch die Initiatoren geben sich alle Mühe, das Instrument möglichst nahe an die Klasse der ETF heranzuführen. Die den ETP-Anlagen zugrundeliegenden Kryptowährungen würden in vollständiger Deckung an einem sicheren Ort aufbewahrt, damit die Werthaltigkeit des Korbes jederzeit sichergestellt bleibe, hiess es an der gestrigen Veranstaltung. Auch der Index folge strengen Kriterien. Billig sind die ETP freilich nicht. Amun verlangt eine Jahresgebühr von 2,5 Prozent pro investierten Dollar. Das sei marktkonform, aber es ist dennoch ein Vielfaches herkömmlicher ETF. Die Papiere gingen zum Preis von 15 Dollar in den Handel. Umgesetzt wurden gestern gerade mal knapp 1000 Stück. Die Nachfrage ist minimal – verglichen mit jener während des grossen Bitcoin-Booms vor einem Jahr.