Fleischverarbeiter

Bell schneidet 2019 besser ab als erwartet – jetzt soll mehr nach Asien exportiert werden

Bell-Finanzchef Xavier Bruno und CEO Lorenz Wyss an der Bilanzmedienkonferenz am Hauptsitz in Basel.

Bell-Finanzchef Xavier Bruno und CEO Lorenz Wyss an der Bilanzmedienkonferenz am Hauptsitz in Basel.

Der Basler Fleischverarbeiter Bell schneidet 2019 schlechter ab als 2018, aber immer noch besser als erwartet. Hauptgrund sind Sondereffekte wie die Restrukturierung des Deutschland-Geschäfts.

«Das Potenzial der Bell Food Group ist nach wie vor sehr gross», sagte CEO Lorenz Wyss an der Bilanzmedienkonferenz vom Donnerstag in Basel. Trotz des schwächeren Umsatzes 2019 will der Fleischverarbeiter an der Dividende von 5.50 Franken pro Aktie festhalten. Der Betriebsgewinn konnte allerdings trotz einiger Sondereffekte gesteigert werden.

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Bell einen Warenumsatz von 4,07 Milliarden Franken (2018: 4,14 Millionen). Auch bei den Absatzvolumen musste Bell einen Rückgang hinnehmen, von 543 auf 533 Millionen Franken. Bereinigt resultierte dennoch ein operatives Wachstum von 61,4 Millionen Franken. Das entspricht einem Plus von 1,5 Prozent. Der Betriebsgewinn (EBIT) lag 2019 bei 149,1 Millionen Franken. Auch hier resultierte ein Plus von 6 Prozent beziehungsweise 8,5 Millionen Franken.

Als einer der Hauptgründe für das schwächere Geschäftsjahr führt Wyss den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in China an. Die Epidemie führte zu einem massiven Preisanstieg, der nur bedingt auf die Kunden abgewälzt werden konnte. Die Rohmaterialteuerung betrug beim Schweinefleisch allein innert Jahresfrist 43 Prozent. Die Pest dezimierte die chinesischen Schweinebestände: Rund 40 Prozent der Tiere wurden dahingerafft.

Verkauf des deutschen Wurstgeschäfts «erfolgte rechtzeitig»

Auch in Deutschland lief das Geschäft nicht wie erwünscht. Bell stieg dort aus dem Wurstwarengeschäft aus, ein schwerer Einschnitt. «Der Ausstieg war aber nötig und erfolgte zum richtigen Zeitpunkt», so Wyss. Diese Reorganisation der Division Bell Deutschland kostete 38,9 Millionen Franken. Zusammen mit den höheren Rohmaterialpreisen und den Anlaufkosten für die neuen Betriebe belastete dies die Jahresrechnung 2019 mit Sondereinflüssen in der Höhe von 53,9 Millionen Franken.

Wyss führte anlässlich der Medienkonferenz auch die Bemühungen zur Nachhaltigkeit aus. Das Tierwohl habe höchste Priorität, der Bio-Anteil sei massgeblich gestiegen, ebenso wurde in den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen investiert.

Die verkaufte Fleischmenge, so Wyss, blieb in den vergangenen Jahren praktisch konstant. Die Schweizer konsumieren im Schnitt 59 bis 62 Kilogramm Fleisch pro Kopf pro Jahr. Bell schätzt, dass der Konsum 2019 nur marginal um rund 1 Prozent sank.

Neues Lager in Oensingen wird Mitte 2021 eröffnet

In der Schweiz wird Bell weiter investieren. Im Frühling 2020 wird Bell den Bau des neuen Tiefkühllagers in Oensingen beginnen, Mitte 2021 soll die Eröffnung stattfinden. Damit will Bell die Nachhaltigkeit der Logistik verbessern, so Wyss.

Spitzenreiter in den Geschäftsbereichen ist nach wie vor die Schweiz. Hier generierte Bell an 13 Standorten mit 3400 Mitarbeitern einen Umsatz von 2 Milliarden Franken. Das internationale Geschäft in Europa steuerte eine Milliarde Franken bei, der Bereich Convenience 1,1 Milliarden Franken. Insbesondere Letzterer wird als Wachstumsmarkt bewirtschaftet. Erneut konnte dabei der Umsatzanteil gesteigert werden, aktuell auf 27 Prozent des Gesamtumsatzes.

Im Convenience-Bereich wird Bell auch ein neues Produkt lancieren: Den Green Mountain Burger, ein auf pflanzlicher Basis hergestellter Burger. Das Produkt soll noch im ersten Quartal 2020 auf den Markt kommen, namentlich in Coop-Filialen vertrieben werden.

Expansionspläne und neue Verwaltungsräte

Der Ausblick auf 2020 ist verhalten positiv. Finanzchef Xavier Bruno wies darauf hin, dass sich der Betrieb effizient aufgestellt habe: Dank neuen Produktionskapazitäten für Rohschinken und Frisch-Convenience bestünden «in diesen zwei attraktiven Märkten» weitere Wachstumschancen. Allerdings werden in Europa weiterhin unsichere Entwicklungen der Rohmaterialpreise erwartet.

Strategisch will Bell an den Investitionen in Infrastruktur und Automation bei Bell Schweiz sowie International festhalten. Weiter ausgebaut wird aber auch im Bereich Convenience. Der bislang eher schwächere Bereich Food Services soll zudem gestärkt werden. Dabei will Bell auch weiter mit Standorten in Europa expandieren und den Export insbesondere nach Asien ausbauen. Die Nachfrage an Schlachtprodukten und Rohschinken sei dort gross «und nach dem Abklingen der Corona-Epidemie wird das Geschäft sicher wieder zunehmen», so Wyss.

Schliesslich wird Bell auch Änderungen im Verwaltungsrat vornehmen. Neu soll der Coop-Genossenschaftsvorsitzende Joos Sutter Einsitz im Verwaltungsrat nehmen; er soll vorbehältlich der Wahl an der Generalversammlung vom 17. März auch gleich Vizepräsident werden. Ebenfalls neu zur Wahl vorgeschlagen wird Thomas Hinderer, Vorstandsvorsitzender der Eckes AG in Deutschland. Sutter und Hinderer sollen die zurücktretenden Verwaltungsräte Irene Kaufmann und Andreas Land ersetzen.

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