Kommentar

Banken als Retter der KMU: Die Bösen der Finanzkrise 2008 sind die Guten der Coronakrise 2020

180 Institute haben an einer Telefonkonferenz mit Ueli Maurer ihre Hilfe für KMU zugesichert.

180 Institute haben an einer Telefonkonferenz mit Ueli Maurer ihre Hilfe für KMU zugesichert.

Einen Kredit innert nur gerade 30 Minuten: Mit diesem Versprechen ging Finanzminister Ueli Maurer weit. Doch es scheint zu funktionieren. Dass ausgerechnet die vielgescholtenen Banken in der Coronakrise eine zentrale Rolle spielen, ist eine doppelte Ironie der Geschichte. Ein Kommentar.

Gestern haben die ersten Restaurants, Lädelibesitzer, Fitnessstudios und Coiffeure Geld bekommen. Schon nach wenigen Stunden gingen bei den Banken Tausende von Kreditgesuchen ein.

Und siehe da: Tatsächlich, so zeigen Rückfragen, haben viele Kleinbetriebe innerhalb von 30 Minuten die Genehmigung erhalten – wie es Finanzminister Ueli Maurer am Tag davor versprochen hatte. Das 20-Milliarden-Hilfsprogramm für das Gewerbe greift. Sofort.

Der Vorgang ist nicht ohne Ironie. Die Rettung der KMU läuft über die Banken, eben noch die Prügelknaben der Nation, deren Aushängeschild, die UBS, in der Finanzkrise 2008 mit Steuergeld gerettet werden musste.

Die Banken dürfen nun von den notleidenden Betrieben keinen Zins (Kredite bis 500'000 Franken) oder nur 0,5 Prozent verlangen (bis 20 Millionen). Die Bösen der letzten Krise sind die guten der aktuellen Krise. 180 Institute haben an einer Telefonkonferenz mit Ueli Maurer ihre Hilfe für KMU zugesichert.

Der Effort der Banken – noch eine Ironie der Geschichte – ist nur möglich, weil sie sehr gut kapitalisiert sind: Der Bund auferlegte ihnen, zum Verdruss der Bankmanager, die weltweit strengsten Kapitalvorschriften. Das ging zu Lasten des Profits.

Doch dank den Zwangsreserven können es sich die Banken nun leisten, grosszügig Kredite zu vergeben. Ganz falsch waren die Lehren offenbar nicht, welche die Schweiz 2008 aus der Finanzkrise gezogen hat.

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