Investitionen

Baden, Zug und Olten: Lego-Erben bauen auf den Wirtschaftsstandort Schweiz

Die dänischen Lego-Erben investieren von Baar aus einen Teil ihres Vermögens in der Schweiz. Jüngst haben sie ihr Engagement beim Zuger Traditionskonzern Landis+Gyr ausgebaut.

Eine Gasturbine aus Legosteinen schmückt seit vergangener Woche den neu eröffneten Sitz des Turbinenherstellers Ansaldo in Baden. Es ist ein Geschenk des Immobilienbesitzers Kirkbi. Hinter diesem Namen verbirgt sich die Gesellschaft, die einen Teil des Vermögens der milliardenschweren dänischen Lego-Erbenfamilie Kristiansen verwaltet. Hätte es das frisch sanierte Kirkbi-Gebäude an der Badener Haselstrasse nicht gegeben, wäre Ansaldo mit seinen rund 400 Mitarbeitern wohl aus Baden weggezogen, berichtete das «Badener Tagblatt» am Samstag.

Bruno Koller, der das Schweizer Immobiliengeschäft von Kirkbi führt, sagte mit einem Augenzwinkern: «Sie sehen, was wir gerne machen: alte Hütten auf Vordermann bringen.»

Weitere Beteiligungen sollen hinzukommen

In Wahrheit macht Kirkbi mehr als das. Die Gesellschaft, die ihre Schweizer Aktivitäten mit rund einem Dutzend Angestellten von Baar aus koordiniert, besitzt hierzulande ein beträchtliches Immobilienportfolio an zehn Standorten, die meisten davon in Baar. Doch auch in Cham, Baden, Olten und Rapperswil besitzen die Dänen Liegenschaften. Allein in der Schweiz sind es laut der «Handelszeitung» 25 Immobilien mit einem Marktwert von rund 1,1 Milliarden Franken. Doch das ist nur ein Teil der Investmentstrategie. Während Bruno Koller für Immobilien zuständig ist, kümmert sich Adrian Kalt bei Kirkbi von Baar aus um Aktienbeteiligungen. Die Lego-Erben investieren gezielt in Unternehmen, die im Bereich nachhaltiger Energien tätig sind. Erst im Februar stockte Kirkbi den Anteil am Zuger Stromzählersteller Landis+Gyr von 12 auf 15 Prozent auf. Ein Jahr zuvor hatte Kirkbi die Schwelle von 5 Prozent überschritten. Heute sind die Dänen der grösste Einzelaktionär des Zuger Traditionsbetriebs. Ausbezahlt hat sich die Beteiligung bislang aber noch nicht: Der Aktienkurs von Landis+Gyr ist letztes Jahr vor allem gesunken, hat sich dieses Jahr aber wieder erholt.

Das Engagement bei Landis+Gyr soll nur der Anfang sein. Der Anlagechef von Kirkbi sagte im vergangenen August der «Finanz und Wirtschaft», man strebe gesamthaft Investitionen in der Höhe von bis zu 500 Millionen Franken in Schweizer Unternehmen und Immobilien an.

Von den Zuger Fabriken zum Immobilienportfolio

Geld hat Kirkbi genug. Allein Kjeld Kirk Kristiansen, der 71-jährige Enkel des Lego-Erfinders, verfügt laut «Forbes» über ein Vermögen von 4,7 Milliarden Dollar und ist damit der reichste Däne. Er hat sich im April aus dem Verwaltungsrat zurückgezogen und die Verantwortung an seine drei Kinder abgegeben.

Dass die Lego-Erben in der Schweiz von Baar aus agieren, soll übrigens einen historischen Hintergrund haben: Lego hatte in den Fünfzigerjahren zunächst eine Vertriebsgesellschaft in Zürich eröffnet. Später soll Lego-Gründer Ole Kirk Christiansen auf einer Rückreise zum Flughafen Zürich-Kloten entdeckt haben, dass ein Bürogebäude der Kenwood AG in Baar mit viel Land zum Verkauf stand. Daraufhin gründete Lego 1968 eine Niederlassung in Baar, 1974 folgte im Lättich in Baar mit der Lego Produktion AG die erste nicht-dänische Fabrik.

In den folgenden Jahren wuchs der Platzbedarf. So lagerte Lego den Werkzeugbau nach Steinhausen aus; die Forschungsabteilung zügelten die Dänen nach Cham. 1993 eröffnete Lego eine weitere Fabrik in Willisau. Während in Zug Legosteine der Reihen Technic und Mindstorms hergestellt wurden, kümmerte sich Willisau um Duplo und Primo. Die beiden Standorte produzierten zeitweise rund 30 Prozent des gesamten Lego-Volumens. Um die Jahrtausendwende geriet Lego in eine Krise. Die Schweizer Fabriken wurden daraufhin geschlossen, Hunderte Jobs gingen verloren. Die ehemaligen Fabriken in Zug bildeten danach die Grundlage für das Immobiliengeschäft der Lego-Erben.

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