Ferienwohnungen

Ausländer haben immer weniger Interesse an Ferienwohnungen in der Schweiz

Ferienwohnungen leiden besonders unter der Frankenstärke. (Symbolbild/Archiv)

Ferienwohnungen leiden besonders unter der Frankenstärke. (Symbolbild/Archiv)

Der Verkauf von Schweizer Immobilien an Ausländer nimmt ab. Das zeigen die neusten Zahlen. In einigen Tourismusgebieten ist der Immobilienmarkt praktisch zum Erliegen gekommen.

Eine Ferienwohnung in der Schweiz das steht bei Ausländern derzeit nicht hoch im Kurs. Eine entscheidende Rolle spielt der starke Franken. «Der Rückgang der Nachfrage ist seit 2011 spürbar. Sie hängt mit der Entwicklung des Frankenkurses zusammen. Ausserdem entwickelte sich die Wirtschaft in den meisten europäischen Ländern, aus denen potenzielle Immobilienkäufer stammen, relativ schwach» sagt UBS-Immobilienspezialist Matthias Holzhey.

Die neusten Zahlen des Bundesamts, für Justiz zeigen für das Jahr erneut 2014 rekordtiefe Werte an: Die Zahl der ausgestellten Bewilligungen, die für den Erwerb von Ferienwohnungen durch Ausländer nötig sind, nahm gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent ab. Damit bestätigt sich ein Trend, den die «Nordwestschweiz» im November gezeigt hat: Wohnungen in den Berggebieten finden bei einer traditionell starken Kundengruppe immer weniger Käufer. Der Immobilienmarkt — von ganz teuren Objekten ausgenommen — ist in einigen Tourismusdestinationen praktisch zum Erliegen gekommen.

Ferienwohnungen: Bewilligungen und Handänderungen

Das Schlimmste kommt noch

Konkret wurden 2014 nur noch 964 Bewilligungen für Verkäufe an Ausländer erteilt, 2013 waren es noch 1159. Der Grossteil der Bewilligungen wurde in den Kantonen Wallis (425), Waadt (131), Graubünden (131), Tessin (129) und Bern (89) ausgestellt. Für Holzhey ist zu erwarten, dass die Zahlen für das Jahr 2015, die erst in einem Jahr publiziert werden, noch schlechter aussehen werden. Dann wirkt sich die Aufhebung des Mindestkurses durch die Nationalbank vom 15. Januar 2015 aus.

Dieser hat dazu geführt, dass Schweizer Immobilien aus der Perspektive der Interessenten aus dem Euroraum um bis zu 20 Prozent teurer wurden.

Es ist kein Vergleich mit den Nuller-Jahren. Damals mussten Immobilienmakler Tricks anwenden, um überhaupt noch zu den Bewilligungen zu kommen. Diese Bewilligungen sind nötig, da die sogenannte Lex Koller Ausländern den Grundstückserwerb in der Schweiz grundsätzlich verbietet. Der Bundesrat hat das gesamtschweizerische Bewilligungskontingent jedoch auf die Höchstlimite von 1500 Einheiten pro Jahr festgesetzt. Diese Kontingenten sind teilweise übertragbar. Und sie können, falls sie nicht ausgeschöpft werden, auf das folgende Jahr «gerettet» werden.

Handänderungen nach Nationalität und Kanton 2014

Weil sich die Malaise im Immobilienmarkt schon über Jahre hinzieht, wurde das gesamtschweizerisch verfügbare Kontingent 2014 nur zu 44 Prozent ausgeschöpft. Diese Zahl überrascht nicht ,sagt Robert Weinert, Immobilienexperte beim Beratungsunternehmen Wüest & Partner: «Für ausländische Kunden – vor allem aus dem Euroraum – ist das Währungsrisiko zu gross geworden. Ausserdem gibt es im benachbarten Ausland, wie etwa Deutschland, aber auch Portugal, Immobilienmärkte, die derzeit attraktiv sind und wo sich der Immobilienkäufer keine Währungsrisiken einhandelt, wenn er aus dem Euroraum kommt.»

Ausländer besitzen weniger

Eine weitere interessante Zahl ergibt sich aus der Handänderungsstatistik. Sie gibt Aufschluss über die tatsächlich erfolgten Wohnungskäufe. Und auch die stimmt aus der Sicht der betroffenen Tourismusdestinationen andere als euphorisch: 2014 sank die Zahl der tatsächlich erfolgten Handänderungen von 796 auf 720.

Noch ganz anders sah die Situation in den Nullerjahren aus. 2006 haben 1485 Wohnungen die Hand geändert - ein Jahr später waren es 1832 Einträge im Grundbuch. Stark zurück ging 2015 die Zahl in Graubünden und im Wallis.

Unter dem Strich — wenn man auch Handänderungen zwischen Ausländern und Rückübertragungen an Schweizer miteinberechnet — hielten Ausländer Ende 2014 252 Ferienwohnungen weniger als ein Jahr zuvor. Umgerechnet entspricht dies einer Abnahme von rund 6,7 Hektaren Wohnfläche. Rund 3,5 Hektaren weniger sind es alleine in Graubünden, 2,8 Hektaren im Wallis.

Nettoveränderung 2014

Autor

Tommaso Manzin

Tommaso Manzin

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