Wirtschaft

Arrivederci Sergio - die Bilanz des abtretenden UBS-Chefs fällt zwiespältig aus

Alte Zeiten: Im November 2011 informiert der damalige UBS-Präsident Kaspar Villiger die Öffentlichkeit über Sergio Ermottis definitive Berufung zum CEO.

Alte Zeiten: Im November 2011 informiert der damalige UBS-Präsident Kaspar Villiger die Öffentlichkeit über Sergio Ermottis definitive Berufung zum CEO.

Sergio Ermotti verlässt die UBS mit einem Top-Ergebnis, doch dieses kann die Schwächen der Bank nicht überdecken.

Ein Manager, der gute Geschäftszahlen zeigen kann, muss sich weniger mit Eigenlob behelfen. Nach diesem Motto gestaltete Sergio Ermotti am Dienstag seine letzte Ergebnispräsentation als UBS-Chef. «Die Zahlen sprechen für sich selbst», sagte er mit Blick auf die 2,1 Milliarden Dollar, welche die Bank in der Zeit von Juli bis September verdient hatte. Es war in der Tat das beste Quartalsergebnis seit zehn Jahren - doppelt so hoch wie jenes im Vorjahr und dies inmitten der Corona-Krise. Den Anlegern gefiel's: Die Aktien zogen um mehr als vier Prozent an – allerdings auf tiefem Niveau.

Von den Aktionären unverstanden

Die Auseinandersetzung mit den Aktionären brachte Sergio Ermotti in seinen neun Jahren als CEO immer wieder in Wallung. Auf einer Investorenkonferenz im Oktober 2018 in London sagte er unter Verweis auf die schwache Aktienkursentwicklung: «Unsere Ziele werden entweder nicht verstanden, oder wir habe sie nicht gut genug erklärt.» Seit jenen Tagen ist der Aktienkurs der Grossbank um weitere 25 Prozent gefallen und positive Ausschläge wie heute sind kurzfristige Ausnahmen geblieben.

Daran ändern auch die vielen Zahlen nichts, die Ermotti präsentierte, um seine erfolgreiche Geschäftsführung unter Beweis zu stellen. 18 Milliarden Dollar habe die Bank seit Ende 2011 an Dividenden ausgeschüttet bzw. für diesen Zweck zurückgestellt. Vier Milliarden Dollar erhielten die Eigentümer in Form von Aktienrückkäufen zurück. Und darüber hinaus habe die UBS in dieser Zeit elf Milliarden Dollar an Gewinnreserven zur Seite gelegt und so das eigene Kapitalkleid gestärkt. Eine Wirkung auf den Aktienkurs ist dennoch nicht erkennbar. Der Börsenwert der UBS ist mit aktuell rund 43 Milliarden Franken etwa gleich hoch wie beim Amtsantritt von Ermotti.

Besonders bitter ist der Umstand, dass der Börsenwert der UBS rund 15 Milliarden Franken geringer ist als deren Eigenkapital. Dies bedeutet nichts anderes, als dass die Investoren der Bank nicht zutrauen nachhaltig Mehrwert zu schaffen. Mit diesem Problem ist die UBS freilich nicht allein. Es ist ein Problem, das alle international tätigen Grossbanken in Europa beschäftigt, die meisten sogar noch viel deutlicher als die UBS.

Zu viel versprochen

Für Sergio Ermotti ist dies ein schwacher Trost. Er, der seinen Aktionären im ersten Jahr als CEO noch eine Eigenkapitalrendite von 12 Prozent bis 17 Prozent in Aussicht gestellt hatte, musste bald erkennen, dass solche Ziele auch für die von der grossen Krise 2008 genesene UBS unerreichbar bleiben. Im laufenden Jahr dürfte die Eigenkapitalrendite der Bank knapp 9 Prozent erreichen. 2015, in Ermottis mit Abstand erfolgreichstem Jahr, erreichte sie 11,8 Prozent.

Enttäuschend für den CEO ist diese Performance auch vor dem Hintergrund seiner vielfältigen Bemühungen, die Bank besser aufzustellen. Das Geschäft mit kapitalmarktgestützten Finanzierungen und die damit verbundenen Handelsaktivitäten (Investment Banking) mit dem die UBS in der Finanzkrise beinahe untergegangen wäre, stutzte Ermotti ab 2012 kräftig zurück.

Doch die neue Flaggschiffdivision Vermögensverwaltung vermochte die hohen Erwartungen nicht zu erfüllen. Die Konkurrenz wächst seit Jahren und die Preise für Vermögensberatung und damit verbundene Dienstleistungen sinken laufend. Der Trend erzwingt umfangreiche Massnahmen zur Senkung der Kosten und gleichzeitig grosse Investitionen in die Automatisierung. Ob Kundenwünsche dabei irgendwann auf der Strecke bleiben, weiss niemand so genau.

Fruchtlos blieben Ermottis Bemühungen aber trotzdem nicht. Die Bank ist unter seiner Ägide stabiler geworden. Der letzte Milliardenverlust datiert vom Jahr 2012. Seither schwanken die Ergebnisse in zunehmend engeren Bandbreiten.

Die Krux mit dem hohen Lohn

Dass sich die Aktionäre damit nicht zufrieden gaben zeigte sich im vergangenen Frühjahr, als sie der UBS-Geschäftsführung die Entlastung verweigerten. Das Hauptargument für diese höchst seltene Protestnote, waren die offenkundig gewordenen Risiken eines Rechtsstreites in Frankreich, der die Bank nach einem ersten Gerichtsurteil 4,5 Milliarden Euro an Strafen kosten könnte. Im Unterschied zur bisherigen Praxis hatte sich die UBS-Führung in Frankreich entschlossen, gegen den Vorwurf der Beihilfe zum Steuerbetrug mit einer offensiven Prozessstrategie anzukämpfen. Die Aktionäre erwarten, dass sich das Management für die potenziellen Kosten dieses Rechtsstreites mit in die (finanzielle) Verantwortung nehmen lässt.

Ermottis bisherige Lohnentwicklung spricht eine andere Sprache. In seinem ersten ganzen Jahr als CEO verdiente er 8,9 Millionen Franken. 2019 waren es 12,5 Millionen Franken (+ 40 Prozent) und in den Jahren dazwischen waren es sogar mehr als 14 Millionen Franken. Solche Cheflöhne passen nicht nur schlecht zum Bild, das die UBS ihren Aktionären abgibt, sie liegen auch im Vergleich mit anderen europäischen Grossbanken weit über dem Durchschnitt. Vielleicht ist auch das mit ein Grund dafür, dass sich Ermotti (und sein Präsident Axel Weber) in jüngster Zeit so laut für Fusionen unter europäischen Grossbanken stark machten. Auf die Frage, ob auch die UBS eine solche Fusion brauche, wollte sich Ermotti heute aber nicht äussern. Vielleicht wird man die Antwort schon bald aus dem Mund seines niederländischen Nachfolgers Ralph Hamers zu hören bekommen.

Autor

Daniel Zulauf

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