An seinem 25. Geburtstag erhielt Luan T. (Name der Redaktion bekannt) eine Nachricht auf Facebook. Grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Aber diese machte ihn stutzig: «Herzliche Gratulation zum Geburtstag», stand darin. «Als Geschenk bekommst du diese Woche eine Zahnreinigung.»

Die Nachricht stammte nicht etwa von einer Zahnarztpraxis mit einer eigenen Facebook-Seite, sondern von einer ihm unbekannten Person. Luan wurde misstrauisch und schrieb zurück. Er heuchelte Interesse, um mehr über das Angebot zu erfahren. Von dem unbekannten Anbieter erhielt Luan daraufhin einen Fragekatalog zum Zustand seiner Zähne und die Aufforderung, seine Zähne zu fotografieren und die Bilder zu schicken.

Luan fragte mehrmals nach, wo denn die Praxis zu finden sei. Schliesslich erklärte der Anbieter, er betreibe eine mobile Praxis und könne bei Luan vorbeikommen für die Behandlungen. Er könne ihm auch allfällige Löcher in den Zähnen flicken, so der Unbekannte. Er sei zwar kein Zahnarzt, aber Zahntechniker mit einer Zusatzausbildung. Luan brach den Kontakt ab, wurde aber noch mehrere Tage mit Nachrichten und Anrufen bedrängt.

Patientenschutz warnt

Die schweizerische Stiftung für Patientenschutz SPO ist von dem Vorfall alarmiert. «Absolut unseriös», urteilt die Beraterin Maggie Reuter. Schon seit längerem warnt die SPO, dass es in der Schweiz eine Zunahme von unseriösen Angeboten im Bereich der Zahnmedizin gebe. Im Fokus der SPO standen in den letzten Jahren Zahnärzte aus dem Ausland, die in der Schweiz Behandlungen durchführten. In ihren Publikationen machte die Stiftung mehrmals auf diese Problematik aufmerksam. Die Zahnärzte würden teilweise in kurzer Zeit möglichst viel Patienten behandeln. Das wirke sich auf die Qualität der Behandlungen aus. In der Schweiz werden Zahnbehandlungen nur in seltenen Fällen von der Krankenversicherung übernommen, deshalb ist die Nachfrage nach günstigen Behandlungen gross.

Zahnärzte sind alarmiert

Bei der schweizerischen Zahnärztegesellschaft SSO schrillen ebenfalls die Alarmglocken, als sie von dem Angebot erfahren. «Aus unserer Sicht wirkt das unseriös und äusserst dubios», so Marco Tackenberg vom Presse- und Informationsdienst der SSO. «Wir raten dringend davon ab, auf solche Lockrufe einzugehen.»

Ein Zahntechniker sei nicht dazu qualifiziert, Löcher zu flicken oder sonstige Eingriffe am Gebiss vorzunehmen. «Das dürfen in der Schweiz nur Zahnärzte mit den entsprechenden Qualifikationen.» Auch Zahnreinigung dürften nur von ausgebildeten Dentalhygienikern und Prophylaxeassistentinnen durchgeführt werden.

Grundsätzlich sei es empfehlenswert, vor einer Zahnbehandlung das schweizerische Medizinalberufregister zu konsultieren. Dort könnten sich die Patienten darüber informieren, wann Zahnärzte ihre Berufsbewilligung erhalten haben.