Amerikas Konsumenten sind verunsichert

Präsident Trump will eine Rezession unbedingt verhindern und macht Druck auf den US-Währungshüter.

Renzo Ruf
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US-Präsident Donald Trump. (Bild: Carolyn Kaster/AP, Washington, 21. August 2019)

US-Präsident Donald Trump. (Bild: Carolyn Kaster/AP, Washington, 21. August 2019)

Gesprächsstoff gibt es genug.Am gestrigen Donnerstag hat im idyllischen Ferienort Jackson Hole in Wyoming das traditionelle Sommertreffen der Zentralbanker und Ökonomen begonnen, das dieses Jahr unter dem Motto «Challenges for Monetary Policy»steht. Eine dieser Herausforderungen für die Geldpolitik: Wie stark können sich die Notenbanker der westlichen Welt dem Abschwung entgegenstemmen, ohne dabei Gefahr zu laufen, ihre politische Unabhängigkeit zu verlieren. Mit Spannung wird in diesem Zusammenhang die Grundsatzrede von Jerome «Jay» Powell erwartet, dem Chef der amerikanischen Federal Reserve. Denn Powell wird seit Wochen von Präsident Donald Trump, dem er letztlich seinen Job als Hüter des amerikanischen Dollars verdankt, bedrängt, den Leitzins stärker zu senken, damit die US-Volkswirtschaft mit der restlichen Welt Schritt halten könne.

Zuletzt sprach Trump diese Woche gar von einer Zinssenkung von mehr als 100 Basispunkten – derzeit bewegt sich der Fed-Leitzins im Bereich von 2 bis 2,25 Prozent. Auf Rückfrage sagte der Präsident zwar, dabei handle es sich nicht um einen Befehl. Er wiederholte aber seine scharfe Kritik an Powell, der die Zinsen im vorigen Jahr «zu schnell, zu wild» erhöht habe und damit die Wettbewerbsfähigkeit Amerikas untergrabe Ein teurer Dollar, so stolz er auch darauf sei, dass die amerikanische Währung derart solide ist, schade amerikanischen Firmen im Kampf gegen die weltweite Konkurrenz, gerade aus Deutschland.

Nun ist nicht zu erwarten, dass Powell während seiner Ansprache dem Präsidenten Zugeständnisse machen wird. Dazu wäre er auch gar nicht in der Lage, legt doch der Offenmarktausschuss der Federal Reserve die Leitlinien der Notenbank fest. Und wie die Sitzungsprotokolle dieses Gremiums zeigen, herrscht unter den führenden Fed-Vertretern keinesfalls Einigkeit über das weitere Vorgehen. So sprachen sich an der letzten ordentlichen Sitzung des Ausschusses «ein paar» der 15 stimmberechtigen Mitglieder für eine Zinssenkung um 50 Basispunkte aus, während «mehrere» Geldpolitiker der Meinung waren, die Federal Reserve solle nicht an der Zinsschraube drehen. Schliesslich einigte man sich Ende Juli auf einen Kompromiss und auf eine Senkung der Zinsen um 25 Basispunkte.Powell betonte allerdings in der Folge, dass diese Anpassung nicht bedeute, dass die amerikanische Wirtschaft am Rande einer Rezession stehe. Er sprach von einem «Anpassung» in der «Mitte des Konjunkturzyklus», obwohl doch der Aufschwung in den USA seit mehr als zehn Jahren anhält. Diese Einschätzung ist wohl zu optimistisch. Zahlreiche Ökonomen prognostizieren eine Rezession für 2020 oder 2021. Dies ist mit Vorsicht zu geniessen; so heisst es in einer Studie des Internationalen Währungsfonds, dass sich Ökonomen schwer damit tun, korrekte Voraussagen über den künftigen Wirtschaftsgang zu treffen.

US-Wirtschaft schwächt sich ab

Es gibt aber sehr wohl Anzeichen dafür, dass sich die Konjunktur in der grössten Volkswirtschaft der Welt zumindest abschwächt. Auch macht sich die US-Bevölkerung Sorgen um den Zustand der Wirtschaft, was sich negativ auf das Konsumverhalten auswirken könnte. Für diesen Pessimismus verantwortlich ist notabene auch der Präsident: die widersprüchlichen Ankündigungenin seinem handelspolitischen Feldzug gegen China sorgen unter amerikanischen Managern zunehmend für Verwirrung.

Das Weisse Haus jedenfalls diskutiert seit einigen Tagen über mögliche Massnahmen, die Konjunktur anzukurbeln. Nebst einer massiven Zinssenkung – die wohl eine Schwächung des Dollars nach sich ziehen würde – steht auch eine temporäre Steuersenkung zur Debatte. Trump allerdings behauptete am Mittwoch, ein solcher Schritt sei nicht wirklich notwendig, sei doch die Wirtschaft «stark». Diese Ankündigung erfolgte 24 Stunden nachdem der Präsident höchstpersönlich, im Oval Office des Weissen Hauses, bestätigt hatte, dass er über eine temporäre Steuersenkung nachdenke.

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