Polen, Irland, Frankreich, Dänemark, die Niederlande und demnächst auch Deutschland – Europa fährt auf grüne Staatsanleihen ab. Auch die Kantone Basel-Stadt und Genf haben auf die wachsende Nachfrage nach «Green Bonds» reagiert und in den vergangenen eineinhalb Jahren zusammen rund eine Milliarde Franken unter diesem Titel aufgenommen.

Green Bonds sind Anleihen zur Finanzierung von Projekten, die einen Beitrag zur ökologischen Entwicklung leisten. Die Einhaltung dieses Versprechens muss durch Prüfberichte bescheinigt werden.

Green Bonds sind kein europäisches Phänomen. Unlängst hat das weltweite Emissionsvolumen die Marke von 500 Milliarden Dollar gerissen und Fachleute gehen von einer weiteren starken Zunahme aus.

Zum Beispiel Basel

Grüne Obligationen gibt es zwar schon seit mehr als zehn Jahren, doch der grosse Boom begann erst vor drei Jahren mit der Weltklimakonferenz in Paris. Dort setzen sich die Länder zum Ziel, die Treibhausgasemissionen auch durch eine Umlenkung der Finanzflüsse zu bremsen.

Nicht nur soll weniger Geld in klimaschädigende Industrien wie den Kohlebergbau oder in die Erdölförderung fliessen. Ebenso soll auch die Finanzierung klimafreundlicher Energieträger und Technologien gefördert werden. Wo und wie die Gesetzgeber die Anreize genau setzen wollen ist zwar noch weitgehend offen. Doch die Investoren haben sich bereits auf den Weg gemacht, zumal sie sich selber ökonomische Vorteile versprechen.

Wenig überraschend konstatiert auch Markus König, Leiter der kantonalen Finanzverwaltung in Basel: «Die Nachfrage nach unseren Green Bonds war sehr erfreulich.» Doch was die Basler den Investoren verkaufen, ist nicht wirklich neu. «Wir finanzieren nachhaltige Projekte, die wir auch sonst umgesetzt hätten», sagt König.

Was König meint, sind verschiedene Bauprojekte, die sich durch hohe Energieeffizienz, eine ökologische Bauweise und eine gemischte Nutzerstruktur auszeichnen. Solche Projekte werden in Basel schon seit langem realisiert. Die Finanzierung erfolgte bislang über ganz gewöhnliche Anleihen. «Es ist ein bisschen wie auf dem Obstmarkt. Wir haben unsere Bio-Äpfel bislang stets verkauft, ohne sie als solche zu kennzeichnen. Nun bekommen sie das Öko-Label, damit die Konsumenten bewusst ein nachhaltiges Produkt wählen können», erklärt König die Änderung.

Daran wäre nichts auszusetzen, wenn mit den Green Bonds nicht auch die Erwartung verknüpft wäre, dass diese zusätzliche Investitionen befördern, die ohne dieses Instrument eben keine Finanzierung bekommen würden. Allein die EU schätzt, dass sie in den nächsten zehn Jahren jährlich 180 Milliarden Euro an zusätzlichen Investitionen für Energieeffizienz und erneuerbare Energien benötigt, um das Pariser Klimaziel zu erreichen.

In anderen Regionen ist der Investitionsbedarf noch deutlich grösser. Doch wie das Beispiel Basel-Stadt nahelegt, führen Green Bonds in sehr vielen Fällen nur dazu, dass bestehende Investitionsvorhaben umklassifiziert werden, ohne dass es zu einer Aufstockung der Finanzmittel für ökologisch nachhaltige Projekte kommt. Kein Wunder sehen Akteure in der Finanzbranche ein Glaubwürdigkeitsproblem auf den Green-Bond-Markt zukommen. Und nicht nur das: Befürchtet wird auch die Verdrängung von Projekten, die ohne Green Bonds nicht möglich wären.

«Green Bond» versus Anleihe

Für die Eidgenossenschaft sind Green-Bond-Emissionen derzeit kein Thema. Die Finanzverwaltung sagt auf Anfrage, sie wolle keine Fragmentierung ihres ohnehin eng begrenzten Emissionsvolumens, weil dies die Liquidität und damit die effiziente Preisbildung im Börsenhandel beeinträchtigen würde.

Mit dem gleichen Argument wehrte bislang übrigens auch die Deutsche Finanzverwaltung die Emission von Green Bonds ab. Jetzt aber hat man dort nach dem dänischen Vorbild einen Weg gefunden, wie das Dilemma zu lösen ist. So will Deutschland grüne Investitionen auch künftig mit klassischen Anleihen finanzieren.

Gleichzeitig wird die grüne Verpflichtung aber in einem separaten Wertpapier festgeschrieben. Mit dem Eintritt Deutschlands in den Green-Bond-Markt bekommt dieser bald einen mächtigen Zusatzschub. Umso mehr ist es an der Zeit, die offenen Fragen zu klären.