Coronakrise
Airline im Spar-Modus: Swiss trennt sich von Flight Attendants und streicht Löhne

Die Lufthansa-Tochter muss wegen der Coronakrise die Kosten massiv senken. Während sie beim Schweizer Personal Entlassungen vermeiden möchte, beendet sie die Verträge von Angestellten, die in Peking und Schanghai stationiert sind.

Benjamin Weinmann
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Für Flight Attendants in China sieht die Swiss derzeit eine Möglichkeit für Arbeitseinsätze. Das hat nun Folgen.

Für Flight Attendants in China sieht die Swiss derzeit eine Möglichkeit für Arbeitseinsätze. Das hat nun Folgen.

Christian Merz / KEYSTONE

Nun trifft es die ersten. Bisher betonte die Swiss, dass sie ohne Entlassungen durch die Krise gehen möchte. Der geplante Abbau von rund 1000 Stellen sollte über Frühpensionierungen, Lohnkürzungen oder Teilzeitmodelle ermöglicht werden. Doch für die 84 Flight Attendants, die in China stationiert sind, gilt dieser Schutz nicht. Sie begleiten jeweils Swiss-Flüge zwischen Zürich und Peking sowie Schanghai - wenn nicht gerade eine Pandemie herrscht.

Auf Anfrage bestätigt die Lufthansa-Tochter entsprechende Informationen, wonach die befristeten Verträge von 29 Flight Attendants in den beiden chinesischen Metropolen nicht verlängert werden. Es sind keine Entlassungen, aber die Betroffenen verlieren ihre Stelle. Für sie gilt der Schweizer Gesamtarbeitsvertrag nicht. Die restlichen 55 Festangestellten in Peking und Schanghai müssen ab März bis Ende 2021 in den unbezahlten Urlaub. In absehbarer Zeit sehe man wegen der Corona-Pandemie keine Möglichkeit, die in China stationierten Flight Attendants einsetzen zu können, sagt ein Sprecher.

Auch die Schweizer Crew muss zittern

Die Schweizer Kabinencrew hat mit der Swiss bereits über Sparmassnahmen verhandelt, die allerdings von den Mitgliedern der Gewerkschaft Kapers noch abgesegnet werden müssen. Zwar erhalten die Angestellten 2021 so lange wie möglich noch Kurzarbeitsentschädigung. Jene, die unter 4000 Franken verdienen, erhalten aber nur noch 95 anstatt wie bisher 100 Prozent. 2022 entfällt für alle der 13. Monatslohn. Und 2023 werden die Löhne nicht erhöht. Mit diesen und weiteren Massnahmen spart die Firma rund zehn Prozent der Kosten beim Kabinenpersonal – rund 75 Millionen Franken über die nächsten drei Jahre hinweg.

Sandrine Nikolic-Fuss, Präsidentin der Gewerkschaft des Kabinenpersonals Kapers.

Sandrine Nikolic-Fuss, Präsidentin der Gewerkschaft des Kabinenpersonals Kapers.

Severin Bigler

Allerdings machte sich Kapers-Präsidentin Sandrine Nikolic-Fuss zuletzt im Interview mit dieser Zeitung keine Illusionen: «Je länger die Krise dauert, desto wahrscheinlicher werden Entlassungen. Im Frühling müsste eine klare Verbesserung ersichtlich sein für das Sommergeschäft. Ansonsten sind die Chancen klein, dass es ohne Entlassungen geht.»

1000 Lufthansa-Piloten droht die Entlassung

Immerhin: Lufthansa-Chef Carsten Spohr sieht Hoffnungsschimmer, wie er gegenüber der «Wirtschaftswoche» diese Woche sagte. «Seit eine konkrete Aussicht auf einen wirksamen Impfstoff besteht, haben sich unsere Buchungen für den nächsten Sommer verdreifacht.»

Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

Robert Schlesinger / EPA/DPA FILE

Allerdings dürfte es bereits im Sommer zu einem grossen Abbau kommen, da der Graben zwischen der Lufthansa und den Gewerkschaften zu gross ist. «Mangels Einigung wird es wohl erstmals in der Geschichte unseres Unternehmens im zweiten Quartal 2021 so weit sein, dass uns 500 Kapitäne und 500 Erste Offiziere verlassen müssen», sagt Spohr. Dies entspräche einem Fünftel der rund 5000 Angestellten im Cockpit.