Geldpolitik

-0,75 Prozent: Schweizerische Nationalbank hält am bisherigen Leitzins fest

Der Zinsentscheid des SNB-Direktoriums unter Präsident Thomas Jordan war mit Spannung erwartet worden. (Archivbild)

Der Zinsentscheid des SNB-Direktoriums unter Präsident Thomas Jordan war mit Spannung erwartet worden. (Archivbild)

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) tastet die Zinsen nicht an. Sie belässt den Leitzins bei minus 0,75 Prozent und zieht damit der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht nach. Sie gewährt den Banken aber höhere Freibeträge von den Negativzinsen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte erst vor einer Woche ein Massnahmenpaket angekündigt, mit dem sie der Wirtschaft im Euro-Raum unter die Arme greifen will. Mit nochmals höheren Strafzinsen für Banken und frischen Milliarden wurde die Zinswende nochmals für unbestimmte Zeit nach hinten geschoben

Die SNB zieht nun zwar nicht nach, will aber weiterhin bei Bedarf im Devisenmarkt eingreifen. Denn sie stuft den Franken weiterhin als "hoch bewertet" ein. Dies ist neben den Negativzinsen der zweite Hauptpfeiler ihrer Politik, den Franken zu schwächen.

Die expansive Geldpolitik sei angesichts der jüngsten internationalen Entwicklungen und der Inflationsaussichten in der Schweiz nach wie vor notwendig, schreibt die SNB weiter.

Neue Berechnung der Freibeträge

Eine Änderung nimmt die Nationalbank an ihrer Politik trotzdem vor. Sie ändert die Berechnungsgrundlage für den Negativzins. Diese Anpassung führe dazu, dass der Freibetrag für das Bankensystem steige und die Negativzinseinnahmen der SNB sinken würden, heisst es weiter. Die neue Freibetragsberechnung tritt laut den Angaben per 1. November 2019 in Kraft.

Abgesehen davon hat die SNB ihre Wachstumsprognose gesenkt. Sie geht für 2019 neu von einem Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) von "0,5 bis 1,0 Prozent" aus. Im Juni war noch von "rund 1,5 Prozent" die Rede.

Die kurzfristigen (bedingten) Inflationsprognosen für die Schweiz wurden gegenüber Juni deutlich nach unten angepasst. Für 2019 geht die SNB neu von einer Inflation von +0,4 Prozent aus (alt: +0,6%). Für 2020 werden nun +0,2 Prozent (alt: +0,7%) und für 2021 +0,6 Prozent (alt: +1,1%) prognostiziert.

Am Devisenmarkt wertet der Schweizer Franken zu Euro und US-Dollar leicht auf. Aktuell kostet ein Euro 1,0973 Franken.

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