TeleZüri

SommerTalk
Über Shitstorms, Glückssteine und Familie – Arena-Moderator Sandro Brotz im Interview

Er eckt an und gilt als harter Interviewer: Seit zwei Jahren moderiert Sandro Brotz die Arena im Schweizer Fernsehen. Seine Motivation: Für die Zuschauerinnen und Zuschauer alles zu erfahren. Im «SommerTalk» aus dem Hotel Storchen in Zürich zeigt er sich von seiner privaten Seite und erzählt, wie er mit öffentlicher Kritik umgeht.

Dominic Kobelt
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Sandro Brotz kann nicht nur kritische Fragen stellen, er kann ihnen auch ausweichen: «In meinem Leben gibt es immer mal wieder jemanden, man muss sich keine Sorgen um mich machen. Ich bin glücklich», antwortet der Moderator auf die Frage, ob sein Herz vergeben sei. Im Verlauf des SommerTalks antwortet er dann aber doch noch etwas ausführlicher auf persönliche Fragen. So beschreibt er etwa die Beziehung zu seinem Bruder:

«Wir sehen uns nicht häufig, aber wenn wir uns sehen, sind wir uns nahe und haben ein inniges Verhältnis, ohne dass wir viele Worte wechseln müssen.»

Auch mit dem Sohn habe er ein Super-Verhältnis. «Aber er ist jetzt 16, da wartet er nicht jedes Wochenende darauf, mich zu sehen. Seine Kumpels sind da wichtiger, und das soll auch so sein.»

Am Anfang hatte Brotz einen Stein in der Tasche

Moderatorin Patricia Zuber möchte wissen, wie er sich vor den Arena-Sendungen fühlt. «Es ist eine Mischung zwischen einem Kribbeln, Angespanntheit und einer Art Tunnel.» Rund eine Stunde vor der Sendung ziehe er sich in die Garderobe zurück, versuche im Kopf die heiklen Stellen durchzugehen, «ähnlich wie ein Skirennfahrer».

«Wenn ich das Kribbeln vor der Sendung nicht mehr spüre, dann muss ich aufhören», konstatiert Brotz. In seinen Anfangszeiten als Arena-Moderator hatte der heute 51-Jährige noch einen Talisman: «Ich hatte einen Glücksstein in der Hosentasche», verrät er. Den habe er dann aber irgendwann wieder herausgenommen, um sich davon nicht allzu abhängig zu fühlen.

«Es gibt nichts langweiligeres als parteipolitisch geprägten Journalismus»

Die Weltwoche bezeichnete den Moderator einst als die «fatalste Fehlbesetzung». Wie geht Brotz mit solcher Kritik um? «An dem Tag, an dem mich die Weltwoche lobt, muss ich mich zumindest fragen, was da genau passiert ist», sagt Brotz mit einem Lächeln. Wenn man in der Öffentlichkeit stehe, gehöre das halt dazu. In den meisten Fällen könne er sehr gut damit umgehen. «Wenn es unfair wird, unter die Gürtellinie geht, oder wenn es Kritik ist, über die man vorher nicht zusammen gesprochen hat, dann habe ich schon etwas Mühe.»

Dass er eine parteipolitische Färbung in die Sendung bringe, stimme nicht, erklärt der SRF-Moderator:

«Ich verstehe mich als Anwalt der Zuschauerinnen und Zuschauer. Ich möchte für das Publikum etwas herausfinden – das ist mein Anspruch.»

Seine persönliche politische Einstellung interessiert in der Sendung überhaupt nicht, er sei auf das Thema fokussiert. «Es gibt nichts langweiligeres als parteipolitisch geprägten Journalismus.»

Drohungen gegen Leib und Leben

Ebenfalls in die Kritik, respektive in einen regelrechten Shitstorm geriet Brotz wegen eines Tweets gegen Corona-Gegner.

«Es war eine schwierige Zeit für mich», gibt er heute offen zu. Er habe das auch selber mitverschuldet, den zweiten Teil seines Tweets würde er heute nicht mehr so schreiben. «Ganz viele Leute haben sich mitgemeint, was ich nicht wollte.» Dass man aber nicht protestieren müsste, würde man sich an die Massnahmen halten, zu dieser Meinung stehe er nach wie vor.

Zu schaffen machte Brotz besonders, dass manche Zuschriften, die er auf den Beitrag erhielt, eindeutig eine Grenze überschritten. «Wenn es gegen Leib und Leben geht, dann ist es nicht mehr lustig. Darüber muss man auch reden.»