Dietikon/Zürich
Rolf Steiner zum Dalai Lama-Besuch: «Es herrschte Ferienlagerstimmung»

Kantonsratspräsident Rolf Steiner (SP) über sein Treffen mit dem Dalai Lama, welcher die Leute mit seiner toleranten und lockeren Art inspirierte.

Alex Rudolf
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Eindrückliches Treffen mit dem Dalai Lama: Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch, der Kantonsratspräsident aus Dietikon, Rolf Steiner, der Präsident des Zürcher Gemeinderates, Roger Bartholdi, und der Regierungsrat Mario Fehr (von links) lassen sich im Anschluss an den Friedensgottesdienst mit dem Dalai Lama ablichten. Kathrin Steiner

Eindrückliches Treffen mit dem Dalai Lama: Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch, der Kantonsratspräsident aus Dietikon, Rolf Steiner, der Präsident des Zürcher Gemeinderates, Roger Bartholdi, und der Regierungsrat Mario Fehr (von links) lassen sich im Anschluss an den Friedensgottesdienst mit dem Dalai Lama ablichten. Kathrin Steiner

Herr Steiner, als Kantonsratspräsident nahmen Sie am Friedensgottesdienst mit dem Dalai Lama im Grossmünster teil. Welche Eindrücke nehmen Sie mit?

Rolf Steiner : Der Dalai Lama ist sehr präsent und sehr fit für sein Alter. Ihm ist klar, dass er eine wahnsinnig wichtige Funktion hat, für viele Tibeter ist er beinahe ein Gott. Dahinter steckt aber eine Person, die sich nicht so ernst nimmt. Das war inspirierend. Aber auch die Vertreter anderer Religionen, die den Gottesdienst gemeinsam bestritten, gaben inspirierende Worte von sich.

Durch meine Funktion konnte ich in der ersten Reihe sitzen, was das Erlebnis nochmals eindrücklicher machte. Es war eine freudige Sache und nicht tierisch ernst. Pfarrer Siegrist und der Dalai Lama hatten keine Scheu vor Körperkontakt, hielten Hände, klopften sich auf die Schultern und lachten herzhaft.

Es sollte ja ein Appell für den Frieden unter den Religionen werden.

Genau dies war eindrücklich zu sehen. Der Dalai Lama sagte, es sei toll, wenn jeder zu seinem jeweiligen Gott für Frieden bete. Doch Buddha oder Jesus würden wohl antworten, dass sie die Probleme auf der Erde gern lösen würden, doch erst sollten die Menschen doch aufhören, überhaupt Probleme zu kreieren.

Im Anschluss fand ein Essen in der Helferei mit geladenen Gästen statt. Hatten Sie dort die Gelegenheit, sich mit ihm auszutauschen?

Austausch ist zu viel gesagt. Ich ging zum Dalai Lama hin und habe mich als Zürcher Parlamentspräsident vorgestellt und ihn begrüsst. Er sagte, er freue sich, hier zu sein, und das war es eigentlich schon. Er war stets von vielen Menschen umgeben. Doch es herrschte Ferienlagerstimmung mit einem Buffett mit kurdischen Spezialitäten und Zürigschnätzletem.

Stellte sich Ihnen im Hinblick auf die Kritik des chinesischen Generalkonsulats die Frage, teilzunehmen?

Absolut nicht. Diese Art der Spiritualität, die der Dalai Lama vertritt, sagt mir persönlich sehr zu. Zudem hatte ich bereits zugesagt, als die chinesische Generalkonsulin mich ansprach und mir sagte, China habe keine Freude am Auftreten des Dalai Lama in Zürich. Ich entgegnete ihr, dass ich eingeladen sei und teilnehmen werde.

Pflege der inneren Werte ist auch gut für das Äussere

Mit einem Auftritt im Zürcher Grossmünster hat der Dalai Lama am Samstag seinen viertägigen Besuch in der Schweiz beendet. Zusammen mit Vertretern anderer Religionen appellierte er an den Frieden – und verriet nebenbei das Geheimnis für sein jugendliches Aussehen.

Reformierte Kirchen sind bekanntlich selten bis auf den letzten Platz besetzt. Beim Auftritt des Dalai Lamas im Grossmünster war aber sogar ein Public Viewing im Freien nötig, um allen Interessierten einen Blick auf das geistige Oberhaupt der Tibeter zu ermöglichen. Insgesamt kamen weit über tausend Zuschauer.

Zusammen mit einem Rabbiner, einem Imam, einer römisch-katholischen Seelsorgerin, einer hinduistischen Vertreterin und einer reformierten Pfarrerin führte er ein Friedensgebet durch. «Erinnern wir uns daran, dass in genau diesem Moment viele Menschen Schreckliches erleben, leider oft im Namen der Religion», sagte er. Und dies obwohl doch alle Religionen dieselben Werte wie Liebe und Toleranz hätten.

«Ich schätze es deshalb sehr, dass dieser Anlass organisiert wurde», sagte er weiter. Sich zu treffen sei der beste Weg, gemeinsame Werte zum Ausdruck zu bringen. Er forderte die Anwesenden auf, sich für den Frieden zu engagieren und die inneren Werte zu pflegen. «Nicht nur die äusseren.»

Die Pflege der inneren Werte und der innere Friede seien aber auch gut fürs Äussere, sagte der 81-Jährige kichernd. «Schauen Sie mich an. In den letzten zwanzig Jahren habe ich mich kaum verändert, und das ohne Schönheits-OP.» Meditieren, den inneren Frieden finden und mit einem Lächeln auf die Menschen zugehen, fasste der Dalai Lama sein Rezept für jugendliches Aussehen zusammen.

Nach dem gemeinsamen Gottesdienst gingen die Religionsvertreter und die geladenen Gäste zum Mittagessen. Eine syrische Flüchtlingsfamilie kochte kurdische Spezialitäten, daneben gab es aber auch «Zürcher Geschnetzeltes». (SDA)

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