Wiedlisbach
«Nur Sparen allein reicht nicht aus»

Die Gemeinde will neue Einwohner anlocken und neuen Schulraum schaffen. Der finanzielle Handlungsspielraum des Gemeinderats ist jedoch sehr klein.

Johannes Reichen
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Solothurner Zeitung

Am Montagabend zur «Tagesschau»-Zeit ist es fast totenstill im Städtchen von Wiedlisbach. Eine Handvoll Leute sitzt in der «Krone» beim Bier. Draussen ist kaum ein Mensch zu sehen, es ist ja auch bitterkalt. Allerdings ist die Altstadt auch bei angenehmerem Wetter oft nur die schöne Kulisse für einen Stummfilm, der auch noch an Personalmangel leidet.

Eine gute Stunde später, an der Gemeindeversammlung in der Froburg, stellte Gemeinderat Martin Allemann (FDP/Soziales) ein Programm vor, das für mehr Leben sorgen soll. Die Gemeinde will sich ein neues «Profil» geben. In den vorgestellten «mittel- bis langfristigen Entwicklungszielen» der Gemeinde hat auch die Belebung der Altstadt ihren Platz.

Allemann wählte bei der Beschreibung der Lage klare Worte. «Die Gemeinde stagniert», sagte er. In den letzten zehn Jahren sei die Gemeinde um 0,7 Prozent gewachsen, in einzelnen Jahren habe die Bevölkerung gar abgenommen. «Unser finanzieller Handlungsspielraum ist sehr klein», sagte er, «wir müssen weiter sparen, aber das allein reicht nicht.» Das Potenzial sei aber da, um der «drohenden Abwärtsspirale» zu entkommen.

Prioritäten legt der Gemeinderat auch aufs Wohnen und Arbeiten. Die Investitionskraft möchte der Gemeinderat von zuletzt 0,5 bis 0,8 Millionen auf 1,5 Millionen Franken erhöhen. Bis etwa 2018 strebt die Gemeinde ein Wachstum um rund 10 Prozent (das wären 220 Personen) an. Nach dieser Wachstumsphase soll die Zeit der «Optimierung» folgen.

Eine erste Richtung des Wegs gibt die Revision der Ortsplanung vor, die im nächsten Frühling der Bevölkerung vorgestellt und im Dezember 2011 der Gemeindeversammlung vorgelegt werden soll. Lokales Gewerbe in der Weiermatt und neue Wohnungen in der Gerzmatt sollen für Wachstum sorgen.

Mehr Platz für die Schule

Ein wichtiges Teilprojekt ist die «Schule 2020». Mit einem Liegenschaftskonzept will Wiedlisbach einer Zentrumsfunktion im Bildungsbereich näher kommen. «Wir brauchen mehr Schulraum», sagte Gemeinderat Christian Glanzmann (SP/Bildung), viele Anlagen seien zudem sanierungsbedürftig. Ein erster Schritt ist gemacht, die Stimmberechtigten stimmten dem Kauf der Liegenschaft an der Bielstrasse 16 für 580000 Fr. zu. Sie liegt in unmittelbarer Nähe der bestehenden Schulhäuser. «Da könnte beispielsweise eine Turnhalle gebaut werden.»

Wiedlisbach will jetzt sein «Image» und damit die Kommunikation verbessern. Wie wichtig das sein kann, wurde bei der Abstimmung über einen Projektierungskredit zur «Schule 2020» deutlich. Einzelne Bürger kritisierten, dass sie kaum etwas über das Projekt erfahren hätten. Mit nur zwei Stimmen Differenz wurde denn auch der Vorschlag aus der Versammlung, die Abstimmung auf den Sommer 2011 zu verschieben, abgelehnt.

So stimmte die Gemeindeversammlung dem Kredit von 80 000 Franken schliesslich mit 74 zu 10 Stimmen zu. Nun können sich die Fachleute an die Arbeit und Gedanken zur Zukunft der Schule machen.

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