Analyse
Nicht jeder erhält mediale Aufmerksamkeit

Der Männerbeauftragte Markus Theunert hat einen fulminanten Abgang hingelegt. Von zwei weiteren wichtigen Namen, die aus der Verwaltung verschwunden sind, spricht allerdings niemand, schreibt az-Redaktor Michael Rüegg in seiner Analyse.

Michael Rüegg
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Hat einen spektakulären Abgang hingelegt: Markus Theunert

Hat einen spektakulären Abgang hingelegt: Markus Theunert

Keystone

In Zürichs sommerlich ausgetrocknetem Medienkuchen ist diese Woche der Abgang des kantonalen Männerbeauftragten Markus Theunert das grosse Thema. Er geht nach nur drei Wochen im Job und ohne irgendwo auch nur den Hauch einer Spur zu hinterlassen. Gleichzeitig sind jedoch zwei gewichtige Namen aus der Zürcher Verwaltung verschwunden. Ohne einen Mucks – und das, obwohl sie in wesentlich einflussreicheren Positionen waren.

Einer ist Erich Peter, langjähriger Chef des Amtes für berufliche Vorsorgen und Stiftungen, das bislang Teil der Verwaltung war und seit Anfang Jahr eine selbstständige Anstalt ist. Mit der neuen Organisation erhielt das einstige Amt einen fünfköpfigen Verwaltungsrat unter dem Präsidium des Pensionskassenexperten und ehemaligen LdU-Kantonsrates Bruno Ern.

Zwischen dem Verwaltungsrat und Peter herrschten unterschiedliche Auffassungen über die Führung der BVG- und Stiftungsaufsicht (BVS), wie Ern auf Anfrage sagte, worauf Peter den Hut nehmen musste. In einem Mail an diverse Empfänger sprach er davon, «neue berufliche Herausforderungen» anzunehmen. Und VR-Präsident Ern schrieb, Peter würde «seine Zeitguthaben» kompensieren. Mit anderen Worten, er war per sofort weg. Zwei frühere Untergebene teilen sich nun interimistisch die Leitung.

Kleiner Bekanntheistgrad, grosse Verantwortung

Die BVS ist zwar in der Öffentlichkeit wenig bekannt, doch ihre Verantwortung ist gewaltig. Sie beaufsichtigt über tausend Vorsorgeeinrichtungen mit einem kumulierten Gesamtvermögen von 153 Milliarden Franken. Dazu kommen Stiftungen mit einem Vermögen von gesamthaft 31,5 Milliarden Franken. Zum Vergleich: Das sind zusammen rund dreimal so viel wie die Gesamtausgaben des Bundes im Jahr 2011.

Ein anderer gewichtiger Abgang wurde auch nicht vermeldet: derjenige von Giampiero Beroggi. Auch er ein langjähriger Amtschef, allerdings des Statistischen Amtes. Beroggis fachliche Qualifikationen sind unbestritten, doch als Chef soll er weniger brilliert haben. Auch er verliess seinen Schreibtisch per sofort, bleibt aber noch mehrere Monate angestellt, wie inoffiziell zu erfahren war. Sein bisheriger Stellvertreter besorgt derweil laut Website die Amtsführung.

Das Statistische Amt ist nicht bloss eine Einrichtung für Zahlenspielchen. Mit statistischen Daten macht man auch Politik. Sie wandern aus Studien und Tabellen in konkrete politische Vorhaben. Das Amt selber kann – etwas philosophisch ausgedrückt – einen Einfluss auf den Lauf der Dinge nehmen, indem es bei der Datenerhebung seine Prioritäten so oder eben so setzt.

Wahlleiter des Kantons

Der Chef des Statistischen Amtes ist gleichzeitig Wahlleiter des Kantons. Sein Amt ist letztlich die mathematische Maschinerie hinter jedem kantonalen und nationalen Urnengang. Dort kommen die Resultate zusammen, dort entscheidet sich, wer gewonnen und wer verloren hat.

Nun gibt es keinerlei Anzeichen, dass Beroggi – oder auch Peter – sich irgendwelche Verfehlungen geleistet haben. Zu ihren plötzlichen Abgängen führten wohl andere Faktoren, menschliche. Doch es ist erstaunlich, dass zwei einflussreiche Chefbeamte im Gegensatz zum machtlosen Männerbeauftragten so unbemerkt in der Versenkung verschwinden konnten.

Sex verkauft sich halt besser als Staat. Oder überspitzt ausgedrückt: Ein über Monate in den Medien präsenter junger Emanzer, der über Pornos mit menschlichen Exkrementen stolpert, ist nun mal aufregender als zwei ältere Zahlenhengste.