Dietikon
Limmat Tower - so baut man einen 80 Meter hohen Turm

Auf der Baustelle des Limmattowers muss jeder Handgriff sitzen – nichts wird dem Zufall überlassen.

Sebastian Schanzer
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Der Limmat Tower in Dietikon wächst
13 Bilder
Zunahme der Arbeitslosigkeit vor allem im Baugewerbe (Themenbild).
Immer mehr Baufachleute melden sich arbeitslos (Themenbild).
Kurze Pause nach anstrengender Arbeit.

Der Limmat Tower in Dietikon wächst

Jiri Reiner

Er ragt schon weit in die Höhe und ist zurzeit doch erst halb so hoch, wie er nach seiner Fertigstellung 2015 sein soll: Der Limmat-Tower wächst. Mit seinen 80 Meter Höhe soll das vom Zürcher Architekturbüro Huggenbergerfries entworfene Hochhaus dereinst zum Wahrzeichen Dietikons werden. Gebaut werden hier 107 Eigentumswohnungen, 38 Mietwohnungen und 13 Büroräume.

Von den insgesamt 26 Geschossen des Gebäudes auf dem Limmatfeld stehen bereits 13, alle fünf Tage kommt ein Stockwerk im Rohbau dazu. Anfangs brauchte man noch acht Tage pro Etage, mittlerweile sitze aber jeder Handgriff, sagt Roger Seiler, Gesamtprojektleiter der Priora AG. Die Generalunternehmung wurde von Halter Entwicklungen beauftragt, den Limmattower wie auch das restliche Baufeld E des Limmatfelds zu erstellen.
«Die Bauarbeiten laufen wie geschmiert, die Handwerker sind ein eingespieltes Team», sagt Seiler, der keine Gelegenheit auslässt, die rund 200 Bauarbeiter, die momentan im Einsatz sind, zu loben und ihnen Respekt zu zollen. Zurzeit sei auch das Wetter ideal. Im Hochsommer sei die brennende Sonne nämlich kaum auszuhalten.

Vier Krane sind im Einsatz

Da haben es die beiden Sicherheitsangestellten besser, die jeweils einen Lift an der Fassade des Rohbaus bedienen. Sie stehen meistens im Schatten. Jeden Tag führen sie Arbeiter, Maschinen oder Baumaterial in die oberen Stockwerke und wieder zurück auf den Boden, Hunderte Male. Auf diese Weise kommen Türen, Fenster, Gipsplatten oder Bodenbeläge in die höheren Stockwerke. Für grösseres und schwereres Material stehen vier Krane auf der Baustelle. Sie hieven, je nach Bedarf im Minutentakt, Material dorthin, wo es gebraucht wird. Vom Betontrichter über Holzpfähle bis hin zur Toilettenkabine. «Eine besondere Herausforderung bei solch einem Hochhaus ist die Koordination der Materiallieferungen. Jeden Tag kommen zig Lastwagen und laden ihr Material ab», sagt Seiler. Für die Logistik wurde eigens jemand angestellt, denn das Baumaterial soll möglichst dann geliefert werden, wenn es verarbeitet werden kann.

Dreifach verglaste Fenster

Über 2300 Tonnen Stahl und etwa 21 850 Kubikmeter Beton wurden bis jetzt für die Wände, Stützen und Geschossdecken des Hochhauses benötigt. Gefördert wird der Beton mit einer sogenannten Autobetonpumpe. Im Kern des Towers wurde ein Mast verankert, der das Material durch die Förderleitung pumpt. Ein 32 Meter langer Verteilarm bringt den Beton ganz oben schliesslich an den richtigen Ort. Die gesamte Leitung wächst mit dem Hochhaus mit und wird am Ende etwa 120 Meter lang sein.

Der fünfeckige Kern des Towers besteht aus drei Liftschächten und zwei Treppenhäusern und ist dem Bau des nächsten Geschosses immer um zwei bis drei Etagen voraus. An ihm wird die sogenannte Kletterschalung angebracht, die Form in die der Beton für Boden, Wand und Decke gegossen wird. Ist der Beton vollständig erhärtet, wird das Gerüst einfach zum nächsten Betonierabschnitt versetzt.

Während ganz oben, sozusagen an der Baufront, noch neue Stockwerke aus dem Nichts entstehen, kommen sechs bis acht Etagen weiter unten bereits die dreifach verglasten Fenster in ihre Rahmen. Sie sollen die Räume in den unteren fünf Etagen vom Strassenlärm freihalten.

Nach dem Einsetzen der Fenster beginnen die Verputzarbeiten, dann werden die Raumtrennwände errichtet und die Wohnungen weiter ausgebaut. Noch vor Weihnachten soll der Öffentlichkeit im achten Stock eine fixfertige Musterwohnung präsentiert werden. Gleichzeitig werden einige Stöcke weiter oben noch die letzten Geschosse betoniert.

Anders als bei den anderen Baustellen im Limmatfeld fehlt beim Hochhaus das übliche Fassadengerüst. «Die Fassade verläuft nicht geradlinig, sie hat eine spezielle Geometrie mit Vor- und Rücksprüngen», sagt Seiler. «Das stellte uns mit den üblichen Gerüsten vor Sicherheitsprobleme.» Bei laufenden Bauarbeiten entschied man sich deshalb, die Fassadengerüste durch Mastkletterbühnen zu ersetzen. Auf diesen können die Handwerker per Knopfdruck vertikal der Fassade entlang fahren. Das ermüdende Klettern entfällt. Eine weitere Herausforderung ist der Einbau einer Rauchdruckanlage im Treppenhaus. Diese ist bei einem Hochhaus aber zwingend. Im Fall eines Brandes im Gebäude hält sie das Treppenhaus frei von Rauch, indem sie einen Überdruck erzeugt.

Hohe Sicherheitsanforderungen

Seiler ist sichtlich stolz auf alle Beteiligten, wenn er sieht, dass Ordnung auf der Baustelle herrscht. Kein Wunder: Beim Bau eines 80 Meter hohen Turms müssen strenge Auflagen erfüllt werden, deren Einhaltung streng durchgesetzt wird. Nicht zuletzt, weil es Öffnungen und Schächte im Turm gibt, die von ganz oben nach ganz unten führen, darf man sich bei den Sicherheitsvorkehrungen keine Nachlässigkeiten leisten. «Ausser einem blauen Finger hier und da ist bis jetzt aber noch nichts passiert», sagt Seiler.