Hunzenschwil hat seit 100 Jahren Strom

1909 leuchteten die ersten elektrischen Laternen in Hunzenschwil, bei jeder spielte andächtig die Dorfmusik

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Aargauer Zeitung

Thomas Bucher

Es war ein geradezu historischer Moment. Die Dorfmusik blies zum Marsch, als in Hunzenschwil die 25 elektrischen Laternen zum ersten Mal angezündet wurden. So zumindest schilderte ein Hunzenschwiler (Jakob Zubler) seinem Bruder Gottfried in der Westschweiz 1909 in einem Brief das Szenario: «Es ist wirklich sehr schön, jetzt besonders, wenn man nachts noch in die Stadt muss», schrieb Zubler. «Im Rössli hatte es Leute, was Platz hatte, es wurde gesungen und gemusiziert fast bis am Morgen.»

Ein fantastisches Dokument

«Der Brief - ein fantastisches Dokument - ist erst am Montag in meine Hände geraten», freut sich Martin Stampfli, Präsident der Technischen Kommission Hunzenschwil und Hauptinitiant des Festakts, welcher am Wochenende abgehalten wird: 100 Jahre Elektrizitätsversorgung gibt es zu feiern. Der scheidende Gemeinderat Stampfli ist stolz, den Brief nebst anderen zeitgenössischen Exponaten in die Ausstellung integrieren zu können.

Die Hunzenschwiler waren alles andere als Pioniere in der Region, was die Stromversorgung anging. Ende 1907 ersuchten die Einwohner den Gemeinderat, er möge der Gemeindeversammlung die Frage der Elektrizitätsversorgung vorlegen. Es wurde darauf hingewiesen, dass in etlichen umliegenden Gemeinden bereits Strassen elektrisch beleuchtet seien. Die Befürchtungen der Einwohner gingen dahin, dass jemand in den Bach fallen könnte, wenn er die nahe, gut frequentierte Landstrasse entlang marschiere. Den altmodischen Öllaternen wurde nun ein für alle Mal abgeschworen.

Trafo-Häuschen steht nicht mehr

Die Strombezugsquelle war 1908 bereits gesichert, führte doch eine Starkstromleitung vom Kraftwerk Beznau durch Hunzenschwiler Boden. Es wurde kurzerhand beim Schulbaumgarten eine Transformatorenstation errichtet, welche die bestehende Leitung ab Frühjahr anzapfte. Das Trafo-Häuschen steht heute nicht mehr. Es wurde in den Neunzigern abgerissen - zum Bedauern von Gemeinderat Stampfli: «Das hätte wohl ein schönes kleines Museum abgegeben.»

Dass man Strom immer zur Verfügung hat, ist heute selbstverständlich. Doch noch 1962 mussten die Hunzenschwiler eineinhalb Tage ohne Strom auskommen, nachdem Schnee die Leitung zu Boden gedrückt hatte. Einige der freiwilligen Helfer, welche die Leitung wieder auf Vordermann gebracht hatten, bildeten fortan die «Elektrizitätsversorgung Hunzenschwil», die Vorgänger-Organisation der heutigen Technischen Kommission.