Medizin  
Fachhochschulen sollen Ärzte ausbilden können

Um den Hausärztemangel zu beheben, fordert der Leiter des Gesundheitsdepartements an der ZHAW den Ärztemaster auf Fachhochschulstufe.

Till Hirsekorn
Merken
Drucken
Teilen
Ärztemangel: Löst ein möglicher Medizin-Master auf Fachhochschulstufe das Problem?

Ärztemangel: Löst ein möglicher Medizin-Master auf Fachhochschulstufe das Problem?

Dass sich der Mangel an Hausärzten künftig weiter verschärfen wird, scheint unbestritten. 60 Prozent gehen in den nächsten zehn Jahren in Rente. Rund 4000 neue Ärzte braucht es schweizweit bis dann, um die Lücke zu füllen, schätzt der Verband der Haus- und Kinderärzte Schweiz. Eine grosse Mehrheit der Ärzte aus der Region verwies in einer Umfrage jüngst auch auf einen Mangel im Grossraum Winterthur. Der Bundesrat hat den Kantonen inzwischen 100 Millionen Franken als Anschubfinanzierung in Aussicht gestellt, um 300 neue Medizin-Studienplätze pro Jahr zu schaffen.

Schwerpunkt Allgemeinmedizin

Peter C. Meyer, der abtretende Gründer des Departements Gesundheit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW, bringt nun eine neue Option ins Spiel, den Medizin-Master auf Fachhochschulstufe. In zehn bis fünfzehn Jahren bereits könnten laut Meyer an der «Winterthur Medical School» Ärzte in Humanmedizin ausgebildet werden. «Der Schwerpunkt der Ausbildung läge klar bei der Allgemeinmedizin», sagt Meyer. Die neue Medizin-Fachhochschule ginge eine enge praxis- und ausbildungsorientierte Partnerschaft mit der ZHAW und dem Kantonsspital Winterthur (KSW) ein. Meyer schätzt, dass sich dank vorhandener Infrastruktur und weniger Forschung die Kosten pro Ausbildungsplatz von heute rund 1,2 Millionen Franken etwa halbieren würden. In Schweden und Deutschland hätten sich New Medical Schools bereits bewährt.

Für eine neue Winterthurer Ärzte-Fachhochschule wäre die ZHAW auf zusätzliche Kantonsgelder angewiesen. Beim Hochschulamt beurteilt man die Idee auf Anfrage skeptisch und verweist darauf, dass der Bund das Medizinalberufegesetz entsprechend anpassen müsse. Dort ist der Ärzteberuf explizit unter universitäre Medizinalberufe aufgeführt. Grundsätzlich verfolge man beim Hochschulamt eher das Ziel, die Ausbildungsplätze an der Uni Zürich zu erhöhen. Bei der potenziellen Partnerin KSW will man sich noch nicht zum möglichen FH-Medizinstudium äussern. Und der Haus- und Kinderärzteverband befürchtet Qualitätseinbussen und «Hausärzte light». Vorantreiben müsste die «Medical School» Meyers Nachfolger, der Ökonom und Arzt Andreas Gerber-Grote. «Um beurteilen zu können, wie ideal eine solche Lösung tatsächlich wäre, müsste man noch einige offene Fragen klären», sagt er mit Verweis auf die Kosten, Image und Status der Hausärzte und inwiefern man die Ressource Gesundheitspersonal mit Masterabschluss besser nutzen könne. «Aber ich stehe der Idee grundsätzlich offen gegenüber.»

Meyer bleibt auch als Pensionär am Thema dran. Im Oktober leitet er in Bayern einen «Medical School»-Fachkongress. Im Interview erklärt der Alt-68er und Soziologe, wie seine Karriere im Gesundheitsbereich im autonomen Jugendzentrum in Zürich begann.