Zivildienst
Entlastung für die Zürcher Lehrer

Was in Bundesbern erst eine Idee ist, ist in Zürich Realität: Zivis arbeiten als Aushilfen in Sonderschulen. Bei den Politikern in Bundesbern löst die Idee Skepsis aus.

Marius Huber
Merken
Drucken
Teilen
Ein Zivildienstleistender betreut ein Kind in der Heilpädagogischen Schule in Dielsdorf.

Ein Zivildienstleistender betreut ein Kind in der Heilpädagogischen Schule in Dielsdorf.

Keystone

Der Bund sucht Arbeit für sein wachsendes Heer an Zivildienstlern. Deshalb prüft er zurzeit eine Gesetzesänderung, die es erlauben würde, die Zivis künftig auch an Schulen einzusetzen.

Die Idee hat unter Politikern und Lehrern zum Teil Skepsis ausgelöst – ohne dass dabei beachtet worden wäre, dass es mit dem Kanton Zürich ein Labor gibt, wo das schon heute weitgehend Realität ist. Auch ohne Gesetzesänderung.

Der Grund dafür: Nach geltenden Regeln dürfen Zivildienstler heute zwar keine Einsätze an regulären Schulen leisten, wohl aber an Sonderschulen. Und im Kanton Zürich ist de facto fast jede Schule auch eine Sonderschule.

Dies, weil der Kanton seit ein paar Jahren auf die sogenannte integrierte Sonderschulung setzt, die Eingliederung von behinderten und leistungsschwachen Schülern in die Regelklasse.

Dies erlaubt es Zivildienstlern, ihre Einsätze in normalen Schulhäusern zu leisten. Wie eine Umfrage zeigt, übernehmen sie dort längst nicht nur sonderschulische Aufgaben im engsten Sinn.

Um Hilfe von einem Zivildienstler zu bekommen, muss eine Schulgemeinde aus eigener Initiative einen Antrag stellen. Sie darf dann auch selbst entscheiden, ob ihr ein Kandidat genehm ist oder nicht.

Von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht hat bisher erst eine Handvoll Schulen. Laut Olivier Rüegsegger von der Schweizer Vollzugsstelle für den Zivildienst steigt die Zahl im Kanton Zürich zwar, sie tut dies jedoch auf bescheidenem Niveau.

Im Jahr 2011 haben gerade mal 19 Zivildienstler in Zürcher Schulen gearbeitet. Angesichts von landesweit über 14?000 Einsätzen bewegt sich ihr Anteil im Promillebereich.

Schulen sind begeistert

Das liegt womöglich am fehlenden Wissen um diese Möglichkeit, aber ganz sicher nicht an negativen Erfahrungen: Jene Schulgemeinden, die bereits mit Zivildienstlern zusammengearbeitet haben, sind nämlich voll des Lobes.

«Die Zivis haben sich sehr bewährt, unsere Schulleiterinnen und Schulleiter sind begeistert», sagt zum Beispiel Bruno Loher, Schulpräsident in Fällanden. Die Gemeinde am Greifensee leistet seit rund drei Jahren Pionierarbeit mit Zivildiensteinsätzen.

Pro Jahr helfen hier drei Zivis während je eines Semesters aus. Ihre Hauptaufgabe: Unter Anleitung von Sozialpädagogen und Schulsozialarbeitern in die Klassen zu gehen und dort Sonderschüler zu betreuen.

Einschränkungen sind dehnbar

Im Prinzip müsste sich ihre Arbeit darauf beschränken, so wollen es die gesetzlichen Bestimmungen: Zivildienstler müssten «arbeitsmarktneutral» eingesetzt werden, sie dürfen also nirgends tätig sein, wo sie Festangestellten die Arbeit wegnehmen.

«Das hat man uns so eingebläut», sagt Loher. Er relativiert aber, dass die Grenze in der Praxis nicht ganz einfach zu ziehen sei. «Wir sehen die Zivis als grosse Unterstützung überall dort, wo es gerade Probleme gibt.

Natürlich ist das in der Regel bei den Sonderschülern.» In der Regel heisst: nicht ausschliesslich. Dass die Bestimmungen dehnbar sind, zeigt sich auch in anderen Zürcher Schulgemeinden.

Hier fungieren die Zivildienstler manchmal ganz pragmatisch als zusätzliche Betreuer in den Klassenzimmern - was insofern den Vorgaben entspreche, als zur Klasse ja auch Sonderschüler gehörten.

Mit dem selben Argument lassen sich auch andere Aufgaben begründen: Etwa wenn sich ein Zivildienstler im Turnunterricht der Knaben annimmt, damit diese auch einmal eine männliche Bezugsperson haben.

Oder wenn er am Kopierapparat Arbeitsblätter vervielfältigt. Für solche Büroaufgaben spricht auch, dass die Zivildienstler auf volle Arbeitstage kommen müssen, um den Dienst angerechnet zu bekommen.

Sie müssen also auch dann weiterbeschäftigt werden, wenn die Glocke schon zum Schulschluss geläutet hat.

Erst einmal schritt das Amt ein

Was passiert, wenn eine Schule den Bogen überspannt, zeigt ein Beispiel aus Fällanden. Weil ein Zivildienstler dort auch während der Schulferien weiterarbeiten wollte, um Diensttage abzutragen, liess man ihn dem Hauswart helfen.

Das erwies sich als Fehler: Das zuständige Amt bekam Wind davon und intervenierte. Laut Schulpräsident Loher geschah das nur dieses eine Mal.

Olivier Rüegsegger von der Vollzugsstelle für den Zivildienst weist darauf hin, dass die Behörden die Möglichkeit haben, mit unangekündigten Inspektionen in den Schulen nach dem Rechten zu sehen, wenn sie von Regelverstössen erfahren.

Zurzeit gebe es dazu jedoch keinen Anlass.