Züpfe Zmorge
Ein Bundesrat auf Stippvisite im «Bären»

Daniela Schneider, die Tochter von Bundesrat Johann Schneider-Ammann, leitet neu den Gesellschaftsanlass der Frühaufsteher im «Bären»-Saal. Zu Gast war gestern früh auch der frischgebackene Bundesrat.

Urs Byland
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Frühaufsteher

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Solothurner Zeitung

Etwas im bundesrätlichen Glanz sonnen konnten sich die Besucherinnen und Besucher des Ammann-Züpfe-Zmorge. Im Saal des «Bären» erschien gestern Morgen auch Johann N. Schneider-Ammann zu einer Stippvisite, bevor er in Bundesbern das Budget seines Departements zu verteidigen hatte. Er stehe als Privatperson ans Mikrofon, um seine Tochter einzuführen, welche künftig das «Züpfe Zmorge» organisieren wird, wie er hervorhob. «Wenn Du den Kopf hin- hältst für die Schweiz, dann halten wir hier vor Ort den Kopf hin für das Unternehmen, hat meine Familie immer gesagt. Heute findet das ‹Züpfe Zmorge› zum zwölften Mal statt. Meine Tochter Daniela wird die nächsten zwölf Ausgaben durchführen.» Er fühle sich als stolzer Vater, weil seine Kinder in seine Fussstapfen treten wollen. Applaus begleitete den Bundesrat auf seinem Weg durch das Publikum hinaus zum wartenden Fahrzeug, das ihn nach Bern brachte.

Dann war die Reihe an Daniela Schneider, die diplomatischen Gäste aus Slowakei und Deutschland sowie das Publikum im vollen «Bären»-Saal und den Referenten Jürg Bucher, Konzernleiter Post, zu begrüssen.

Eindrückliche Zahlen

Jürg Bucher führte sich gleich als Kenner Langenthals ein. Er habe viele Jahre Verwandte in Langenthal gehabt und kenne das Schoren-Quartier ein wenig. Seine zweite Aussage zur Region ernüchterte dann etwas die noch vom Glanz geblendeten Besucher. «Auch wenn Ihr Bundesrat den Autobahnzubringer nicht bringen wird, bin ich sicher, dass Johann Schneider-Ammann sich sehr für den Oberaargau einsetzen wird.»

Dann kam er rasch zum Thema seines Referates, in dem er sich fragte, ob der Mischkonzern Post in Zukunft gut aufgestellt sei. Aus dem früheren Staatsbetrieb ist ein Konzern geworden, der Menschen (120 Millionen pro Jahr) und Güter (100 Millionen jährlich) bewegt, mit Geld (Kundengelder 80 Milliarden Franken) handelt und Briefe (5 Milliarden jährlich) transportiert. «Die Briefpost liegt nicht auf dem Sterbebett, wie immer wieder prophezeit wird. Aber klar, wir sind unter Druck der digitalen Anwendungen.» Auch im Bereich des Personals sind die Zahlen gewaltig. 60000 Personen besetzen rund 40000 Vollzeitstellen, davon arbeiten 7000 Personen im Ausland und 18000 Personen sind in den Randregionen der Schweiz im Einsatz.

Auch im Oberaargau ist die Post ein wichtiger Teil der Wirtschaft. Die 270 Mitarbeiter betreuen 46 Zugangspunkte wie Poststellen und 138 Briefkästen. Jährlich werden 50 Millionen Briefe und 1,1 Millionen Pakete transportiert. Das Kundenvermögen der 22000 Privat- und 2700 Geschäftskunden betrage 50 Millionen Franken. Für die KMU sollen in Langenthal und Herzogenbuchsee zusätzliche Berater tätig werden.

Post alimentiert den Bund

Hoch stehende Dienstleistungen seien für die Post oberstes Gebot. Als Kennzeichen dafür wertet Bucher die Kundenzufriedenheit, die auf einer Skala bis 100 momentan 80 Punkte betrage. Bei den Zustellungen erreichen die Sendungen in 98 Prozent aller Fälle den Kunden rechtzeitig. Er nehme Reklamationen sehr ernst und beantworte jede schriftliche persönlich, «aber dieser Wert ist beinahe nicht verbesserungsfähig». Und um zu zeigen, wie gut dieser Wert ist, legt Bucher einen drauf: «Damit sind wir europa- und weltweit Spitze.» Ein gutes Zeichen sei auch, dass die Post nicht auf fremde Gelder, also Steuergelder, angewiesen sei. «Im Gegenteil, letztes Jahr hat der Bund 200 Millionen Franken Dividende erhalten.»

Die Zukunft der Post hat viel mit der digitalen Welt zu tun. «Wir haben nicht nur physische Kompetenzen. Mit unseren rund 1200 Informatikern haben wir auch grosse Kompetenzen im elektronischen Bereich. Und wir geniessen Vertrauen.» Diese drei Komponenten versprechen eine gute Zukunft, die immer stärker hybrid werde. Physische und elektronische Leistungen werden verknüpft. Als Beispiel nennt Jürg Bucher die «Swiss Post Box» für unterwegs. Hier wird die Post beauftragt, die physische Sendung, etwa einen Brief, zu öffnen, zu scannen und per Mail aufs iPhone oder den Laptop des Auftragsgebers zu senden. Dieser kann jederzeit und überall auf seinen elektronischen Briefkasten zugreifen.

Oder ein anderes Beispiel sind die so genannten Apps für das iPhone. Diese ermöglichen das mobile Banking unterwegs. Innert kürzester Zeit seien die Apps von Post und Post Finance 50000-mal heruntergeladen worden. «Wir haben dadurch 13000 neue Kunden gewonnen», so Jürg Bucher.

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