Gleichstellung
Edgar Frey ist der neue Gleichstellungsmann im Kanton Zürich

Nach dem Eklat um den Männerbeauftragten Markus Theunert präsentiert die Fachstelle nun seinen Nachfolger Edgar Frey. Helena Trachsel, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung von Mann und Frau des Kantons Zürich, erklärt im Interview die Wahl.

Sandra Hohendahl-Tesch
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Edgar Frey. BP

Edgar Frey. BP

Er soll die Anliegen der Männer im Kanton Zürich vertreten - warum ist Edgar Frey der richtige Mann für diese Stelle?

Helena Trachsel: Edgar Frey ist von Haus aus Lehrer. Als Personalleiter eines international tätigen Industrieunternehmens setzt er sich laufend mit Themen rund um die Gleichstellung auseinander. Zum Beispiel wenn es um Löhne, Beförderungen und Rekrutierung von neuen Mitarbeitenden geht. Das war ausschlaggebend.

Die neue Funktion heisst nicht mehr «Männerbeauftragter», sondern «Projektleiter im Bereich Gleichstellung»? Eine Abschwächung der Position?

Die Bezeichnung Männerbeauftragter war ein Marketinginstrument. Wie wir heute wissen, hat es funktioniert. Nun wissen die Männer, dass sie eine Ansprechperson haben. Für die Nachfolge haben wir gezielt nach einem Projektleiter in Gleichstellungsfragen gesucht, nach jemandem, der mit Taten etwas bewegen will. Der Schwerpunkt der Arbeit von Edgar Frey liegt im Bereich Jungen, Väter, Männer, wo er die Zusammenarbeit mit Bildungsinstitutionen und Arbeitgebenden suchen wird.

Taten sind Ihnen lieber als Worte - mit seinen Äusserungen zur Pornografie hat der frühere Männerbeauftragte ja für negative Schlagzeilen gesorgt. Ist der Neue weniger vorlaut?

Die beiden sind nicht zu vergleichen. Markus Theunert war ein erfahrener Lobbyist. Ihm ist es gelungen, Männer überhaupt für die Arbeit der Fachstelle für Gleichstellung zu begeistern - was uns zuvor während 21 Jahren nicht gelungen war. Für seine Nachfolge gab es so auch sehr viele gute Bewerbungen, allerdings niemanden mit einem vergleichbaren, männerpolitisch profilierten Background.

Theunert nahm nach drei Wochen den Hut - was machen Sie, um den neuen Mann länger zu behalten?

Damit die Zusammenarbeit funktioniert, braucht es genau die Qualitäten, die Edgar Frey mitbringt. Als Personalverantwortlicher setzt er sich mit den Angestellten auseinander, wägt stets die Interessen von Mitarbeitenden und Arbeitgebern gegeneinander ab. Als Lehrer kennt er sich zudem mit Jugendlichen aus. Markus Theunert dagegen schaffte den Rollenwechsel nicht vom Präsidenten des Vereins männer.ch zum Mitglied im Team der Fachstelle. Nach nur 12 Tagen ist ihm die Äusserung über Pornografie in die Quere gekommen. Das war aber nicht das Problem. Ich wollte von ihm ein Commitment, ein klares Bekenntnis zu uns als Arbeitgeber. Er merkte, dass er das nicht wollte, und hat gekündigt. Dank der schnellen Klärung sind wir alle gestärkt daraus hervorgegangen.

Wie wird man den neuen Gleichstellungsmann wahrnehmen?

Mit konkreten Ideen und Projekten. Edgar Frey war zuletzt als Personalchef in der Industriebranche tätig. Er kennt die Berufswelt von jungen Menschen gut. Nach wie vor ist es so, dass Mädchen und Buben typische Berufe wählen. Seine Aufgabe wird es sein, Buben auch die mädchenspezifischen Berufe näherzubringen und sie an die Chancengleichheit heranzuführen. Wenn ein Mann sich an Buben und Väter wendet, hat das viel mehr Glaubwürdigkeit, als wenn das eine Frau übernimmt. Die Fachstelle für Gleichstellung soll Ebenbürtigkeiten schaffen - und nicht Ungleichheiten zementieren.

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