Finanzen
Die meisten Betreibungen in Zürich betreffen den Kreis 4

In der Stadt Zürich sind im vergangenen Jahr 118'731 Betreibungen erfolgt. Das waren 5,8 Prozent weniger als im Jahr zuvor, aber 10 Prozent mehr als vor zehn Jahren.

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Gemessen an der Bevölkerung am meisten Betreibungen, nämlich 63,4 Prozent, gab es im Multikulti-Stadtkreis 4.

Gemessen an der Bevölkerung am meisten Betreibungen, nämlich 63,4 Prozent, gab es im Multikulti-Stadtkreis 4.

Peter Siegrist

Die Zürcher Stadtammann- und Betreibungsämter stellten am Montag ihren Geschäftsbericht 2011 vor.

Gemessen an der Bevölkerung am meisten Betreibungen, nämlich 63,4 Prozent, gab es im Multikulti-Stadtkreis 4, am wenigsten (16,8) waren es im Nobel-Kreis 7. Über die ganze Stadt gerechnet waren es knapp 32 Prozent.

Interessant ist die anteilsmässige Entwicklung der Betreibungen historisch gesehen: Um 1900 wurden 39,5 Prozent der Zürcherinnen und Zürcher betrieben. Im Krisenjahr 1930 waren es 43,2 Prozent. In den Kriegs-, Nachkriegs- und Boomjahren sank der Anteil auf 16,6 Prozent (1970), um dann wieder anzusteigen.

Heikel: Auszug aus «Hotel Mama»

Eine im Hinblick auf eine mögliche Verschuldung und Betreibung heikle Lebensphase ist das Alter ab 22 Jahren, wie Bruno Crestani sagte. Er ist Stadtammann im Kreis 4 und Sekretär der Konferenz der Stadtammänner. Nach dem «Auszug aus dem Hotel Mama» bleibe leicht mal ein Briefumschlag liegen - Rechnungen, Mahnungen gingen unter.

Bei den 22- bis 26-Jährigen steigt der Anteil der Betreibungen laut Statistik denn auch in die zweistelligen Zahlen und liegt bei 11,15 Prozent. Ein paar Jahre noch, in denen sich ein Schuldenberg anhäuft - die 27- bis 31-Jährigen halten mit 15,25 Prozent Betreibungen den Rekord. Dann sinkt die Rate kontinuierlich, bis sie bei den 52- bis 56-Jährigen wieder im einstelligen Bereich (7,8 Prozent) ist.

Eine besonders einschneidende Massnahmen kann bei hohen Mietzinsschulden anstehen: Die Ausweisung aus der Wohnung. Im Berichtsjahr kam es 149 Mal (-117) dazu - ein Tiefststand seit zehn Jahren, wie Crestani sagte. Offenbar achteten die Mieterinnen und Mieter angesichts des Wohnungsmarktes vor allem auf die Bezahlung der Miete, auch wenn diese verglichen mit dem Lohn zu hoch werde.

Sorgen wegen Bundesabsichten

Sorgen machen sich die Zürcher Stadtammänner in Bezug auf Änderungen im Betreibungswesen, wie der Bund sie vorsieht. Einerseits sollten Betreibungsauskünfte nicht mehr nur aus den vergangenen drei, sondern auf fünf Jahre zurück erteilt werden. Das verbessere vorab die Stellung von Grossgläubigern wie Krankenkassen, verschlechtere aber jene der Schuldner.

Anderseits solle kein Nachweis mehr verlangt werden dürfen, ob jemand, der einen Betreibungsregisterauszug verlangt, auch wirklich im betreffenden Betreibungskreis wohnt. Wenn nicht, ist der Auszug ohnehin blank. Das gebe Missbräuchen Vorschub und «scheint uns wenig durchdacht», wie Crestani sagte.