Kulturnacht
Der erste Ortsbus ist zurück im Dorf

Die erste Ortsbahn von Langenthal, die 1948 ihren offiziellen Betrieb aufnahm, besucht heute die Kulturnacht. Gärtnermeister Ernst Häusermann von der Haldenstrasse 42a macht dies möglich.

Urs Byland
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Das von Ernst Häusermann erworbene Chassis kann von Interessierten restauriert werden. uby

Das von Ernst Häusermann erworbene Chassis kann von Interessierten restauriert werden. uby

Solothurner Zeitung

Ernst Häusermann hat das Chassis der speziellen Ortsbahn vor kurzem an der Strasse zwischen Oberdiessbach und Konolfingen zum Verkauf ausgestellt gesehen und zugegriffen. Die Erinnerung an den Sommer 1948, als er als 11-Jähriger diese Ortsbahn benutzte, sei sofort zurück gewesen, berichtet er.

Eine Hunderternote habe er hingeblättert, das Chassis auf einem Anhänger abtransportiert, und heute nun soll es die älteren Langenthalerinnen und Langenthaler an ihre Jugendzeit erinnern. Vor dem Choufhüsi wird es stehen und: «Vielleicht findet sich ja jemand, der diese Bahn restaurieren und wieder fahrtüchtig machen will», hofft Häusermann.

Mit Elektrofahrzeug unterwegs

In den Archiven dieser Zeitung ist die Geschichte der ersten Ortsbahn Langenthals nachzulesen. Schon im Sommer 1947 war das Elektrogefährt, das 24 Gästen Platz bot, in Langenthal mit 20 Stundenkilometer unterwegs. Zugfahrzeug war ein Dreiradwagen, angehängt ein Einachser.

Damals war vom «Landibähnli», einem Elektrofahrzeug, das an der Landesausstellung 1939 seine Dienste versah, die Rede. «Im Grunde genommen ist jedoch diese Benennung unzutreffend», schreibt das «Langenthaler Tagblatt» am 19. Juli 1947, «weil die von Herrn E. Geiser, Automobile, erworbene, aus der Landesausstellung stammende Komposition, welche jahrelang in Bad Ragaz sehr gute Dienste leistete, längst wieder verkauft wurde.» Wie der letzte Teil des Zitates aus dem Jahre 1947 zu verstehen ist, bleibt unklar. In aller Stille sei ein neues Verkehrsmittel mit vielen Änderungen und Verbesserungen entstanden, das vom ursprünglichen Modell wesentlich abweicht, wird weiter berichtet.

Ernst Häusermann ist sich aber sicher, dass die damals benutzten Chassis, es waren deren zwei, und damit auch das von ihm erworbene, an der Landi 39 benutzt wurden. Der Redaktor des «Langenthaler Tagblattes» schlug im Übrigen den Namen Langenthaler Ortsbahn (LOB) für den neuen Fahrbetrieb vor.

Ein Redaktor hatte die spassige Idee, die Ortsbahn mit «Schiffli» zu ergänzen.

Die Garage Geiser bot 1947 aber nur Fahrten auf Bestellung an. Das Konzessionsgesuch für einen regelmässigen Betrieb war bei der PTT noch hängig, weshalb man sich darauf beschränkte, Hochzeitsgesellschaften oder Vereine «zur Freude von Alt und Jung» auszuführen. Ein anderer Redaktor des «Langenthaler Tagblattes» hatte gar die spassige Idee, die Ortsbahn mit «Schiffli» zu ergänzen. «Nur so würde die lokale Personenbeförderung jederzeit und bei jedem Wetter gesichert sein.»

Am 25. März 1948 war es so weit. Der Gemeinderat bestätigte in einem Brief dem Regierungsrat den Erhalt des Konzessionsbescheides und befürwortete diesen. Ernst Geiser soll eine Konzession für die nächsten zehn Jahre erhalten. «Die Gemeinde behält sich das Recht vor, anstelle des Bundes die Verkehrsanlage auf eigene Rechnung zu übernehmen.»

Diese Vision blieb eine Vision. Wohl verkündete der «Ortsautobetrieb Langenthal» hochoffiziell auf dem Sommerfahrplan 1948 die Aufnahme seines Betriebes. Geiser bediente mit zwei Kompositionen – die Zweite wird von einem Jeep mit Benzinmotor gezogen – insgesamt vier Linien und schreibt im Fahrplan: «Der Fahrplan wird nach Möglichkeit, aber ohne Verbindlichkeit, eingehalten.» Nur: die Frequenz liess zu wünschen übrig. Bereits Ende 1949 wurde der Betrieb eingestellt.

«Das Bähnli wurde nach Kloten an den Flughafen verkauft, danach kam es zum Flughafen Belp, bevor es auf den Abbruch kam. Dann fand es ein Bauer, der das Bähnli an meinen Verkäufer weitergab», zählt Ernst Häusermann die Stationen des «Landibähnlis» auf.

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