Wiedlisbach
Bürger-Widerstand: Im Niderfeld gibts keine Industrie

Der Schrecken der 301 Bürger hat ein Ende. Im Wiedlisbacher Niderfeld, in der Nähe des Naturschutzgebiets Erlimoos, wird es keine Gewerbezonen geben.

Johannes Reichen
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Blick über das Niderfeld: In den nächsten Jahren wird hier nicht gebaut. Hanspeter Bärtschi

Blick über das Niderfeld: In den nächsten Jahren wird hier nicht gebaut. Hanspeter Bärtschi

Solothurner Zeitung

In der «Stellungnahme besorgter Bürger» an die Adresse der Gemeinde hatte es Ende März noch geheissen: «Mit Schrecken haben wir Ihren Plänen entnommen, dass Sie die attraktive Wohngemeinde Wiedlisbach in grossen Schritten, ohne die Folgen abzuschätzen, in eine Industriegemeinde umwandeln wollen.» 301 Personen hatten diesen Satz der «Bürgerinitiative» bis Anfang April unterschrieben.

Nun aber konnten sie aufatmen. «Wir sind erleichtert», sagte Mitinitiantin Simone Biedermann nach der Informationsveranstaltung zum Ortsplan, «wir haben unser Ziel erreicht.» Im Wiedlisbacher Niderfeld, in der Nähe des Naturschutzgebiets Erlimoos, wird es keine Gewerbezonen geben. Der Widerstand war zu gross gewesen. Arbeitszonen spielen in der aktuellen Ortsplanungsrevision keine Rolle mehr.

Strategie bleibt gleich

Vor rund drei Monaten hatten die Vorschläge des Gemeinderat, des zuständigen Planungsausschusses und des involvierten Planungsbüros hohe Wellen geworfen. Neben der Bürgerinitiative in der Mitwirkung im Frühling gingen weitere 63 Eingaben ein. Nicht alle waren negativ, der Tenor aber doch kritisch, die Tonlage zum Teil gehässig.

Jetzt haben die Verantwortlichen die Änderungen präsentiert. «Die wesentlichen Knackpunkte konnten wir bereinigen», sagte Gemeinderat Martin Allemann (FDP).

Überbauung in der Gerzmatt

Am Anfang der Ortsplanung stand das Leitbild «Profil», das die Entwicklung Wiedlisbachs in den nächsten Jahren vorgibt. Und die beruht auf einem Wachstum, damit die Gemeinde in den nächsten Jahren nötige Investitionen tätigen kann. «Durch den Verzicht auf die Industriezonen ändert sich unsere Strategie nicht», sagte Allemann. «Erste Priorität hat nach wie vor das Wohnen.»

Und dafür hat die Gemeinde die Gerzmatt im Blick, eine «Baugebietslücke» im Norden. Mit der ZPP Gerzmatt (Zone mit Planungspflicht) soll auf bis zu 1,9 Hektaren Land eine «einheitliche und qualitativ hoch stehende Wohnüberbauung» entstehen, die Platz für etwa 20 Wohneinheiten bietet. «Wir sind überzeugt, dass dieses Projekt eine Aufwertung und uns neue Steuerzahler bringt, die wird dringend nötig haben», sagte Allemann. «Ein Villen-Getto für Reiche war und ist hier aber nicht geplant», trat er entsprechenden Befürchtungen entgegen. Die Erschliessung soll über die Gerzmattstrasse erfolgen.

Weil es aber in Wiedlisbach schon genügend Baulandreserven gibt und mehr als der Kanton erlaubt, muss auch entsprechend Bauland aufgehoben werden. Der Plan der Gemeinde, einzelne Grundstücke privater Grundeigentümer in Grünraum- und Gartenzonen (was dem aktuellen Zustand entspräche), umzuwandeln, stiess auf derart grossen Widerstand, dass auch hier Änderungen vorgenommen wurden. Nach den Gesprächen konnte sich nur ein Teil der Betroffenen mit einer Umzonung abfinden; bisher gibt das 1,5 Hektaren.

Wo aber konkrete Bauabsichten bestehen, gibt es keine Umzonung. «Diese Eigentümer verpflichten sich, in den nächsten Jahren zu bauen», sagte Planer Daniel Ott. Die individuellen Vereinbarungen sehen Fristen von um die acht bis zehn Jahre vor.

Es gibt aber auch Eigentümer, die weder eine solche Verpflichtung noch eine Umzonung akzeptieren. «Da sind Einzelinteressen im Spiel. Dafür werden wir eine Lösung suchen müssen», sagte Gemeinderat Martin Allemann. «Aber wir sind auf gutem Weg.»

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