Gisler
Bruno Gisler: Der «multikulti» Eidgenosse - oder der beste Papa der Welt

Der Rumisberger Bruno Gisler will seinen vierten Platz von Aarau in Frauenfeld bestätigen Ländlerfreund, urchig und doch multikulturell: Bruno Gisler (27). Wenn er nicht gerade schwingt, ist er am liebsten zu Hause und spielt mit den Kindern. «Ich werde in Frauenfeld das beste Fest der Saison zeigen», sagt er.

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Michael Lüthi

Er ist in Luzern geboren, im zürcherischen Wernetshausen aufgewachsen, vor fünf Jahren in den Oberaargau nach Rumisberg gezogen und steigt seither für den Schwingklub Solothurn in den Sägemehlring. Welches ist denn eigentlich seine Heimat? Er überlegt lange, grübelt nach. «Ich kann keine schlüssige Antwort geben. Denn ich fühle mich an all diesen Orten daheim. Das merkt man auch meiner Sprache an. Es ist ein Kreuz und Quer», sagt Bruno Gisler. Er sei eben viel rumgereist. «Ich bin hat multikulti, das ist so.»

Der Industriemechaniker (80 Prozent) und Landwirt ist aber auch ein bodenständiger Typ. Er mag Ländlermusik - kein Wunder. Denn drei seiner fünf Schwestern gaben mit dem «Echo vom Loorenhof» zwei volkstümliche CDs raus. Das Allerwichtigste im Leben des Spitzenschwingers ist seine Familie.

Der beste Papa der Welt
Mit Gattin Eveline hat er zwei Kinder: Timo (19 Monate) und Aurelia (2 Monate). Die kleine Aurelia hält der 1,90 m grosse Hühne während dem ganzen Gespräch auf seinen starken Armen. Immer wieder flüstert er dem Baby Nettigkeiten ins Ohr. Bruno Gisler, der sanfte Riese.

Mit der Geburt der beiden Sprösslinge haben sich seine Prioritäten etwas verschoben. «Schwingen ist nicht mehr immer die Hauptsache in meinem Leben», sagt er. Klar habe der Sport immer noch einen hohen Stellenwert und so müsse die Familie manchmal auch hinten anstehen. «Ich gehe immer noch mit dem gleichen Elan dahinter. Aber es ist schon anders, als damals als ich noch keine Kinder hatte.» Und so nutzt er auch jede freie Minute, um sich um seine Kids zu kümmern. «Ich bin nicht der Ausgänger und spiele lieber mit dem Nachwuchs mit Legos.»

In knapp zwei Wochen, wenn der Papa in Frauenfeld beim Eidgenössischen um Ruhm und Ehre schwingt, kommt die Familie dann nur an zweiter Stelle. Bruno Gisler ist gerüstet für den Saisonhöhepunkt, für sein viertes Eidgenössisches.

Bruno Gisler will Rang vier toppen
Vor drei Jahren in Aarau holte er sich mit dem vierten Platz seinen bisher einzigen Kranz. «Ich will dieses Resultat in Frauenfeld bestätigen. Die Top 4 sind für mich ein erreichbares Ziel.» Es sei für ihn in dieser Saison stetig bergauf gegangen.

Wie ein heftiges Gewitter prasselte das Eichenlaub auf Gisler nieder. Er holte beeindruckende acht Kränze - das gelang in der Nordwestschweiz nur noch drei anderen Schwingern. Und Gisler ist zuversichtlich, dass er in Frauenfeld zum grossen Wurf ansetzen kann: «Ich werde dort das beste Fest der Saison abliefern.»

Die Vorfreude auf den Megaevent im Thurgauischen ist gross. «Nur schon, wenn ich mir die Festarena vorstelle, motiviert mich das gewaltig», sagt er. Der Einmarsch am Samstag werde für viel Hühnerhaut sorgen. «Ich stelle mir das so vor, wie wenn die Schweizer Fussball-Nati zu einem grossen Spiel in ein Stadion einläuft. Mich wird die riesige Kulisse anstacheln - ich werde das in Kraft umwälzen.»

Wenns in Frauenfeld in den Ring geht, dann wird sogar der sanfte Riese Bruno Gisler zu einem ganz «Bösen».