Brief von Klaus Zaugg: Sehr geehrter Herr Brennwald

Aus den Medien, den gedruckten und gesendeten, habe ich immer wieder entnommen, dass es zwischen Ihnen und Roger Federer gewisse Spannungen gibt. Das beschäftigt mich. Schliesslich haben Sie mit den Swiss Indoors als Macher und Roger Federer als Spieler Grosses geleistet. Zusammen mit Roger Federer könnten Sie sozusagen die Welt erobern.

Klaus Zaugg
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Ich habe bisher immer gedacht, die leichte Trübung der Harmonie zwischen zwei der grössten Basler Alphatieren der Zeitgeschichte sei unvermeidlich. Zu gross das Ego hier, zu gross das Ego da. Aber möglicherweise habe ich mich getäuscht. Soeben erlebe ich Federer als Zaungast beim Davis-Cup-Final als äusserst teamfähig, ja geradezu handzahm.
Sie glauben ja gar nicht, wie sich Federer in ein Team integrieren kann. Alles für die anderen, nichts für ihn. Ach, Sie hätten etwa die Medienkonferenz nach seiner Niederlage gegen Gaël Monfils erleben sollen! Wie er da den Gegner gerühmt hat. Wie er seiner Freude über den vorangegangenen Sieg von Stan Wawrinka über Jo-Wilfried Tsonga Ausdruck gab. Und er erklärte deutsch und deutlich, dass er jede Rolle akzeptiere, die dem Davis-Cup-Team helfen könne. Captain Severin Lüthi, der da neben ihm sass, erklärte sogar, er werde die letzte Entscheidung treffen, wer im Doppel spielen werde. Wenn ich das richtig verstanden habe, hat also Lüthi entschieden, dass Federer das Doppel spielte und Roger hat sich dem Befehl unterworfen.
Ich habe Federer als bescheiden erlebt. Bescheidenheit ist ja eine Verhaltensweise von Menschen, die wenig von etwas für sich beanspruchen, selbst dann, wenn die Möglichkeit der Vorteilnahme besteht, und die zugunsten anderer auf etwas verzichten. Es ist für mich nachdem, was ich soeben erlebt habe, unvorstellbar, dass es beispielsweise zwischen Federer, seinem Management und Ihnen zu Meinungsverschiedenheiten beispielsweise über Geld kommen könnte.
Na ja, ich gebe zu, dass ich mit dem Wesen und Wirken von Roger Federer nicht so gut vertraut bin. Ich habe auch schon gehört und im Leben erfahren, dass es manchmal einen Unterschied gibt zwischen dem, was uns jemand erzählt, wie jemand in der Öffentlichkeit auftritt und der Art und Weise, wie tatsächlich gelebt und geschäftet wird. Sollte das bei Federer der Fall sein, dann wünsche ich Ihnen beim Geschäften mit ihm gute Nerven, viel Geduld und die Einsicht, dass Roger Federer der Grösste Basler aller Zeiten ist und bleibt. Ob Sie wollen oder nicht: Der Roger wird, was immer auch vorfallen mag, immer als Sieger dastehen. Selbst dann, wenn Sie im Recht sein sollten.
Mit freundlichen Grüssen
Klaus Zaugg
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