Zürich
Bevor er in die Sihl stürzte: LKW-Chauffeur hat nicht gebremst

Die Ursache des LKW-Unfalls an der Sihlhochstrasse ist weiterhin ungeklärt. Die Bremsen hätten funktioniert, sagt der zuständige Staatsanwalt, der Fahrer habe sie einfach nicht benutzt.

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Ein Lastwagen stürzt bei Zürich-Brunau in die Sihl
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Einsatzkräfte vor Ort in Zürich-Brunau
Ein 51-jähriger Chauffeur fuhr gegen 15.45 Uhr mit seinem Lastwagen auf mehrere Fahrzeuge auf. Anschliessend rollte der Lastwagen auf das Brückenende zu, durchschlug eine Mauer und stürzte rund 25 Meter in die Tiefe.
Das blinde Autobahnende in Zürich Brunau - hier hört die Autobahn einfach auf. Die geplante Fortsetzung wurde nämlich nie gebaut.
Der Lastwagenfahrer durchbrach den Betonsockel und die Leitplanke des Autobahnausläufers.
Das blinde Autobahnende, das der Lastwagen durchbrochen hatte. Von der Sihl aus gesehen.
Nebst der Kantonspolizei Zürich stand die Stadtpolizei Zürich, die Berufsfeuerwehr Zürich, die Stützpunktfeuerwehr Horgen und Schutz&Rettung mit der Grossraumambulanz sowie Rettungsdienste von diversen Spitälern im Einsatz. Zudem werden mehrere Spezialisten beigezogen.
Der Lastwagenfahrer ist auf mehrere Autos aufgefahren. Insgesamt wurden 11 Personen verletzt.

Ein Lastwagen stürzt bei Zürich-Brunau in die Sihl

Johannes Dietschi, newspictures

Gegen den 37-jährigen LKW-Chauffeur, welcher am 29. Februar den Unfall an der Sihlhochstrasse verursachte und in die Sihl stürzte, läuft ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung. Insgesamt sechs Fahrzeuge wurden vom Lastwagen erfasst. Neben dem Chauffer, der mit Beinverletzungen ins Spital eingeliefert wurde, erlitten zehn weitere Autofahrer Verletzungen.

Weshalb es zum Unfall kam, ist weiterhin unklar. Gemäss Staatsanwalt Markus Fasano wird nach dem Ausschlussprinzip vorgegangen. Der Chauffeur sei weder unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln gewesen, wie ein toxikologisches Gutachten zeigte, noch habe er unzulässig lange am Steuer gesessen.

Auch ein technischer Defekt am Lastwagen sei nicht vorhanden gewesen. «Der Lastwagen war in Ordnung, die Bremsen hätten funktioniert, wenn gebremst worden wäre – aber es wurde nicht gebremst», sagt Fasano zum «Tagesanzeiger».

Chauffeur fuhr einfach weiter

Denn der Chauffeur sei nach der Kollision einfach weitergefahren, ohne zu bremsen und habe so das Mäuerchen durchbrochen, um danach in die Sihl zu stürzen. Obwohl die Staatsanwaltschaft sich nicht dazu äussern wollte, ist ein Motiv wie Fahrerflucht nicht auszuschliessen, wie der «Tagesanzeiger» schreibt.

Der Chauffeur habe den vermeintlich offenen Weg auf dem Brückenstummel genommen, nachdem er durch die Kollision aufgeschreckt war. Es sei davon auszugehen, dass dem ortsunkundigen Chauffeur nicht bewusst war, dass die von ihm gewählte Fahrspur nur wenige Meter weit führt und dann in luftiger Höhe abrupt endet.

Obwohl der Chauffeur dies bestreitet, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der 37-Jährige eingenickt oder abgelenkt war, als er auf die stehende Autokolonne auffuhr.

Von den zehn weiteren verletzten Unfallopfern haben zwei Strafanzeigen eingereicht. Bis Ende Mai bleibe Zeit, weitere Anzeigen zu erstatten. Für die Kosten der Brückenreperaturarbeiten, die noch diese Woche beginnen, muss der Chauffeur beziehungsweise dessen Versicherung aufkommen.