Hobbysport
Bei «Fussball im Park» kicken die Spieler wie früher auf dem Pausenplatz

Zwei Berner gründeten «Fussball im Park», um das Spiel der Spiele in seiner ursprünglichsten Form zu pflegen. Was es dazu braucht? Vier Rucksäcke, mindestens acht Spieler und die wohl schönsten Stadien Zürichs.

Florian Niedermann
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Fussball im Park
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Die beiden Rucksäcke markieren das Tor.
Auf Fussballschuhe wird verzichtet, das sei «Ehrensache».

Fussball im Park

zvg

Als Patent-Ochsner-Frontmann Büne Huber kürzlich in einem TV-Interview über den Fussball hergezogen und ihn einen uniformen «Pussy-Sport» gescholten hat, kann er sie nicht mitgemeint haben: die 12 Teams der wohl authentischsten Fussballliga der Schweiz, «Fussball im Park». Ab heute Abend treffen sie sich wieder wöchentlich auf Zürcher Grünanlagen, um das Spiel der Spiele in seiner ursprünglichsten Form zu pflegen. Was es dazu braucht? Vier Rucksäcke für die Tore, zwei Teams aus mindestens vier Spielern und einen Ball. Das wars. Kein Verein, keine Trikots, keine Stollenschuhe. «Der Verzicht auf Fussballschuhe ist bei uns Ehrensache», sagt Laurent Müller. Es sei aber auch Ausdruck des Respekts gegenüber Grün Stadt Zürich, das die Parks pflegt.

2008 gründete Müller «Fussball im Park» zusammen mit Olivio Donati, mit dem er in Bern aufgewachsen ist. Ihre Idee: wieder Fussball zu spielen, wie früher auf dem Pausenplatz oder in der Badi – und das Ganze völlig kostenlos. In ihrem Bekanntenkreis formierten sich bald sechs Teams, die sich je eine städtische Parkanlage als Heimstadion aussuchten und sich einen Namen gaben, der an diesen Ort verweist. So spielte in der ersten Saison etwa «Neumünster 08» (Wiese bei der Neumünsterkirche) gegen «Kasernenknast» (Kasernenwiese) oder «Orient» (Chinawiese).

Seither sind immer mehr Teams dazugekommen. Heute kämpfen 12 Mannschaften in je einer Hin- und einer Rückrunde um die Meisterschaft. Nach jedem Spiel trägt der Kapitän des Heimteams das Resultat auf der Liga-Website ein, so ist die Tabelle immer auf dem aktuellen Stand. Wer am Ende der Saison die meisten Punkte auf dem Konto hat, gewinnt nicht etwa einen Pokal, sondern die Verpflegung beim Saison-End-Barbecue auf dem Siegerpark. Dort sitzen Spieler aller Teams zusammen und lassen bei einer gepflegten Wurst das Bier fliessen.

Ein Spiel auch gegen das Terrain

Bei den Matches sind die Mannschaften nicht nur durch den Gegner, sondern auch durch die «Stadien» gefordert: So müssen Spielzüge auf dem Neumünster etwa um Bäume herumgezirkelt werden, andere Pärke weisen Steigungen auf. «Jedes Terrain hat seine Eigenheiten», sagt Müller, «das macht aber auch den Charme aus.» Dass die Männer und Frauen (ja, im Park wird gemischt gespielt) keine «Pussy»-Sportler im Sinne Büne Hubers sind, zeigt auch, dass die Liga-Spiele trotz des Plauschcharakters bei jedem Wetter stattfinden. Das habe schon zu legendären «Wasserschlachten» geführt, sagt der Gründer: «Einmal regnete es bei einem Match im Belvoir-Park so heftig, dass nach dem Ende alle völlig verdreckt und nass ins Tram stiegen.» Allein die Erinnerung daran lässt Müllers Augen leuchten.

Eine weitere Eigenheit der «Fussball im Park»-Liga: Auf jedem Terrain gelten andere Regeln – weder Spielfeldgrösse noch Spieldauer sind vorgegeben. Das Heimteam bringt den Ball und setzt die Pfosten, «der Rest ist Verhandlungssache», heisst es auf der Website. «Meist wird erst ausdiskutiert, wie ‹hoch› das Tor ist, oder ob auch hinter dem Goal durchgespielt werden darf», erklärt Müller. Ähnlich dem Streetball-Modus bei den Basketballern gibt es auch beim Parkfussball weder Schiris noch Linienrichter.

Interveniert wird im Kollektiv

Den Gründern ist es ein grosses Anliegen, dass die Spiele möglichst wenig reglementiert werden – damit Spass und Fairness nicht der Verbissenheit weichen. Diese Maxime betone er beim alljährlichen «Captains-Meeting» mit den Anführern der Mannschaften jeweils, sagt Müller: «Wir sind darauf bedacht, dass unsere Liga sich nicht zu sehr professionalisiert.»

Doch was, wenn sich doch Anzeichen dafür bemerkbar machen? Als Organisator zu intervenieren, liegt Müller fern, wie er sagt. Wenn, dann geschehe dies in medias res. Für die älteren Teams seien beispielsweise Mannschaftstrikots immer tabu gewesen, sagt er. Schliesslich kenne jeder jeden und sollte die Spieler auf dem Platz problemlos dem eigenen oder gegnerischen Team zuordnen können. Als sich in den letzten Saisons einzelne Konkurrenten dann aber einheitliche Shirts besorgten, sahen sich andere Mannschaften zum Handeln gezwungen: In den darauffolgenden Spielen zogen sie sich Leibchen in den Farben der «Uniformierten» über. «Zuerst fand diese Teams das schon nicht so lustig. Sie trugen es dann aber auch mit Humor», sagt Müller augenzwinkernd.

Zwar gibt es in Zürich noch verschiedene Parks, die von neuen Mannschaften beansprucht werden könnten. Vorschläge wie «Needle-Park United» (Wiese beim Platzspitz) oder «Borussia Bäcker Boys» (Bäckeranlage) würden aber auf taube Ohren stossen. Mit 12 Teams gelange die Liga an ihre Grenzen, sagt Müller: «Sonst kämen wir während der Sommermonate nicht mit allen Spielen durch.» Wer bei den Park-Tschüttelern mittun will, kann dies aber dennoch tun: Drei Teams suchen derzeit noch nach Mitspielern.

Als Einstiegshilfe organisieren die Macher der «Fussball im Park»-Liga heute Abend einen «Pre-Season-Kick» auf der Bullingerwiese im Kreis 4. Er beginnt um 18.30 Uhr. Weitere Informationen finden Sie auf www.fussballimpark.ch