Biberist/Gerlafingen/Lohn-Ammannsegg
Beat Hänggi: Pfarrer, Gleitschirmpilot und Pietist

Die Reformierte Kirchgemeinde Biberist-Gerlafingen-Lohn-Ammannsegg erhielt gestern mit Beat Hänggi einen neuen Pfarrer.

Gundi Klemm
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Pfarrer Hänggi bei seinem Antrittsgottesdienst in der Lukaskirche in Lohn Ammannsegg.

Pfarrer Hänggi bei seinem Antrittsgottesdienst in der Lukaskirche in Lohn Ammannsegg.

Michel Lüthi

«Prüfet alles, das Gute aber behaltet.» Diese Worte aus dem Neuen Testament ziehen sich wie ein roter Faden durch das Leben von Beat Hänggi. Seit dem 1. Oktober ist er zu 100 Prozent in der Reformierten Kirchgemeinde angestellt und wird hauptsächlich für Biberist-Nord und Lohn-Ammannsegg zuständig sein. Damit wird er Nachfolger von Dorothea Neubert.

Er sei ein Generalist, sagt er, der sich mit Freude allen Bereichen der pfarramtlichen Gemeindearbeit widme: Das pralle Leben, also mit Gottesdiensten, Taufen, Seelsorge und eben auch Beerdigungen. Dazu zähle ebenso eine Konfirmandenklasse und der Religionsunterricht der Achtklässler. Nach 11,5 Jahren, die er als Pfarrer im aargauischen Küttigen/Biberstein gewirkt hat, suchte er eine neue Aufgabe. Bei drei Kirchgemeinden hatte er sich beworben und wurde auch zu Gesprächen eingeladen.

Nähe zum Weissenstein ist zusätzlicher Pluspunkt

«Die Kirchgemeinde Biberist-Gerlafingen machte auf mich einen sympathischen Eindruck.» So habe er seine Wahl durch den Kirchgemeinderat gerne angenommen habe. Ein Grund bestand im guten Ratsklima, dem Team der Mitarbeitenden und in den zahlreich engagiert beteiligten Freiwilligen, die er als «kostbares Gut» der Kirchgemeinde bezeichnet und die es zu unterstützen gelte. Als Zweites bekennt er lachend, dass die Nähe zum Weissenstein ihn zusätzlich zur Zusage bewogen habe. Denn seit acht Jahren ist er passionierter Gleitschirmpilot, der Gelände und Thermikbedingungen am Solothurner Hausberg besonders schätzt.

Auch wenn der aus Büsserach stammende Schwarzbube mit seinem beruflichen Wechsel in den Kanton Solothurn zu seinen Wurzeln zurückkehrt, ist ihm nach langen ausserkantonalen Tätigkeiten seit 1998 vieles in der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn noch nicht so geläufig. Er habe einen Nachholbedarf im regionalen und lokalen Kolorit, meint er lächelnd. «Ich werde mich aber bald zurechtfinden», sagt er, vermeidet indes, sich zum aktuellen kircheninternen Projekt «Vision 21» zu äussern. Er habe natürlich darüber gelesen, wolle sich aber zuerst ein eigenes Bild verschaffen.

Dass der kantonale Finanz- und Lastenausgleich für Kirchgemeinden reduziert werde, führe vermutlich zu weiteren Sparanstrengungen. Darunter, so hofft der neue Pfarrer, werde das grundlegende Angebot nicht leiden. Da es «die Gemeinde» als Gruppierung mit einheitlichen, «gleichgeschalteten» Bedürfnissen nicht gebe, verstehe er Individualisierung durchaus als positiven Aspekt, der die kirchliche Arbeit bereichere. «Es macht mir Freude, mit Menschen unterwegs zu sein.» Vor allem aber wolle er dazu beitragen, dass die Kirche ihren Stellenwert in der Gesellschaft behalte. Denn ohne Anpassung an die gesellschaftlichen Gegebenheiten gebe es kein Überleben, sagt Hänggi. Auf die Frage, wie er denn die Krise in der obersten Kirchenleitung der Schweiz sehe, drückt er sein tiefes Bedauern über dieses «Drama» aus. «Mich beschämt’s.»

Mit Empathie und Herzensfrömmigkeit

Er würde sich selbst als Pietisten bezeichnen, damit knüpft er an eine Bewegung innerhalb der evangelischen Kirchen an, die seit dem 17. Jahrhundert Herzensfrömmigkeit und Nächstenliebe in den Mittelpunkt stellte und sich vor allem an der Bibel orientierte. Als Zwanzigjähriger habe er sich im Kontakt mit freikirchlich denkenden jungen Menschen ein Neues Testament gekauft, es mit Faszination gelesen und hier wesentliche Glaubenserfahrungen gemacht. «Die Bibel hat mir eine neue Welt erschlossen», erinnert sich Hänggi, der als Neffe von Bischof Anton Hänggi katholisch aufgewachsen und geprägt war. Viele familieninterne Diskussionen begleiteten seine, wie er sie nennt, «Evangelische Wende». Aber die katholische Vergangenheit bleibe wichtig für ihn.

Wachsen lassen und fördern

Der gebürtige Büsseracher Beat Hänggi fügte an seine Bezirksschulzeit in Breitenbach eine Gärtnerlehre an. «Ich war sehr schulmüde, weil ich als Legastheniker kaum Verständnis und Unterstützung fand», begründet er seinen nicht-akademischen Eintritt in die Berufswelt. Er lernte aber sehr schnell, sich nicht auf Schwächen, sondern auf seine Stärken zu fokussieren. Nach der RS als Sanitätssoldat, Arbeit in Genf und später in Neuenburg schloss er eine Weiterbildung als Baumschulist an. Bedingt durch seine persönliche Auseinandersetzung mit Glaubensfragen besuchte er das Prediger-Seminar St. Chrischona bei Basel. Danach studierte er Theologie an der Kirchlichen Hochschule Basel. Als Vikar ging er nach Muttenz und von dort für elf Jahre in seine erste Anstellung in Kilchberg-Rünenberg-Zeglingen im Kanton Aargau. 2009 fand der Wechsel nach Kirchberg AG statt, bestehend aus den Dörfern Küttigen und Biberstein.