Affoltern am Albis
Bauernverbands-Kader wegen Tierquälerei vor Gericht

Ferdi Hodel, Pferdezüchter und Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbandes, steht am kommenden Dienstag vor dem Bezirksgericht Affoltern am Albis. Er ist wegen Tierquälerei angeklagt. Hodel bestreitet die Vorwürfe.

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Das Pferd wollte nicht in den Transporter und wurde daraufhin mit Gewalt dazu gezwungen (Themenbild).

Das Pferd wollte nicht in den Transporter und wurde daraufhin mit Gewalt dazu gezwungen (Themenbild).

Keystone

Zusammen mit seiner Frau und einer Helferin soll Hodel ein Pferd beim Verladetraining derart schlecht behandelt haben,, dass es danach eingeschläfert werden musste.

Über vier Stunden dauerte im März 2012 das Verladetraining mit "Saten", einem Pferd aus Hodels Zucht. Der 49-Jährige hatte das Tier kurz zuvor verkauft. Die neuen Besitzerinnen beschwerten sich jedoch, weil es sich gegen den Transporter sträubte.

Mit einem Training sollte dem Pferd die Angst genommen werden. Da sich "Saten" aber wenig kooperativ zeigte, banden ihm Hodel und seine Helferinnen nach einiger Zeit die Hinterbeine mit überkreuzten Longen fest und schlugen es mit Peitsche und Besen auf die Kruppe.

Schwere Rückenverletzungen

"Saten" gab irgendwann nach und bewegte sich in den Anhänger - allerdings nur um sofort zu versuchen, sich in Panik unter der Querstange des Transporters hindurchzudrücken. Weil die Verankerung ausriss, gelang ihm die Befreiungsaktion zwar. Durch den Druck der Metallstange verletzte sich das Tier aber schwer am Rücken.

Gemäss Anklage erlitt "Saten" mehrere Brüche an der Wirbelsäule, weshalb sich sein Zustand in den Wochen nach dem Training laufend verschlechterte: Das einst liebenswürdige und anhängliche Tier wurde aggressiv und liess niemanden mehr an sich heran. Zweieinhalb Monate später mussten die neuen Besitzerinnen das Pferd einschläfern.

Anklage fordert bedingte Geldstrafen

Die Besitzerinnen sind überzeugt, dass Hodel und seine Helferinnen für die Verletzungen verantwortlich sind. Sie zeigten sie wegen Tierquälerei an. Die Staatsanwaltschaft gelangte zur Überzeugung, dass die drei Pferdesachverständigen das Tier unnötig gestresst und Verletzungen in Kauf genommen hätten.

Hodel soll gemäss Anklageschrift mit einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 300 Franken sowie einer Busse von 6500 Franken bestraft werden. Die Probezeit soll zwei Jahre betragen.

Die Helferinnen sollen ebenfalls mit je 120 Tagessätzen bestraft werden, aber zu tieferen Tagessätzen, weil ihr Vermögen kleiner ist. Hodel streitet die Vorwürfe ab und fordert einen Freispruch.

Der Pferdezüchter ist seit Mitte 2008 Geschäftsführer des Bauernverbandes. Sein Vorgänger war der heutige Bundesrat Ueli Maurer (SVP). Hodel sitzt zudem im Gemeinderat Volken, wo er für Forst, Landwirtschaft, Polizei und Umwelt verantwortlich ist.

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