Wiedlisbach/Wangen a/A
Arbeitsszone im Wiedlisbachmoos nicht landschaftsverträglich?

Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz übt Kritik: Das geplante Grossprojekt im Wiedlisbachmoos sei nicht landschaftsverträglich - und überhaupt ein «Anachronismus»

Johannes Reichen
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Das Wiedlisbachmoos liegt unmittelbar neben dem Autobahnanschluss Wangen-Wiedlisbach. zvg

Das Wiedlisbachmoos liegt unmittelbar neben dem Autobahnanschluss Wangen-Wiedlisbach. zvg

Solothurner Zeitung

Der Kanton Bern und die Gemeinden Wangen a/A und Wiedlisbach haben mit dem Wiedlisbachmoos grosse Pläne. Auf schnellem Weg soll dort ein Grossprojekt mit hoher Wertschöpfung, etwa ein Businesspark, entstehen können. Um das 23 Hektaren grosse Gebiet für Investoren bei Bedarf rasch zur Verfügung zu stellen, haben sie dafür eine Planungsvereinbarung unterzeichnet. Dies wurde vergangene Woche bekannt.

Erster Widerstand kommt nun von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL). Eine solche Arbeitszone sei «nicht landschaftsverträglich», schreibt sie in ihrem gestrigen Communiqué. Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der Stiftung, wähnt sich mit dieser Meinung in guter Gesellschaft. Für ihn ist die Absicht der kantonalen und kommunalen Behörden ein «Anachronismus»: Die Akzeptanz von Grossprojekten sei in der Bevölkerung nicht mehr gross, das Thema Raumplanung sei – etwa wegen der Landschaftsinitiative, die sich gegen die Zersiedelung richtet und für den Erhalt von natürlichen Lebensräumen ausspricht – in aller Munde.

«Verlust von Kulturland stoppen»

«Wir reden ständig davon, wie man den Verlust von Kulturland stoppen könnte», sagt Rodewald auch, «und nun kommt dieser Vorschlag.» Das ist für ihn unverständlich. Zumal für die SL angesichts des aktuellen Bau- und Wirtschaftsbooms kein Bedarf an neuen grossen Gewerbezonen besteht. «Die Notwendigkeit eines solchen Gewerbegebiets erscheint mir sehr rätselhaft», sagt Rodewald und erinnert auch an vergangene gescheiterte Grossprojekte wie etwa das einer Grosssägerei in Müntschemier im Seeland.

Solche Beispiele gibt es auch am Jurasüdfuss. Die Gemeinde Niederbipp lehnte kürzlich die Ansiedlung der Firma Bell ab; der Erhalt von Kulturland war ein schlagendes Argument. Aus dem gleichen Grund wurde in Wiedlisbach eben Abschied genommen von der Idee, eine neue Arbeitszone im südlichen Teil der Gemeinde zu schaffen. Der Widerstand in der Bevölkerung war zu gross.

Verdichtung statt Ausdehnung

Die SL nun sähe eine Verdichtung der Gewerbezonen im Raum Niederbipp/Oensingen lieber als eine Ausdehnung gegen Westen. Das Wiedlisbachmoos diene als Grünpuffer zwischen dem Städtchen Wangen sowie der Aare und dem Wald; ein Grossprojekt würde das Ortsbild Wangen «massiv beeinträchtigen».

Und schliesslich sei unklar, wie das verschwundene Ackerland kompensiert werden könnte, sagt Raimund Rodewald. «Wir werden Fragen stellen.»

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