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100 000 Franken für 20-Prozent-Job

VR-Präsident Anton Affentranger über die Berufung von Moritz Leuenberger in den Verwaltungsrat des Baukonzerns Implenia.

Sven Millischer
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VR-Präsident Anton Affentranger (Implenia)

VR-Präsident Anton Affentranger (Implenia)

Wie ist der Kontakt zu Moritz Leuenberger zustande gekommen?

Anton Affentranger: Als er seinen Rücktritt aus dem Bundesrat bekannt gab, ist die Idee aufgekommen. Der erste persönliche Kontakt nach seiner Demission hat dann eine Drittperson eingefädelt.

Und wie hat Leuenberger auf Ihre Anfrage reagiert?

Herr Leuenberger hat auf Anhieb Interesse signalisiert. Im November haben wir dann mehrere Gespräche geführt.

Mussten Sie Überzeugungsarbeit leisten?

Schauen Sie, Implenia arbeitet derzeit intensiv an der Nachhaltigkeit. Herr Leuenberger ist seit Jahren ein glaubwürdiger Verfechter dieser Thematik. Auch verfügt er in Europa über ein hervorragendes Netzwerk im Bereich Infrastruktur. Beide Themen interessieren ihn und sind gleichzeitig für uns als Unternehmen matchentscheidend.

Mit anderen Worten, Moritz Leuenberger muss für Implenia im Ausland den Türöffner spielen.

Ich erwarte nicht von Herrn Leuenberger, dass er für Implenia Aufträge beschafft. Das ist in keinem Unternehmen die Aufgabe des Verwaltungsrates. Vielmehr geht es darum, dass Herr Leuenberger in strategischen Diskussionen im Verwaltungsrat sein Fachwissen im Bereich der nachhaltigen Entwicklung einbringt...

...und entsprechende Kontakte vermittelt.

Natürlich ist Herrn Leuenbergers Kontaktnetz kein Nachteil. Dieser Umstand war aber nicht ausschlaggebend.

Der Zeitpunkt der Berufung überrascht, so kurz nach seinem Rücktritt als Bundesrat. Gab dies zu Diskussionen Anlass?

Herr Leuenberger wird ja frühestens im nächsten April ins Amt gewählt. Aber wenn wir im Verwaltungsrat einen solchen Entscheid fällen, dann müssen wir diesen sofort kommunizieren.

Versucht Implenia mit der Berufung, vom grünen Image des ehemaligen Uvek-Vorstehers zu profitieren?

Darum geht es nicht. Implenia hat schon vor der Berufung Leuenbergers eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Ich suche nicht das grüne Image, sondern brauche entsprechendes Know-how. Und das kann Moritz Leuenberger der Implenia bieten.

Nachhaltigkeit ist ein grosses Wort. Was heisst das konkret?

Baut Implenia eigene Projekte, dann halten wir uns an stringente Nachhaltigkeitskriterien. Diese beziehen sich sowohl auf ökologische, wirtschaftliche wie auch gesellschaftliche Aspekte.

Welche die Implenia selber definiert.

Es handelt sich dabei um objektive Kriterien wie eine Obergrenze beim CO2-Ausstoss. Wir suchen dabei immer den Ausgleich zwischen Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft.

Etwa 60 Prozent Ihrer Aufträge stammen von der öffentlichen Hand. Wird hier Implenia vom Netzwerk eines ehemaligen Bundesrates profitieren können?

Die Zeiten, in denen man Aufträge aufgrund von persönlichen Beziehungen erhielt, sind definitiv vorbei. Zudem muss man sehen, dass Herr Leuenberger schon als Bundesrat keinen Einfluss auf die Vergabepraxis hatte.

Wie viel wird Leuenberger bei der Implenia verdienen?

Der Verwaltungsrat tagt zirka achtmal im Jahr. Zur Vorbereitung wird er wohl einen Tag in der Woche für das Mandat arbeiten, was einem 20- Prozent-Pensum entspricht. Dafür stehen ihm Entschädigungen in der Höhe von etwa 100000 Franken zu. Dieser Betrag liegt im Bereich der Vergütung der übrigen Verwaltungsräte.