Vogel- und Naturschutzverein "Schwalbe" Schlieren
Waldrundgang im Zeichen der Eichen

Nino Kuhn
Drucken
Teilen
Bilder zum Leserbeitrag
4 Bilder
140322_0032.jpg Hansruedi Kolar erläutert, dass der Waldeigentümer nicht nur Holzrechte, sondern auch Pflichten hat. Der Unterhalt der Waldstrassen ist ein Kostenpunkt. Der Waldspaziergänger geniesst sie gratis.
140322_0040.jpg Der Exkursion war eine aufmerksame Zuhörerschaft gewiss.
140322_0048.jpg Nach den Strapazen des Marsches und Zuhörens im Regen war der Grill begehrtes Tagesziel.

Bilder zum Leserbeitrag

Daniel Santschi

Version:1.0 StartHTML:0000000181 EndHTML:0000012505 StartFragment:0000002633 EndFragment:0000012469 SourceURL:file://localhost/Users/kuhn/Desktop/Waldrundgang2014_Bericht.doc

Waldrundgang im Schlieremer Wald: „Das Leben der Eichen“

Samstag, 22. März 2014, 09:00 Uhr

Der traditionelle Waldrundgang in Schlieren fand am Samstag, den 22. März 2014, in der gleichen Woche wie der „Tag des Waldes“ und des Frühlingsbeginns statt. Eingeladen hatten, wie immer, die Waldkorporation und der Vogel- und Naturschutzverein „Schwalbe“, Schlieren. Der Einladung folgte eine stattliche und interessierte Schar Naturbegeisterter, die sich zu Recht von der wenig vorteilhaften Wettervorhersage nicht an der Teilnahme abhalten liessen. Thema des Anlasses war die Eiche. Als Referent konnte der für Schlieren zuständige Revierförster, Roland Helfenberger aus Aesch, gewonnen werden.

An Eichen wachsen, so war zu vernehmen, bei uns drei Arten: die einheimischen Stiel- und Traubeneiche sowie die aus dem Norden Amerikas stammende Roteiche. Das Limmattal zählt zu den eichenreichen Gebieten des Kantons Zürich. Das kantonale Waldamt unterstützt ein Projekt zur Förderung der einheimischen Eichen, in dem die Waldeigentümer für entsprechende Massnahmen entschädigt werden. Das Projekt im Limmattal wird seit Jahren von Roland Helfenberger betreut. Er konnte auch aus dem Vergleich der Inventuren zeigen, dass der Bestand an Eichen tatsächlich zugenommen hat.

Will man nämlich Eichen fördern, so bedarf es besonderer Massnahmen bei der Waldpflege. Mit der Schonung alter Eichen ist deren Bestand nicht gesichert. Es braucht auch Verjüngung und Hilfe beim Aufwuchs. Eichen benötigen schon als Keimlinge und Sämlinge und später auch als Jungpflanzen viel Licht. Im Schatten von Ahornen, Eschen und vor allem Buchen, die ganz von alleine wachsen und gedeihen, haben Eichen geringe Chance sich durchzusetzen. Immer wieder müssen Konkurrenten mit Gertel, Axt oder Säge zurückgestutzt werden. Das war schon im Mittelalter so, als im Bauernwald Eichen aus Samen zu Überhältern gezogen wurden. Ihre ganze Umgebung wurde als so genannte Hauschicht alle zehn bis zwanzig Jahre auf den Stock gesetzt, das heisst kahl geschlagen. Dieses Holz lieferte den Brennstoff für häusliche Koch- und Wohnwärme. Die Zwecke der Eichen waren hingegen Hausbau (Riegelbauten) und Nahrung. – Nahrung? - „Auf den Eichen wachsen die besten Schinken“ hiess es. Denn zur Zeit des Eichelfalls wurden die Schweine in den Wald getrieben, damit sie an Fleisch und Speck zulegten. Die Menge produzierter Eicheln hängt von der Witterung ab. Je nach Ergebnis spricht man von Voll-, Halb-, Spreng- oder Fehlmast. Diese Ausdrücke gehören unter Fachleuten noch heute zum fachlichen Wortschatz. Sie sind auch der Jägersprache gemein.

Mit dem Einzug der Industrie im 19. Jahrhundert änderten sich Lebensweise und Bedürfnisse der Menschen drastisch. In der Landwirtschaft breitete sich der Futterbau für Aufzucht und Mast der Tiere dank der Düngerproduktion aus. Der Wald verlor die Bedeutung als Futter- und Nahrungsquelle. Fast gleichzeitig und dank dem Bau der Eisenbahn liess sich Steinkohle einführen. Der Wald verlor die Bedeutung als Energielieferant. Nur in Kriegszeiten musste darauf zurückgegriffen werden. Der Bau der Eisenbahntrassen verschlang übrigens fast den ganzen damaligen Bestand an Eichen für die Schwellen, weil das Holz sehr dauerhaft ist. Nur Eichen, welche die für Schwellen benötigten Stammdurchmesser nicht erreichten, blieben verschont. Dies sind die heute im Wald anzutreffenden mächtigen alten Eichen.

Neben vielen anderen Erscheinungen erhielt der Wald in neuerer Zeit eine andere Bedeutung für das Volkswohl, zunächst als Produzent von Nutz- und Wertholz, dann aber als Kohlenstoffspeicher in der Klimaveränderungsdebatte, ganz besonders aber als Träger der Biodiversität. Dieser Ausdruck bedeutet zwar zunächst Artenvielfalt in der Natur. Er umfasst jedoch auch das Leben des Menschen mit seiner Kultur und deshalb auch die Wirtschaft. Hier spielt heute die Nachhaltigkeit eine bedeutende Rolle. Das ist auch ein Aspekt der Biodiversität, besonders in Bezug auf den schonungsvollen Verbrauch endlicher Ressourcen. Der Wald gehört zu den erneuerbaren Ressourcen, weil Holz dauernd nachwächst. Aus der Forstwirtschaft stammt der Begriff der Nachhaltigkeit, und das seit 300 Jahren. Holz soll aus dem Wald nur so weit genutzt werden, als nachwächst, ohne das Ertragsvermögen zu vermindern. Das schliesst die Nutzung des Waldes als Energiequelle nicht aus. Aus Biodiversitätsgründen verbleibt heute aber viel mehr stehendes und liegendes Totholz im Wald, und zwar zur Nutzung durch Pilze und Insekten. Doch ebenso wichtig wie das Totholz sind lebende Bäume. Sie sind die Produzenten und bilden den Lebensraum, von denen Mensch und Tier gleichermassen leben. Von allen in unserem Wald weisen die Eichen das grösste Potential für die Artenvielfalt auf. Es kommt zwar vor, dass Eichen aus waldbaulichen Gründen gefällt und zur Freude des Waldeigentümers wegen des Holzes in den Verkauf gelangen. Viel häufiger werden heute die wenigen mächtigen Eichen jedoch wegen den unzähligen auf, in und von ihnen gedeihenden Insekten, Vögel, Fledermäuse und Pilze gehegt. Zwischen 300 und 500 Arten sind von Eichen abhängig, darunter gegen 40 Vogelarten. Diese lassen sich nicht losgelöst voneinander schützen; sie brauchen den ihnen zusagenden Lebensraum, und der ist an die Eichen gebunden.

Diese und viel mehr Zusammenhänge waren auf unserem Waldrundgang aus kundigem Mund zu vernehmen. Viele begeisterte Teilnehmer trafen sich nach den geistigen und körperlichen Strapazen bei der Waldhütte im Stärpel zur heiss ersehnten und begehrten Bratwurst mit Brot und Tranksame, Kuchen und Kaffe. Des Schlemmens und der lebhaften Diskussionen war kein Ende. Herzlichen Dank all jenen , die ihre Hilfe für Organisation und Durchführung des in jeder Hinsicht gelungenen Schlieremer Waldrundgangs zur Verfügung stellten.

Nino Kuhn, 04.04.2014

Legenden zu Abbildungen (Autor: Daniel Santschi)

140322_0006 Die Eiche war Thema des diesjährigen Waldrundgangs. Die weit ausladende Krone ist durch die spezielle frühere Waldnutzung bedingt, ein Kulturrelikt.

140322_0040 Der Exkursion war eine aufmerksame Zuhörerschaft gewiss.

140322_0032 Hansruedi Kolar erläutert, dass der Waldeigentümer nicht nur Holzrechte, sondern auch Pflichten hat. Der Unterhalt der Waldstrassen ist ein Kostenpunkt. Der Waldspaziergänger geniesst sie gratis.

140322_0048 Nach den Strapazen des Marsches und Zuhörens im Regen war der Grill begehrtes Tagesziel.

Aktuelle Nachrichten