Schlieren

Wegen steigenden Corona-Infektionszahlen: Das Limmi vergrössert die Testkapazität

Die vermehrten Coronafälle sorgen für lange Warteschlangen vor dem Testzentrum in Schlieren, doch Abhilfe ist in Sicht.

Manche lesen ein Buch, andere sind mit dem Handy beschäftigt: Sie alle stehen in einer langen Warteschlange vor dem Spital Limmattal, um einen Covid-19-Test machen zu lassen. «Wir warten bereits seit drei Stunden», sagt ein Pärchen, das sich mittlerweile auf dem Trottoir niedergelassen hat. Für sie führt kein Weg am Abstrich im Mund-, Nasen- oder Rachenraum vorbei: Sie müssen ihrem Arbeitgeber ein negatives Ergebnis vorweisen. «Sonst können wir nicht arbeiten gehen», sagen die jungen Leute.

Die meisten der Wartenden sind da, weil sie Coronasymptome haben, aber nicht so krank sind, dass sie dringend ärztliche Hilfe bräuchten. «In den vergangenen Tagen testeten die Medizinstudenten täglich rund 130 Personen», sagt Roberto Buonomano, Leiter Infektiologie des Spital Limmattal. Pro Person rechnet er mit sechs Minuten Arbeitsaufwand. Die Zahlen, der im Limmi getesteten Personen, stiegen in den letzten Tagen täglich an.

«Wir raten den Leuten, sich an die Empfehlungen des Bundes zu halten und sich bei Symptomen testen zu lassen», sagt Buonomano. Da man die üblichen Erkältungsanzeichen nicht von den Covid-19-Symptomen unterscheiden kann, verschafft erst ein Test Klarheit darüber, ob eine Person infiziert ist oder nicht. Hat jemand Coronasymptome, werden die Testkosten vom Bund übernommen. Für andere kostet der Test im Spital Limmattal 200 Franken. Dass er in anderen Spitälern günstiger ist, liegt daran, dass beispielsweise das Stadtspital Triemli die Laboruntersuchung selbst durchführen kann und sie nicht in ein Labor einsenden muss.

Aufgrund des Ansturms auf die Testzentren testet beispielsweise das Kantonsspital Winterthur zurzeit nur Patienten mit Symptomen. Soweit will Buonomano nicht gehen. Patientinnen und Patienten mit leichten Symptomen oder Personen, die den Test nur machen, um beispielsweise Reisen zu können, empfiehlt er aber, den Test in der Apotheke machen zu lassen. Buonomano ist froh, gibt es seit Anfang Woche die Möglichkeit, den Test auch in ausgewählten Apotheken zu machen. So wird der Druck, der zuvor nur auf den Hausärzten und Spitälern lag, auf mehreren Schultern verteilt.

Es gab keinen nachweislichen Ansteckungsfall beim Personal

Trotzdem hat sich das Spital nun auf eine anstrengende Zeit vorbereitet. Um den vielen Wartenden und der kälteren Saison gerecht zu werden, eröffnet das Spital Limmattal am Mittwoch ein grösseres Testzentrum an der Spitalstrasse in der Nähe des Blutspendezentrums (siehe Box). In diesem Zentrum sollen dann mindestens zwei Personen auf einmal betreut werden können. Auch sind die Leute dort vor Regen und kalten Temperaturen geschützt. «Aus Sicht der Ansteckungsgefahr, ist es besser, wenn die Leute draussen warten. Da dies nun nicht mehr möglich ist, haben wir ein Lüftungssystem im neuen Testzentrum eingerichtet», sagt Buonomano. Dieses soll Krankheitskeime aus dem Raum absaugen und so vermeiden, dass es zu Ansteckungen im Wartebereich kommt.

Bislang hat sich weder im Spital noch im Testzentrum eine Fachperson nachweislich mit dem Virus angesteckt. «Die Schutzmassnahmen werden gut umgesetzt. Das ist sehr wichtig», sagt Buonomano. Künftig wird es zum Schutz der Patienten ein Einbahnsystem geben, das die Besucher durch die Gänge schleust. Das Limmi-Testzentrum ist an sieben Tagen in der Woche ohne Voranmeldung zugänglich.
In den letzten Tagen waren rund 15 Prozent der getesteten Patienten Covid-19-positiv. «Das ist zu viel. Laut WHO wäre es wichtig, dass die Rate nicht höher als fünf Prozent ist. Man geht ja von einer noch höheren Dunkelziffer aus», so Buonomano.

Patienten profitieren von den gesammelten Therapie- und Diagnostikerfahrungen

Wird ein Patient positiv getestet, erhält er innert 24 bis 48 Stunden gleich zwei Anrufe; einen vom Spital Limmattal, einen Anruf von der Zürcher Gesundheitsdirektion. Die infizierte Person wird dabei informiert, wie sie sich nun verhalten soll. Ein Grossteil der an Covid-19 erkrankten Personen, kuriert sich zuhause aus. Einige wenige müssen im Spital behandelt werden. Und noch weniger benötigen einen Intensivplatz. «Müssen die Patienten jedoch beatmet werden, dann sind sie lange an der Maschine. Das kann zu den gefürchteten Patientenstaus führen», sagt Buonomano.

Verglichen mit dem Frühjahr seien momentan aber weniger Leute hospitalisiert. Das liege wohl auch daran, dass man die damals gesammelten Erfahrungen in der Therapie und Diagnostik nun anwenden könne. Überdies stehen die Spitäler und Fachdisziplinen im ständigen Austausch untereinander. «Trotzdem wissen wir nicht, wie sich die Situation weiterentwickelt. Die kältere Jahreszeit hat ja erst angefangen», sagt Buonomano.

Ist eine Person nicht mit Corona infiziert, erhält sie eine E-Mail mit einer Entwarnung. Bis sie den negativen Testbericht erhält, darf sie ihr Zuhause nicht verlassen. Dies ist auch mit Maske nicht erlaubt.
Zum Selbst- und Fremdschutz gilt in der Warteschlange vor dem Limmi Maskenpflicht. «Wir erwarten, dass alle bereits eine Maske mitnehmen», sagt Spitaldirektor Thomas Brack. Ihm ist es wichtig, «dass das Personal trotz langer Wartezeit respektvoll behandelt wird.» Das sei nicht für alle selbstverständlich, doch momentan sei ein Zusatzeffort von allen verlangt. Als Tipp erwähnt Brack die Webcam auf der Spitalwebsite, über die man die Länge der Warteschlange vor dem Zentrum in Echtzeit verfolgen kann.
Ein Mann, der gerade zur Schlange vor dem Testcenter hinzugekommen ist, nimmt die Wartezeit als das kleinere Übel in Kauf. «Mein Hausarzt hat heute geschlossen und im Spital Baden erhalte ich erst am Montag den nächsten Termin», sagt er. Vielleicht kommt er sogar noch schneller an die Reihe, denn unterdessen wurde vorübergehend eine weitere Teststrasse eröffnet.

Das Test-Zentrum im "Limmi" ist täglich geöffnet
Ab Mittwoch, 28. Oktober, können sich die Patienten im Spital Limmattal an der Spitalstrasse testen lassen. Das neue grössere Testzentrum wird von 8 bis 18 Uhr geöffnet sein. Voranmeldungen sind im Limmi-Testzentrum nicht möglich, es ist mit Wartezeiten bis zu drei Stunden zu rechnen. Ein Test kostet für Personen ohne Covid-Symptome 200 Franken. Die Resultate erhalten die Personen innert 48 Stunden. Auf dem Spital-Gelände besteht Maskenpflicht. (lyl)

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