Zürich

Sarasin/Goltermann Fall: Bezirksgericht bemängelt Recherche der Weltwoche

Zürcher Bezirksgericht stellt sich auf die Seite von Philipp Sarasin. (Archiv)

Zürcher Bezirksgericht stellt sich auf die Seite von Philipp Sarasin. (Archiv)

«Die Weltwoche» erhebt gegen den Historiker Philipp Sarasin schwere Vorwürfe, sie bezichtigt ihn der Korruption und Vetterliwirtschaft. Das Zürcher Bezirksgericht demontiert die Kampagne der Weltwoche, ihre Recherchen seien nicht fundiert.

Alles begann im Jahr 2011. Svenja Goltermann wurde von der Berufskommission zur Geschichtsprofessorin an der Universität Zürich gewählt.

Drei Jahre später fährt die Weltwoche hartes Geschütz gegen den Historiker Philipp Sarasin, er solle als damaliges Mitglied der Berufskommission dafür gesorgt haben, dass seine Partnerin Goltermann die Stelle bekam.

Die beiden Geschichtsprofessoren bestreiten vehement den Vorwurf, zu dem Zeitpunkt eine intime Beziehung geführt zu haben. Die Liebesbeziehung entwickelte sich, laut ihrer Aussage, erst einige Monate nach der Wahl.

Sarasin und Goltermann sahen ihren Ruf durch die öffentliche Kampagne als gefährdet und entschieden sich gemeinsam zu dem Schritt, den Weltwoche-Mann Philipp Gut wegen übler Nachrede und Verstoss anzuklagen.

Begutachtung der Quellen

Der stellvertretende Chefredaktor Philipp Gut stützte seine Weltwoche-Kampagne auf acht unabhängige Quellen, die er als sehr glaubwürdig und vertrauenswürdig einstuft, wie die NZZ am Mittwoch schrieb. Über die Identität dieser Quellen will Gut jedoch nichts preisgeben. 

Der Richter des Bezirksgericht kritisiert die Anonymsierung der Quellen, da es sich bei mindestens vier der Quellen um Professoren handelt, welche vor allfälligen Repressionen geschützt seien.

Desweiteren reichte Gut beim Gericht zwei Gesprächsnotizen als Beweismaterial ein, die jedoch nicht unmittelbar nach den Gesprächen angefertigt wurden. Der einzige Zeuge, der tatsächlich aussagte, bestritt vor Gericht in einem Telefongespräch mit Gut, über Sarasin und Goltermanns Beziehungen in den Neunzigerjahren gesprochen zu haben.

Mehrstufiges Entscheidungsverfahren spricht dagegen

Das Bezirksgericht schliesst aus, dass Svenja Goltermann nur wegen ihrer persönlichen Beziehung eingestellt wurde. Schliesslich habe das Ernennungsverfahren zwei Jahre gedauert und in den Prozess waren zwölf Kommissionsmitglieder involviert. Nach mehrstufigem Entscheidungsverfahren wurde Goltermann schliesslich bei einer Enthaltung ohne Gegenstimme gewählt. Es sei also anzunehmen, dass die Professorin die Stelle aufgrund ihres fachlichen Wissens erhielt.

Das Bezirksgericht hält fest, dass Journalisten anonyme Quellen für ihre Recherchen nutzen dürfen, solange sie die Beschuldigungen belegen können. Dem Weltwoche-Journalisten sei es jedoch nicht gelungen seine Behauptungen nachzuweisen.

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