«Gegen Rassismus: Es ist Zeit, den Mund aufzumachen.» So lautete der Titel meines Wochenkommentars vom Samstag. Er sollte all jenen eine Stimme geben, die genug haben von den rassistischen und fremdenfeindlichen Kommentaren zur Asyl- und Flüchtlingsthematik. Das Ziel scheine ich erreicht zu haben, die Reaktionen in Gesprächen, Online-Kommentaren, Sozialen Medien und per Mail waren in ihrer Zahl überwältigend, was zeigt, wie sehr das Thema die Menschen hierzulande beschäftigt. An vielem habe ich mich gefreut, anderes hat mich erneut nachdenklich gestimmt. Es gab auch Reaktionen, die mich geärgert haben. Dies dann, wenn geglaubt wird, dass die Beleidigung eine Form der Kritik darstellt.

«Ihr Kommentar entspricht nicht Ihrem IQ»

Doch vorerst ein paar Reaktionen: Leser A. L. schreibt mir per Mail: «Ihr heutiger Kommentar entspricht meines Erachtens nicht ganz Ihrem IQ und der sonst üblichen lesenswerten Berichte aus Ihrer Feder.» Dem hält Leserin M.M. entgegen: «Wieder einmal schrieben Sie einen ausgezeichneten, mutigen Artikel zum Thema Flüchtlinge. Danke!» Dazwischen erreichten mich viele Variationen von Lob und Beschimpfungen. P.D. schrieb in seiner unnachahmlichen Art: «Nur wenige interessieren sich für eure Meinung.» Wäre denkbar, doch er liegt in diesem Falle völlig daneben.

Was mir in der Diskussion wieder einmal auffällt, ist, wie gerne ich als Kommentator falsch verstanden werde, wie unverfroren meine Aussagen ins Unkenntliche verdreht werden. Wie oft mir Sachen vorgeworfen werden, die ich im Artikel weder erwähnt noch angedeutet habe.

Ich sortiere die Reaktionen insgesamt zu drei Gruppen.
1) Die Zustimmenden: Sie sind froh, die eigene Meinung in meinem Kommentar wiederzufinden. Sie fühlen sich oft machtlos, glauben sich von der Gegenseite übertönt. Der Tenor: Endlich sagts jemand!
2) Die Kritiker: Sie halten nichts von meiner Haltung und begründen das sachlich. Auffallend ist: Wer dazu aufruft, rassistische und fremdenfeindliche Töne zu unterlassen, wird verächtlich in die linke Ecke gestellt. Offenbar ist Menschlichkeit in andern Bereichen der politischen Skala undenkbar. Der Tenor: Linkes Geschwätz.
3) Die Aufgebrachten: Sie lesen die Stichworte «Asyl» oder «Flüchtlinge» und schreiben, was sie schon immer einmal sagen wollten, ohne den Text richtig erfassen zu wollen oder in ihrem Furror zu können. Sie vermischen Kraut mit Rüben, und zeigen keinerlei Lust, andere Argumente in ihre eigenen Gedankengänge einzubeziehen. Man müsse Rassisten und Fremdenhasser verstehen, schliesslich, sei die Situation schlimm. Der Tenor: Nestbeschmutzer.

Nein, die Schweizer sind keine Rassisten

Damit meine Haltung nochmals deutlich wird: Nein, die Schweizer sind keine Rassisten. Ja, es gibt Schweizer, die Rassisten sind. In den Kommentarforen wird zu rassistisch, zu fremdenfeindlich und zu menschenverachtend argumentiert. Ich setzte Kritik an der Asylpolitik nicht mit Rassismus gleich, doch stelle ich fest, dass viele Kritiker der Asylpolitik rassistisch und fremdenfeindlich argumentieren. Die Asylpolitik darf kritisiert werden und sie muss diskutiert werden, das aber faktenbezogener und mit Respekt gegenüber Andersdenkenden, und ja, auch gegenüber Flüchtlingen.