Bezirksgericht Dietikon

Affäre drohte Ex-Geliebter mit einem heimlich gedrehtem Sex-Film

Am Bezirksgericht Dietikon wurde wegen einem heimlich gedrehten Sex-Film verhandelt. (Archiv)

Am Bezirksgericht Dietikon wurde wegen einem heimlich gedrehten Sex-Film verhandelt. (Archiv)

Eine Mutter, die in festen Händen ist, hat eine Affäre – diese filmt sie bei dem gemeinsamen Schäferstündchen, ohne dass diese etwas davon weiss. Als sie sich später von ihrem Seitensprung lossagen will, versucht dieser sie mit dem Video zu erpressen.

Es war im Sommer 2014, als sich eine Schweizerin auf ein intimes Liebesverhältnis mit einem im Limmattal wohnhaften Brasilianer einliess. Da die junge Mutter mit einem festen Lebenspartner, einem Polizeibeamten, zusammen wohnte, musste sie ihren Verehrer jeweils heimlich treffen. Meistens an seinem Wohnort im Bezirk Dietikon, wo es wiederholt zu sexuellen Handlungen kam.

Laut Anklageschrift war es Ende Juli, als der Beschuldigte in seinem Schlafzimmer eine Videokamera einrichtete und damit intime Handlungen mit seiner ahnungslosen Gespielin ohne ihr Einverständnis aufnahm. Die versteckte Beziehung dauerte mehrere Wochen an, geriet aber im Herbst 2014 in eine Krise. Besonders nachdem die spätere Geschädigte ihren Liebhaber in einem Zürcher Club dabei erwischt hatte, wie er mit einer anderen Frau innig tanzte.

Als die eifersüchtige Privatklägerin darauf dem Mann in Aussicht stellte, den Kontakt zu ihm abzubrechen, eröffnete er ihr, dass er einen ihrer Liebesakte filmisch aufgenommen habe. Als Beweis stellte er ihr via Facebook-Chat ein Bild aus dem Videofilm zu. Dann verlangte er von ihr, dass er sie weiterhin treffen könne. Andernfalls werde er den Streifen ins Internet stellen und damit veröffentlichen, drohte er.

Zweiter Vorfall kam ans Licht

Doch dann hatte der Filmer Pech. So liess sich seine Ex-Liebhaberin nicht erpressen, suchte die Polizei auf und erstattete Strafanzeige. Diese Woche musste sich der der heute 39-jährige Limmattaler wegen Nötigung sowie mehrfacher Verletzung des Geheim- und Privatbereichs vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten.

Die Ermittlungen und Untersuchungen der Filmdateien des Beschuldigten hatten einen zweiten Vorfall ans Licht gebracht. Demnach hatte er im Sommer 2014 eine Nachbarin auf ihrem Balkon gefilmt. Ohne Einverständnis der Dame, die damals ein Sonnenbad mit nacktem Oberkörper genossen hatte. Von der Polizei auf die Bilder angesprochen, fiel die Limmattalerin aus allen Wolken.

Vor Gericht wies der Beschuldigte alle Vorwürfe zurück. So sei seine Liebhaberin mit den Filmaufnahmen einverstanden gewesen, behauptete er. Allerdings wurde er durch eine sichergestellte Facebook-Nachricht massiv belastet. «Ich weiss, ich darf dies nicht machen, aber ich habe ein Video über dich», hatte er der Geschädigten nachweislich geschrieben. Was ihm der Gerichtsvorsitzende Bruno Amacker vorhielt.

Der Beschuldigte konnte dies nicht mehr erklären, bezeichnete aber seine Ex-Liebhaberin als unmoralische Lügnerin, die ihren Lebenspartner und ihre Kinder betrogen habe. Den zweiten Anklagepunkt bei den Balkonaufnahmen schob er auf einen Landsmann ab. Dieser und nicht er habe die halbnackte Frau gefilmt, erklärte er.

Der Verteidiger plädierte im Hauptantrag auf umfassende Freisprüche. Der Rechtsanwalt ging von einem Racheakt einer im Stolz gekränkten Ex-Liebhaberin aus. Zudem sei seinem Klienten infolge fehlender Verwirklichungsabsicht kein Vorsatz nachzuweisen. Im schlimmsten Fall liege bloss eine versuchte Nötigung vor. Wofür eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 50 Franken angemessen wäre.

Das Bezirksgericht Dietikon kam zum Schluss beim Hauptvorwurf zu einem Schuldspruch. Es verurteilte den Limmattaler wegen Nötigung sowie Verletzung des Geheimbereichs zu einer hohen und bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 90 Franken sowie zu einer Busse von 1300 Franken.

Richter Amacker stufte dabei den Videofilm als Hauptbeweis ein. Darauf sei zu sehen, wie der Beschuldigte alleine im Schlafzimmer die Kamera angestellt und danach für zehn Minuten den Raum verlassen habe. Erst dann sei er mit der Geschädigten wieder aufgetaucht. Was aufzeige, dass die Frau von der versteckten Kamera offensichtlich nichts gewusst habe.

Hinzu kommt laut Amacker das Schreiben des Beschuldigten, in dem er schliesslich zugab, dass er etwas Verbotenes gemacht habe. Beim zweiten Vorwurf sah das Gericht mangels Beweisen den Sachverhalt als nicht erstellt an. Trotz des Teilfreispruchs ging es deutlich über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Diese hatte eine Sanktion von 90 Tagessätzen zu 80 Franken bedingt verlangt.

Ein viel zu tiefer Antrag, wie Amacker bemerkte und dem wenig einsichtigen Beschuldigten eine sehr gravierende Tat anlastete. Der verurteilte Basilianer kann allerdings den Entscheid anfechten und den Fall an das Obergericht weiterziehen.

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