Langenthal/Bätterkinden

So bleiben sie am Ball, wenn Sie zurzeit arbeitslos sind

Stefan Roos.rg

Stefan Roos.rg

In Bern erzählte der Emmentaler Stefan Roos, wie er als früherer Buschauffeur von der Praxisfirma im Oberaargau profitierte. Eine Anerkennung bestätigt informell erlangte Kompetenzen, ersetzt aber keinen Abschluss, sagt er.

Stefan Roos arbeitete bis vor kurzem in einer kaufmännischen Praxisfirma. Der Stellensuchende aus Bätterkinden verfügt zwar über vielfältige Kompetenzen, nicht aber über einen Lehrabschluss. Vor einem Jahr verlor er den Job als Buschauffeur. «Statt zu resignieren, entwickelte ich Eigeninitiative.» Er beschloss, seine Einzelfirma «Roos Weine & Transporte», die er im Nebenerwerb führt, auszubauen. Um kaufmännisches Wissen zu erlangen, hatte er bereits einen Handelslehrgang begonnen. «Nach meiner Kündigung knüpfte ich Kontakte – ein Netzwerk ist für Unternehmer wichtig.» Auf dem RAV ersuchte Roos um den Einsatz in einer Praxisfirma und wurde der C-Arts in Langenthal zugeteilt: «Hier setzte ich die erworbene Theorie um. Unterlief ein Fehler, wirkte sich dies nicht auf die Firma aus. Ich aber lernte dazu.»

In seiner Firma ist Stefan Roos Verkäufer, Kundenberater und Chauffeur: «Ich mag den Umgang mit Kunden und bin als Car-Fahrer kompetent, auch ohne Lehrabschluss.»

Anerkennung oder Validierung?

«Viele Kompetenzen, die für den Arbeitsmarkt wichtig sind, erringen wir ausserhalb einer Ausbildung», sagte Ruedi Winkler, Personal- und Organisationsentwickler, kürzlich an derselben Fachtagung wie Stefan Roos in Bern. Winkler ist Präsident von Valida, einem Verein der sich für Anerkennung und Validierung nicht formaler Lernleistungen einsetzt. Besonders bei Geringqualifizierten erhöhe dies die Chancen auf dem Arbeitsmarkt: «Sie sind motivierter, selbstsicherer und besitzen ein Papier, das ihre Fähigkeiten ausweist.»

Eine Anerkennung bestätigt informell erlangte Kompetenzen, ersetzt aber keinen Abschluss. Die Validierung von Bildungsleistungen dagegen rechnet nicht formal erworbene Kompetenzen an einen Abschluss an. Zuständig dafür sind die Kantone, das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) und die Organisationen der Arbeitswelt. Validieren geht heute nur für wenige Berufe: Detailhandelsfachleute, Fachangestellte Gesundheit, Fachleute Betreuung, Fachleute Hauswirtschaft, Informatiker, Kaufleute, Logistikassisten-
ten, Logistiker, Maurer, Mechapraktiker, Mediamatiker, Printmedienverarbeiter und Restaurationsfachleute. Nebst Bern haben erst vier Kantone ihr Validierungsverfahren vom BBT anerkennen lassen; provisorisch anerkannt sind die sechs Kantone der Zentralschweiz und das Wallis.

Ob den steigenden Anforderungen an Arbeitnehmende seien auch jene an Geringqualifizierte gestiegen, sagt Flurina Semadeni. Sie ist Leiterin Bildung und Beschäftigung im Staatssekretariat für Wirtschaft. Die Arbeitslosenversicherung (ALV) unterstütze Geringqualifizierte spezifisch. Einige Arbeitsämter setzten die Validierung von Bildungsleistungen schon ein. Eine letztjährige Analyse des Seco habe aber ergeben, dass die Nutzung je nach Kanton stark variiere. Das BBT prüfe nun, diese stark auszubauen.

Links www.validacquis.ch
www.arbeitsgestaltung.ch

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